Das Buch Il Porto von Leonardo Romanelli besticht zunächst durch eine ansprechende Optik, wirkt jedoch ein wenig dünn. Die 83 Seiten Text und 22 Seiten Rezepte werden häufig durch großformatige Zeichnungen unterbrochen und sind in einem unüblichen Hochkantformat geschrieben.
Inhaltlich ist das Buch gut aufgebaut. Romanelli beginnt mit einem kurzen Streifzug durch die Geschichte und geht über das Kapitel "Herstellung und Weinbau" zu dem für Portwein spannenden Thema "Bräuche und Traditionen". Diese 3 Kapitel sind ausreichend recherchiert, jedoch in Teilen recht umgangssprachlich geschrieben.
Im Teil "Ein moderner Wein" werden die unterschiedlichen Arten des Portweins angesprochen, die der Anfänger zunächst kennen muss, damit sich ihm dieses Thema erschließt. Hier sind grundlegende Fehler vorhanden, die zur kompletten Verwirrung des Laien führen müssen.
So wird ein Colheita nach zunächst korrekter Beschreibung (Tawny aus einem Jahrgang) als Wein, der sich aus bestimmten Mischungen (Weine verschiedener Jahrgänge, Weine desselben Jahrgangs unterschiedlicher Fassreife) dargestellt - ja, was denn nun?
Die Tawnies mit Altersangabe werden als Weine dargestellt, die nicht unbedingt den Wein des angegebenen Alters beinhalten müssen. Über die Tatsache, dass diese Weine aber im Durchschnitt mindestens das angegebene Alter haben müssen, berichtet der Autor nicht.
Dass ein Late Bottled Vintage zwischen einem Vintage und einem Tawny liegen soll, ist nicht korrekt, vielmehr liegt der LBV zwischen einem Vintage und einem (Standard) Ruby. Ein LBV erreicht seine höchste Reife nicht nach 10 Jahren, die meisten Vertreter dieses Typs sollten direkt verzehrt werden (Ausnahme: unfiltered LBV). Ein Vintage Port zeichnet sich auch nicht durch einen "brennenden" Geschmack aus. Er ist auf seinem Genussgipfel sehr ausgeglichen und bekömmlich. Auch die Temperaturempfehlung entspricht nicht den allgemeinen Gepflogenheiten. Einen LBV bei 16 Grad zu trinken, kann je nach Typ eine gute Empfehlung sein, ein Tawny wird definitiv aber kälter als ein LBV getrunken.
Ob sich diese inhaltlichen Fehler jetzt aus der mangelhaften Übersetzung ergaben oder schon im Originalwerk vorlagen, kann ich nicht sagen. Für den Fachmann bietet sich in Romanellis Il Porto nur wenig Neues, für den Einsteiger ist es nicht empfehlenswert, da für den wenigen Inhalt zu viele Fehler vorhanden sind. Hier existieren bessere deutschsprachige Portweinbücher, auch wenn man für diese ein wenig tiefer in die Tasche greifen muss.
Sollten Sie weitere Fragen oder Anmerkungen zu dieser Rezension haben, kontaktieren Sie mich bitte unter axelprobst@worldofport.de.