Zunächst einmal ist es doch sehr ärgerlich, dass das Inhaltsverzeichnis vor dem Druck nicht mehr aktualisiert wurde - man findet nichts auf Anhieb über das Verzeichnis.
Nicht hilfreich und von Grund auf (also genetisch) verständlich sind seine Begriffsannäherungen. Warum hilft mir der Ausdruck "subjektiv-exemplarisch" zum Verstehen weiter, wenn ich erfahren soll, was "genetisch" eigentlich meint.
Und dann zu dem Prinzip des exemplarischen Lernens: Das Kind soll am Exempel "Denken lernen", indem Phänomene ergründet werden. Exemplarisches Lernen ist doch genau dann ergiebig, wenn Analogiebildung beherrscht wird. Wenn das Kind dieses Denken oder diese Denkweise nicht als ein Prinzip begreift, dann verstehe ich nicht, warum exemplarisch gelernt wird. Ist es dann nicht viel mehr so, dass dass Kind eins von vielen Alltagsphänomenen versteht und ich als Lehrer nunmal eine Auswahl treffen muss? Dann ist das exemplarische Lernen mehr ein Griff in den Sack als ein Prinzip.
Man gewinnt den Eindruck, dass eine Überarbeitung auf Textkohärenz nicht gründlich genug erfolgt ist. z.B. wird ein Kapitel mit der Konjunktion "also" eingeleitet: Ich gehe also von der unbestreitbaren Tatsache aus. Also setzt doch voraus, dass der Autor aus Etwas etwas folgert. Durch teilweise schlechte Überarbeitung liest es sich sehr mühsam. Man muss oft "stehen bleiben" und überlegen - moment mal, worauf wird hier Bezug genommen.
Für den Praktiker ist schade, dass er nicht erfährt, warum er sich zu sämtlichen Exempeln die Denkmuster von verschiedensten Kindern durchlesen soll, ohne das am Ende eine Zusammenführung erfolgt a la: So denken Kinder und so muss ich die Themen aufbeiten, das kann ich erwarten, das nicht. Zum Schmöckern ist das sicherlich schön, zum systematischen Aufbereiten für den Unterricht mühsam.
Alles in allem ist das Buch nur für den geeignet, der sich auf das ganze Werk einlassen will und nicht für denjenigen, der relativ schnell das Prinzip verstehen möchte und anschließend erfährt, wie er das Prinzip mit in den Unterricht nimmt - denn: Der Autor erschlägt den Leser. Der Leser wurde beim Verfassen anscheinend häufig aus den Augen verloren.