Eine sehr seltsame Situation muss das damals für die Bandmitglieder gewesen sein...
Noch während der Aufnahmen von "Generation Swine" musste John Corabi das Mikro wieder für Vince Neil freimachen. Ausschlaggebend hierfür war vor allem der vergleichsweise mangelnde Erfolg des selbsbetitelten 94er Albums, welchen die Leute von der Plattenfirma beziehungsweise die Manager nicht ein zweites Mal sehen wollten. Das Album war zu dem Zeitpunkt, als Vince Neil zurückkam, schon so gut wie im Kasten. Aber er kam nicht gerade wegen der Band zurück; vielmehr wurde ihm klar gemacht, dass nur die Crüe in Originalbesetzung an alte Erfolge anknüpfen kann.
Aber konnte das mit einem Album, welches einen noch größeren Stilbruch begann als die 94er Platte, überhaupt möglich sein?
Im Nachhinein lässt sich ziemlich einfach sagen: NEIN! Das Album floppte fast ebenso, wie das Selbstbetitelte...
Vielleicht war das Album auch einfach nur seiner Zeit voraus!?
Wenn ich das Album ebenfalls 1997 als eingefleischter Fan der ersten Stunde gekauft hätte, wäre ich wohl ebenfalls mehr als enttäuscht gewesen! Damit will ich sagen, dass ein Stilbruch für eine Band, wie Mötley Crüe, von den Fans nicht mit offenen Armen aufgenommen wird. Das haben die Herren aber selbst gemerkt... Dass sie es noch wie auf "Too Fast For Love" können, bewiesen sie anno 2008 mit dem grandiosen "Saints Of Los Angeles"!
Wenn man "Generation Swine" allerdings (ebenso wie "Mötley Crüe") objektiv bewertet, dann liegt hier ein wirklich starkes Album vor!
Songs wie "Flush", "Glitter" oder "Afraid" hätten unter einem anderen Bandnamen sicher große Hits werden können! Folgich ist das Songwriting hier keinesfals schlecht, ganz im Gegenteil!
Jedoch fällt das Album als Gesamtwerk etwas langsam aus. Unter den 13 Tracks befinden sich um die 6 Balladen/Halbballaden und diese sind teilweise einfach falsch platziert. Songs wie "Confessions", "Beauty" oder eben "Glitter" hätte man nun wirklich nicht nacheinander platzieren müssen; da fehlt dann einfach die Abwechslung!
Allerdings wird das Album vom flotten "Find Myself" sehr rockig eingeleitet. Dieses wird gefolgt vom absoluten Übersong "Afraid" (in meiner Mötley Crüe Top 3 Liste und überhaupt einer meiner absoluten Lieblingssongs). Aber auch Songs wie "A Rat Like Me" oder der Titeltrack "Generation Swine" können durch hervorragende Refrains punkten (Letzteren kann Vince Neil selbst laut seiner Autobiography jedoch nichts mehr abgewinnen).
Die ruhigeren Songs sind zudem, wie gesagt, auch große Klasse, jedoch hätte man vom Gesamteindruck her doch etwas mehr aufs Gaspedal drücken dürfen!
Leider gibt es dann auch Totalausfälle: So etwas wie "Let Us Pray" hätte man sich getrost sparen können... und der von Tommy Lee sowohl geschrieben als auch eingesungene Rausschmeißer "Brandon" hätte er allenfalls auf einer seiner Soloplatten unterbringen sollen (und selbst auf denen beweist er, dass er es weitaus besser kann!)
Meines Erachtens hätte man nach "A Rat Like Me" schluss machen sollen, denn die aufpolierte Version von "Shout At The Devil" ist ebenfalls überflüssig...
Rundum haben wir hier jedoch ein ganz ordentliches (New-?)Rockalbum vorliegen, welches bis auf zwei Durchhänger und die etwas große Anzahl an ruhigeren Songs doch garnicht mal so schlecht ist!
Ob auf dem Albumcover nun "Mötley Crüe" steht, oder man sich anstelle dessen einen anderen Bandnamen denkt, muss letztendlich jeder selbst wissen;-)
Ich persönlich habe mich für ersteres entschieden, da die Band sich auf ihre Weise entwickelt/n hat/wollte und hierin eine experimentelle Phase zu sehen ist.
...Bis vor kurzem hat man ja sogar noch Songs wie "Glitter" in der Live-Setliste wiedergefunden. Ganz abgeschrieben haben Nikki, Tommy, Mick und Vince die Platte also wohl nicht ;-)