1975 erschien das erste Album von Journey - glatte drei Jahrzehnte später legt eine der (nach Höhen und Tiefen) beständigsten Rockbands ihre Nummer 13 vor, die sich ohne Probleme im CD-Regal neben den großen Legenden der US-Band platzieren lässt. Gegenüber dem letzten Album „Arrival" von 2001 ist der Anteil rockigerer Stücke im Verhältnis zu Balladen deutlich größer. Der Label-Wechsel weg von Sony hat Journey gut getan. Denn viele abwechslungsreiche, teilweise ungeahnten Facetten auf „Generations" zeugen davon, dass sie bei Weitem mehr sind als eine Schnulzenfabrik. Es klingen durchaus ein paar Einflüsse der 2002er-EP „Red 13" mit. Die ersten beiden Stücke FAITH IN THE HEARTLAND und THE PLACE IN YOUR HEART präsentieren Journeys gewohnt prächtigen AOR mit viel Drive, dichtem Sound und brillanten Melodien, die ganz eindeutig vom individuellen Journey-Charakter zeugen, wobei Neil Schons herrliche Gitarrenmelodien ebenso schnell und geschmeidig ins Ohr gehen wie der Gesang. Für das richtige Feeling sorgt Sänger Augeri auf seinem nun zweiten Album mit der Band mit seiner großartigen, emotionalen und expressiven Stimme. Seinen Job teilt er dieses Mal jedoch mit seinen Bandkollegen, denn zum ersten Mal übernimmt jeder der fünf Musiker bei mindestens einem Song die Lead Vocals, was der Bandbreite an verschiedenen Atmosphären des Albums insgesamt sehr zu Gute kommt, wie man auch von Bands wie Toto oder Styx weiß. So erhebt Drummer Deen Castronovo seine rauchige Stimme zum ruhig verträumten A BETTER LIFE. Keyboarder Johnathan Cain singt bei EVERY GENERATION, einem schönen Tribut an die jugendliche Generation und einem der einprägsamsten Momente des Albums mit einem peppigen Rock&Roll-Drive und tollem Ohrwurm-Refrain. Mit Songs wie IN SELF-DEFENSE (Neil Schon als Sänger), BETTER TOGETHER und dem Bonus-Track NEVER TOO LATE (wieder Castronovo) sind gleich zahlreiche weitere tanzbare heavy Rocker mit hohem Tempo auf dem Album vertreten, die teilweise sogar in Richtung Pose Rock gehen - mit OUT OF HARMS WAY, das sich um unsichtbare Wunden des Krieges dreht ist werden auch ernste Themen besungen. Mit dem wehmütigen KNOWING THAT YOU LOVE ME - der Pflichtnummer im -Takt - und dem sehnsüchtigen BEYOND THE CLOUDS gibt es aber auch noch zwei ruhige und sehr emotionale Stücke, die jedoch mit schönen, expressiven Energiekurven alles andere sind als gewöhnliche Balladen. Das übercoole GONE CRAZY als eine Art Hardcore-Speed-Country-Nummer mit ‚Cowboy' Ross Valory am Gesang ist nicht so ganz ernst zu nehmen und dürfte der Band im Studio einiges an Vergnügen bereitet haben.
Es gibt also ein paar Überraschungen von Journey zu vermelden - und alle sind sie äußerst geglückt. Im Vergleich zu „Generations" wirkt der ebenfalls großartige Vorgänger „Arrival" im Nachhinein beinahe unauffällig, weil die Band hier einfach mehr Abwechslung bietet und hin und wieder von den einst selbst gefertigten Blaupausen des ‚braven' AOR abweicht. Keine Überraschungen sind die durchweg gewohnt starken und abwechslungsreichen Instrumentalleistungen, insbesondere das komplexe Spiel von Castronovo und Schon an Drums und Gitarren, die Journey nach wie vor um einige Levels von 08/15-Rockbands abheben - und natürlich eine unnachahmliche Portion Gefühl, das jeden einzelnen Ton einfach verdammt glaubhaft macht. Kevin Elson, der schon frühere große Hits wie „Escape" oder „Departure" produzierte, hat den knapp 70 Minuten Musik einen glasklaren und druckvollen Sound verpasst.
Ein zusätzlicher Videoclip in der Limited Edition zeigt die Band bei der Präsentation ihres Sternes auf dem Hollywood Walk of Fame im Januar 2005 und lässt die Musiker über ihre jeweiligen Kollegen, das neue Album und die Band insgesamt zu Wort kommen.