"Genesis live" war mein persönlicher Einstieg in die Welt der Peter Gabriel-Phase, der Phase, von der Fans immer wieder sagen, dass sie die kreativste in der Geschichte der Band war. Das erste Live-Album aus dem Jahre 1973 bildet da ein wunderbares Destillat aus den kraftvollen Songs von den Alben "Trespass", "Nursery Cryme" und "Foxtrott". Gleich zu Anfang knallen mächtige Orgel-Akkorde aus den Boxen und eröffnen das meditativ-sureale "Watcher in the Skies". Danach "Get 'em out by Friday", eine herrlich-bizarre Geschichte um Wohnungsspekulaten und der Frage, ob man mit kleineren Leuten nicht mehr Profit in Wohnblocks machen könnte (!!). "The Return of the Giant Hogweed" ist großartig, aber nicht der stärkste Song, wirkt aber live deutlich kraftvoller, als bei der Studioversion. Seite 2 der LP eröffnet mit "Musical Box", dem Klassiker der Band bis dato, mit dem erratischen und wilden Ende, zu dem Gabriel immer wieder schreit: "Why don't you touch me, touch me, touch me". Der Wahnsinn nimmt Konturen an und erreicht bei "The Knife" seinen absoluten Höhepunkt. Klingt der Song auf dem Studioalbum "Trespass" noch ein wenig unbeholfen und unkonzentriert (es war ja erst das zweite Album der Band und noch ohne Collins an den Trommeln), so entfaltet der Song live seine volle Energie und ist sicherlich der absolute Höhepunkt der Platte. Lauter, fiebriger, ekstatischer waren Genesis nie, so direkt kann der oft zu künstlerische Prog-Rock sein. Schwachpunkte? Schade ist, dass die surealen und bizarren Zwischentexte fehlen, die Gabriel seinerzeit zur Überbrückung des Instrumente-Stimmens seiner Musiker eingebaut hatte. Die Erzählungen machten zum Teil die Atmosphäre der Konzerte aus und ließen sie zu absoluten Freak-Shows mutieren. (Natürlich muss man Gabriel dazu noch in seinen obskuren Kostümen sehen. Eigentlich!) Doch ohne Texte wirkt alles kraftvoller, komplexer und ökonomischer, kommt schneller auf den Pubkt. Eine 100%ige Wiedergabe eines Genesis-Konzerts ist es aber nicht. Spass macht "Genesis live" aber nach 30 Jahren immer noch.