Eher zufällig habe ich diesen Mystery-Thriller im Buchhandel gefunden: Klappentext und die ersten Seiten sagten mir zu, doch vor der Lektüre informierte ich mich hier über die bisherigen, sehr ambivalenten Rezensionen und die ebenso uneindeutigen Produktbeschreibungen. Derart von negativen Stimmen voreingenommen, war ich doch äußerst positiv überrascht und habe den Page-Turner in wenigen Nächten verschlungen. Da die Produktbeschreibung hier so rein gar nicht auf die Handlung eingeht, gestatten Sie mir an dieser Stelle eine inhaltliche Zusammenfassung:
Nach einem Irak-Aufenthalt ist der Times-Journalist Rob ausgebrannt, sehnt sich nach seiner in London lebenden Tochter und leidet an der Trennung seiner Ex-Frau. Darum schickt ihn der Chefredakteur in die Türkei, um einen kleinen Bericht über eine der ältesten und spektakulärsten Ausgrabungsstätten der Welt zu schreiben - gewissermassen als Erholungsurlaub. Doch dort wird unmittelbar nach Robs Eintreffen der leitende Archäologe umgebracht und die kurdischen Mitarbeiter scheinen etwas vor Rob und einer dort leitenden Angestellten zu verbergen. Darum machen die beiden sich auf die gefährliche Suche nach den wahren Umständen und entdecken etwas, was die großen, heutigen Religionen in ihren Grundfesten erschüttern könnte. Zeitgleich geschehen in England grausame Ritualmorde, die erst im Verlauf der Untersuchungen der leitenden Scottland Yard-Ermittler Hinweise auf einen Zusammenhang der Ausgrabungsstätte geben. Doch in welchem Zusammenhang stehen die fürchterlichen Morde wirklich..?
Knox ist mit seinem Debut ein doch sehr atemberaubend spannender, tempo-reicher Mystery-Thriller gelungen, der tatsächlich das Warten auf Dan Browns neuen Schmöker versüßen kann. Die Handlungsträger sind gut skizziert und besonders die verschlafenen, ur-alten und scheinbar mystischen Städte in der Türkei werden von Knox sehr detail-verliebt und sehr, sehr stimmungsvoll beschrieben. Die Idee des Romans selbst ist stimmig und nicht vorhersehbar, recht geschickt wird man hier und dort auf's Glatteis geführt. Natürlich ist die Beschreibung von grausamen Ritualmorden nichts für sanfte Gemüter, aber wer die auch nicht unbedingt leckere Leichenblässe von Simon Beckett verträgt, dürfte mit 'Genesis Secret' auch kein Problem haben. Auch etwa der Blutadler von Craig Russell skizziert teilweise sogar identische Ritualmorde und Russel beschreibt die grausam hingerichteten Leichen nicht unähnlich wie Knox, eine Kritik dieser makabren Situationen halte ich bei einem Psycho-Thriller also für unangemessen. Kritik lasse ich beim - im wahrsten Sinne des Wortes - aus-ufernden Showdown gelten, das schon arg unrealistisch wird. Aber wer Dan Brown mag, ist abtruse und vielleicht sogar ungewollte Komik durch total überzogene und unrealistische Handlungsstränge doch ohnehin gewohnt. Nach meiner Auffassung hat Knox das Potential, künftige Thriller auf Best-Seller-Listen zu katapultieren: hoch-spannend, auf vielen Fakten basierend, mysteriös und sehr, sehr stimmungsvoll. Ab sofort wird neben meiner Brown-Kollektion immer ein Platz für neue Schmöker von Knox frei sein.