"Geografie der Angst"! Interessanter Titel denk ich, als ich das Buch so im Regal stehen seh...herausgenommen, umgedreht reduziert sich der Inhalt in der Kurzbeschreibung auf einen grausigen Leichenfund 6 weiblicher und 7 männlicher Personen auf einer kleinen Insel in der Nähe von Helsinki. Für mich als Liebhaberin düsterer Romane klingt das irre verlockend. Keine Frage also, daß ich mich später daheim, mit dem aufgeschlagenen Buch im Bett sitzen sehe.
Aber wie ich da so sitze und lese stellt, sich mir bereits nach wenigen Seiten die Frage, was das Gelesene eigentlich mit dem Titel zu tun hat. Ich lese in ausschweifenden Worten von der Jugend der Erzählerin, ihren Vorlieben und Ängsten, von ihrem negativen Selbst-Männerbild und das sie, wie die der größte Teil der weiblichen Buchfiguren,unter massiven Eßstörungen leidet. Ferner lese ich mich durch seitenlange Ausführungen, warum sie Läuferin ist und später nicht mehr, warum sie Zahnärztin wurde usw. usf. Die komplette Biografie der Erzählerin wird zwar reichlich wortgewaltig, aber ermüdend langatmig, auf ettlichen Seiten dargelegt. Und nicht nur das: Auch die zahlloser Nebenfiguren *gähn*. Zur Auflockerung wird das Ganze ab und an durch irgendwie zusammenhangslos anmutende Rückblicke auf die Erlebnisse der Erzählerin innerhalb der Frauengruppe des Mitternachtsinstituts unterbrochen. Wenigstens kristallisiert er sich dabei heraus, der Zusammenhang zum Titel! Diese zahlreichen Gedankenspünge zwingen den Leser dazu, entweder konzentriert weiterzulesen oder einfach über dem Buch einzuschlafen.
Vergeblich hoffte ich auf kriminalistische Aspekte, die Titel und Kurzbeschreibung vermuten lasse. Die Autorin besitzt m. E. die Gabe wortreich und phantasievoll um das Hauptthema herzumzureden und so endet mein Eindruck damit, keinen Krimi oder Psychothriller gelesen zu haben, sondern ein Buch über radikale geistesgestörte Furien, die unter dem Deckmäntelchen eines feministischen Sminars, kombiniert mit exzessivem Genuß psychoaktiver Pilze, ihrer Wut und ihrem Realsadismus freien Lauf lassen.
Fazit: Das durchaus interessante Portenzial der Grundidee, des Romans konzentriert sich in seiner Ausarbeitung hauptsächlich auf die Gruppendynamik innerhalb der feministischen Frauengruppe des Mitternachtsinstituts. Freunde kriminalistischer Arbeit,wie ich es bin, kommen bei diesem Buch auf keinerlei Kosten sondern kämpfen sich in der Hoffnung interessantere Passagen zu lesen, müde durch einen Wust feministischer Sichtweisen. Es wäre sinnvoll bereits in der Kurzbeschreibung auf den feministischen Schwerpunkt des Buches hinzuweisen. Ich persönlich hätte es dann mit Sicherheit nicht gekauft!