"Genial Kochen" ist längst ein Kultbuch. Und Jamie Oliver ist selber Kult. Und er stilisiert sich auch so. Schätzungsweise 50 großformatige Fotos von ihm selbst (oder seiner Frau Jools, oder seinem Freund Andy, um den er sich Sorgen macht, weil er mangels Freundin sich zu ungesund ernährt, oder von seinem Dad, der einen Pub betreibt...) Aber das stört überhaupt nicht, Jamie darf das!
Denn die Gerichte, die er darbietet, sind wirklich zum großen Teil genial. Und genial einfach. Die Gerichte sind meist schnell zubereitet, die Zutaten schnell eingekauft und die Löcher im Geldbeutel halten sich auch in Grenzen.
Wer nach wirklich abgefahrenen Kochideen sucht, wird hier auch fündig: Hähnchen in 2kg Salzkruste, Fisch in Zeitungspapier, grüner Spargel mit Anchovis umwickelt...
Ein besonderes Lob verdient der Fotograph/ Designer: Er setzt nicht nur Jamie in Szene, sondern auch die genialen Leckereien: Man bekommt schon beim Durchblättern Appetit!
Als einzigen Kritikpunkt hätte ich, daß der gute James manchmal doch ein bißchen arg auf die Pauke haut: Ein durchaus passabler Nudelsalat wird gleich als "der beste Nudelsalat" verkauft und zu seinen mit Pancetta umwickelten Zwiebeln ruft er aus: "Ich habe es gefunden! Das beste Zwiebelrezept! - es ist einfach klasse, die absolute Zauberformel!"
Aber gesundes Selbstbewußtsein schadet nie, Jamie hat allen Grund dazu, und am besten gibt man solche Formulierungen an seine Gäste weiter. Indem man z.B. die Zwiebeln ins Eßzimmer trägt und den erstaunten Gästen begeistert zuruft: "Hier kommt es! Das beste Zwiebelrezept! Die Zwiebelweltformel..." ;-)
Und das ist ganz im Sinne Jamies, unseres Halbgotts, der ständig Tips gibt, nicht nur wie man gut kocht, sondern wie man das Gekochte für seine Gäste interessant macht.