So weit ich übersehe, ist 'Genial, Gestört, Gelangweilt' nach wie vor der einzige Sammelband, der sich dem Thema ADS in Kombination mit Hochbegabung widmet. Hier kommen viele Autoren zu Wort, die sich entweder im Bereich der Hochbegabung oder im Bereich des ADS bereits einen Namen gemacht haben. Der Wert des Bandes besteht darin, dass er die unterschiedlichen Ansichten zu diesem Thema aufführt und damit auch, indirekt, das ganze Dilemma zur Forschungslage aufzeigt: Während die einen der Ansicht sind, dass sich ADS und Hochbegabung gerade zu ausschließen, sehen die anderen einen deutlichen Zusammenhang zwischen beiden Erscheinungsformen. Das ist für Hilfe suchende Eltern zwar verwirrend, sachlich gesehen aber korrekter als eindeutige Aussagen zu diesem Thema. Denn solange man neurobiologisch ADS und Hochbegabung nicht exakt auseinander halten kann, wird man auf die Kompetenz und Einfühlsamkeit von Psychotherapeuten, Psychologen und Neurologen angewiesen bleiben.
Darüber hinaus ist das Buch auch als ein Plädoyer an die Vertreter der einzelnen Fachdisziplinen, ihre Kooperationsfähigkeit zu schulen, zu verstehen. (z.B. Cordula Neuhaus). Wenn sich die Fachleute schon beim Thema Methylphenidat so in die Haare kriegen, dass ein konstruktiver Austausch nicht mehr möglich ist, schadet das vor allem denen, die dringend auf kompetente Hilfe angewiesen sind.