"Generation X" ist ein -neudeutsch- "Catchword" geworden für was auch immer jemand über eine "no future"-Generation ausdrücken will. Ein geflügeltes Wort unter Politikern schon, daß die "Generation X" überwunden und jetzt eine spaßorientierte, konsumfreudige, junge, dynamische "Generation Y" im Kommen sei ("Junk Generation" wäre IMHO wohl eher das Wort); und selbst Englischlehrer versuchen, die junge, übergewichtige, Playstation-süchtige Kindergeneration als "Generation X" zu verkaufen.
Dies ist nun das Buch, mit dem das alles begonnen hat.
Liest man sich eine Inhaltsangabe durch, fragt man sich, was daran eigentlich so toll sein soll.
Eine Gruppe von drei Endzwanzigern hat sich von ihren teils gut bezahlten "Jobs" abgewandt und ist nach Palms Springs in der kalifornischen Wüste gezogen, wo sie als Kellner oder in ähnlichen "McJobs" (mittlerweile in Amerika ein geflügeltes Wort für die Jobs, in denen man in Deutschland öfters Menschen mit Akzent sieht, wie in Fast-Food-Restaurants) arbeiten und so ein einfaches Leben leben.
Das Buch hat ansonsten kryptische Kapitelüberschriften, einige Pop-Art-Illustrationen, die oft die Angst vor der Atombombe zum Inhalt haben, und Begriffserklärungen für die im Text erwähnten Worterfindungen (McJobs ist ein gutes Beispiel dafür). Eigentlich ein Buch für lange Winterabende, sollte man meinen.
Es liegt an Douglas Coupland, daß es viel mehr ist. Die Episoden aus dem Leben von Andy, dem Protagonisten, sind spannend erzählt, und man muß sich oft von dem Buch losreißen, um es weglegen zu können.
Die "Generation X", wie Andy sie nennt, steht eigentlich mit dem Rücken zur Wand: Die "Boomers" konnten in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs als "Yuppies" jung in hochbezahlte Arbeitsplätze kommen. Nun sind sie dort - und die nachfolgende Generation hat das Nachsehen, eben jene "Generation X". Die gut bezahlten Arbeitspätze - eigentlich alle Arbeitsplätze im klassischen Sinne - sind von ihnen blockiert; die neue Generation hat trotz akademischer Bildung keine Aussicht, jemals an diese Stellen zu kommen. Was ihnen bleibt, sind unsichere Jobs ohne große Aufstiegschancen.
Andy, Dag und Claire haben irgendwann eingesehen, daß sie dort keine Zukunft mehr haben, und haben in Palms Springs wenigstens die Möglichkeit, ihr Leben so zu leben, wie sie wollen. Natürlich oftmals bizarr; aber das normale Leben ihrer Eltern mit unbefristetem Arbeitsvertrag und der Möglichkeit, als Familie mit einem Ernährer auszukommen - selbst die Aussicht auf dauerhafte Beziehungen - sind ihnen verbaut.
Die "Generation X"-Mitglieder aus diesem Buch sind auf ihre Weise faszinierend: Sie haben keine Aussicht auf gute Arbeitsplätze; das hat die neue "Generation Y/Golf/Playstation/Global Teens" ja aus den selben Gründen auch nicht. Aber sie denken noch nach, anstatt in Markenuniformismus, Übergewicht und Verdummung durch zuviel Fernsehen abzudriften, versuchen noch Neues.
All dies macht "Generation X" jetzt schon zu einem obligatorischen Buch der Weltliteratur, das von seiner Aktualität nichts eingebüßt hat - auch wenn manche Politiker das gerne anders sähen.