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Geniale Dilletanten
 
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Geniale Dilletanten [Sondereinband]

Wolfgang Müller
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Sondereinband: 128 Seiten
  • Verlag: Merve; Auflage: Unveränd. N.-A. (Mai 1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3883960217
  • ISBN-13: 978-3883960210
  • Größe und/oder Gewicht: 16,6 x 12 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 205.669 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Viele Abbildungen u. ausführliche Sach- u. Namensregister "Die Texte, die in diesem Band versammelt sind, lassen sich nur mit den besten Texten aus der Frühzeit der Neuen Deutschen Welle vergleichen... Da machen die ‚genialen Dilletanten` weiter, nur daß sie eben nicht nur Musiker sind, sondern auch Philosophen wie Wolfgang Müller, Literaten wie Frieder Butzmann, Lyrikerinnen wie Gudrun Gut von ‚Malaria` und Malerinnen wie Tabea Blumenschein, die dem Bändchen einige sehr schöne Zeichnungen beigefügt hat. Die genialen Dilletanten, also der Musikerkreis um die ‚Einstürzenden Neubauten`, ‚Die tödliche Doris` und ‚Sprung aus den Wolken` gelten gemeinhin als dunkel, düster, aggressiv, todessehnsüchtig und superpessimistisch. Und daß sie auch Humor haben, ohne billig zu sein oder sich zu verraten, daß sie vor allem verstehen ihre Köpfe zu gebrauchen, kann man aus diesem kleinen Bändchen ersehen, das sie selbst geschrieben haben." (W. Hagen, SF-Beat)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von mmmh
Der kleine Sammelband beginnt mit einer Hässlichkeit: „Unsre Musik sind keine Töne mehr", schreibt „Zum Geleit" Blixa Bargeld. In einem Atemzug bringt der Frontmann der Einstürzenden Neubauten hier Singular und Plural („Musik sind") durcheinander. Doch genau darum ging es den Genialen Dilletanten Anfang der 1980er Jahre ja: Sie wollten durcheinander bringen, umwerten, in Frage stellen. Sie wollten selber Kultur machen und setzten sich dafür über herkömmliche Zugangsregeln und Gepflogenheiten hinweg. Bargeld ist dafür ein schönes Beispiel. Sein Instrument ist (neben seinem gewaltigen, gleichwohl ungeschulten Sprechorgan) die Gitarre. Doch er „spielte" sie, ohne Gitarre gelernt zu haben. So hat er es immerhin zum Gitarristen von Nick Cave gebracht.
Dem kurzem Geleit folgt ein Foto Bargelds als Leder-Dandy. Der zweite Text stammt dann von Wolfgang Müller (von der Band/Künstlergruppe Die Tödliche Doris). Müller analysiert den Begriff des Dilletanten, der einen Verstoß gegen die Rechtschreibung darstellt, denn es müsste ja Dilettant heißen. Es handelt sich aber auch um einen Verstoß gegen überkommene Instinkte: „Wer wollte sich schon gern als Dilettanten bezeichnet sehen, auch nicht dann, wenn Goethe sich selbst als einen solchen Dilettanten empfand", zitiert Müller den Ästhtikprofessor Bazon Brock. Die Genialen Dilletanten jedoch tragen den Dilettanten-Titel mit Würde.
Müller definiert: „Dilletantismus auf musikalischen (aber auch allen anderen möglichen) Bereichen hat nichts mit Stillstand durch Nicht-Professionalität zu tun - ganz im Gegenteil - Entwicklung unter Einbeziehung aller möglichen und angeblich unmöglichen Bereiche kann ein universellen Ausdruck finden, dem die Profis hilflos unterlegen sind." Auch hier findet sich wieder krude Sprache gepaart mit interessanten Ansätzen. Ein anderes Niveau wird nirgendwo im Buch angestrebt. Das mag Leser ärgern oder erfreuen.
Müller versammelt in „Geniale Dilletanten" 31 Beiträge, unter anderem Gedichte und Zeichnungen von Gudrun Gut (Malaria), einen experimentellen, collagenhaften Text („Das Establishment. Eine Pop-Show") von Frieder Butzmann, und manch schwer Konsumierbares mehr. Das Buch ist ein Zeitdokument, es spiegelt authentisch Strömungen der Westberliner Punkszene der frühen 1980er Jahre wieder. Es zeigt dadurch die widerborstigen Wurzeln der Neuen Deutschen Welle auf. Selbstredend ist es nicht leicht zu lesen oder gar unterhaltsam. Es handelt sich um ein Buch von Freaks für Freaks. Auch für Kulturwissenschaftler auf der Suche nach Primärquellen dürfte es eine Fundgrube sein.
Doch darin erschöpft sich das Buch nicht. Gerade heute (zu einer Zeit, zu der Studienabschlüsse und Doktortitel notwendig sind, um überhaupt Zugang zu einigen Berufen zu erhalten; zu einer Zeit auch, zu der selbst die Kunst immer akademischer und wissenschaftlicher wird) ist dieser Merve-Band ungeheuer wichtig. Er ist nicht immer schön geschrieben, das Gesagte liest sich mitunter sogar reichlich ungar, aber dieser Beuy'sche Impetus (Jeder ist ein Künstler), dieses Anzweifeln von Autoritäten, diese willige Übernahme von Verantwortung, dieses sich Einmischen, weil einem etwas nicht passt: All das macht das Büchlein zu einem beachtlichen Werk. Es braucht mehr von diesem Geist.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dilettantisch oder genial? 12. August 2007
Von Friedrich
Es war ein Rechtschreibfehler, der dazu führte, dass dieses Buch einen solchen auf seinem Titel trägt. Als das legendäre "Festival der Genialen Dilletanten" 1981 im damaligen Westberlin veranstaltet wurde, bemerkte niemand die Falschschreibung des Wortes "Dilettant" als "Dilletant" auf den Flyern. Der Autor Wolfgang Müller, Mitglied der Band "Die Tödliche Doris" nahm den Fehler bewusst auf und konstruierte drum herum dieses Manifest. Mindestens 70 Prozent der Texte dürften von ihm stammen und es ist anzunehmen, dass Müller sich hinter Pseudonymen wie Claudia Schandt, Klaus Laufer und einigen anderen verbirgt. Er schlüpft in unterschiedlichste Rollen vom Punk bis hin zur Feministin ("Die Diskriminierung der Frau in der neuen Musik"), um dem Manifest größtmögliche Verschiedenheit zu verschaffen. Denn darum geht es in Müllers Theorie: erst die Abweichung, der "Fehler" schaffe neue Möglichkeiten. Erst so bilde sich Unterschiedliches. Keines der auf diese Weise entstandenen Resultate könne jedoch absolut genommen werden. Deshalb setzt Müller eine teils krude, akademisch, altklug, versponnen oder gestelzt klingende Sprache als bewußtes Stilmittel ein, um dem auseinanderdriftenden und atomisierenden Musik-Universum seiner Theorie ("gelbe, graue, blaue Musik; Musik in atomisiertem Zustand, gasförmig und dampfend") eine gewisse seriöse "Festigkeit" zu verschaffen. In die Falle seiner Sprache tappten Anfang der 80er viele Rezensenten aus dem eher tradionell klassischen Rockmusikbereich. Sie ärgerten sich sehr über die anmaßende, besserwisserische Sprache im Manifest dieser "Musikstümper" und gaben damit dem Buch erst den entscheidenden Schub.
Wer dieses Buch nicht liest, ohne dabei ständig laut aufzulachen - es ist nämlich nicht nur sehr geistreich, sondern auch überaus amüsant, hat Müllers Intention wohl nicht wirklich verstanden.
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