Der Meister rief, und alle kamen -- und wie diese CD beweist, brachten sie eine geballte Ladung Blues und Soul mit.
Auf seiner leider, leider allerletzten CD zeigt Ray Charles noch einmal, was für ein Ausnahme-Sänger er immer war. Freilich klingt seine Stimme gelegentlich ein wenig brüchig; der Jüngste ist er hörbar nicht mehr, und zum Glück wurde hier nichts geschönt. Aber sie bleibt rauh und intensiv wie eh und je, diese Stimme, geht nur noch mehr unter die Haut.
Die Duettpartner tun ein Übriges; die meisten Arrangements sind auf die verschiedenen Duette perfekt abgestimmt. Und dass die Duette verschieden sind, lassen bereits die Namen der Beteiligten erkennen: Norah Jones, James Taylor, Diana Krall, Elton John, Natalie Cole, Bonnie Riatt, Willie Nelson, Michael McDonald, B.B. King, Gladys Knight, Johnny Mathis, Van Morrison.
Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen bei zwölf Cover-Versionen bewährter Heuler, zumal sich nur ein-, zwei Mal ein klein wenig zu viel Routine eingestellt hat.
Jedenfalls kann sich auch dieses letzte Duett-Album von Ray Charles hören lassen: Der Blues "Sweet Potato Pie" mit James Taylor klingt so klar, dass es fast schon optimistisch wirkt; in (nur drei Beispiele) "Here We Go Again", "Sinner's Prayer" und "Crazy Love" kommen Norah Jones', B.B. Kings bzw. Van Morrisons ohnehin unverwechselbare Stimmen noch authentischer zur Geltung; "Fever" groovt in der Fassung von Ray Charles und Natalie Cole wie selten zuvor; und wenn schließlich Gladys Knight und der Großmeister in "Heaven Help Us All" den Motown wieder aufleben lassen, ist man wunschlos glücklich und will nur noch die "Repeat"-Taste drücken.
Die CD wäre perfekt -- wäre da nicht diese vermaldeite alte Ray-Charles-Seuche, die ausgerechnet dieser Könner nie nötig hatte, und die ihm jahrzehntelang gewisse Produzenten immer wieder reingewürgt haben. Ich meine diese geschmäcklerisch-süßlichen Streicher-Arrangements. Bei einem Schmachtklassiker wie "Over the Rainbow" (Duett mit Johnny Mathis) lässt sich das noch vertreten, aber bei "It was a Very Good Year" (R.Ch. & Willie Nelson) und "Hey Girl" (R.Ch. & Michael McDonald) nicht. Geigenschmalz passte und passt niemals zu Ray Charles' sanftem Reibeisen-Soul. Das ändert aber nichts an meiner Empfehlung:
Verbarrikadieren und Anhören! Anhören und nochmal Anhören. Da capo ad infinitum.