"Generation Kill" ist ein Miniserie, die auf dem gleichnamigen Buch eines Redakteurs des "Rolling Stones" basiert. Er hatte eine Aufklärungseinheit der US Marines in den Wochen der Invasion des Irak im letzten Golfkrieg begleitet. Geschildert werden vor allem die Erlebnisse einer Kompanie dieses Bataillons bzw. schwerpunktmäßig eines Platoons und hier noch mal einer einzelnen Gruppe (vier Soldaten), in deren Humvee der Autor mitfuhr. Es geht chronologisch vom Überqueren der Grenze bis zur Eroberung Bagdads. Die eigentlich für Aufklärungsaufgaben vorgesehen Einheit wird dabei nicht nur bei Missionen, die Aufklärungscharakter haben in Kampfhandlungen verwickelt, sondern wird auch mit eigentlich nicht aufklärenden, sondern attackierenden Missionen betraut, für die sie z.B. aufgrund der eigentlich zu geringen Panzerung ihrer Humvees nicht ausgerüstet sind.
Die Serie verfolgt keine 'Geschichte' im eigentlich Sinn. Chronologisch und fast schon dokumentarisch werden einzelne Stationen beschrieben. Es spielen sich in diesem Rahmen kleine Geschichten im erzählerischen Sinne ab, die aber immer nur einen kleinen Fokus bekommen. Das Grundkonzept ist eine manchmal willkürlich erscheinde Aneinanderreihung von Einzelszenen und -ereignisse. So hat es fast dokumentarischen Charakter, wirkt aber aufgrund der Bildsprache und der Art des Schauspielerns trotzdem immer wie eine fiktionale TV-Serie.
Der Fokus bleibt immer auf der o.g. Einheit/Gruppe von Soldaten. Die Gesamtereignisse des Krieges - und damit die wichtigsten Teile der eigentlichen Kriegshandlungen, die ja von Luftwaffe und Army durchgeführt wurden - kommen nur als Erzählungen vor.
Die einbezogenen Ereignisse und Aspekte sind mannigfaltig: Das Töten von Gegnern, selber unter Beschuss geraten, Probleme mit Ausrüstung, Schlafentzug, das Leben im Lager bzw. bei der Operation (Möglichkeiten des Toilettengangs nehmen z.B. einen breiten Raum ein), Schwierigkeiten mit Vorgesetzten, Eitelkeiten, Ängste, ethisch fragwürdiges Verhalten, ethische und politische Hinterfragung des Krieges, etc..
Es wird m.E. ein differenziertes Bild der Soldaten und der Armee gezeigt. Zum einen wird ihre Professionalität, ihr Mut und ihre Aufopferungsbereitschaft betont - der Grundton ist eine Sympathie zu den 'Jungs'. Zum anderen werden aber das Böse des Krieges und die ethischen Abgründe nicht verschwiegen und - vor allem - erscheinen die Soldaten über weite Teile wie geistig eher zurückgebliebene, intellektuell und ethisch unterbelichtete Deppen, die Vorgesetzten wie eitle Fatzken. Sie verhalten sich zwar meist professionell und kontrolliert und reflektieren z.T. auch ethisch und verantwortungsbewusst, die Grundstimmung ist aber die einer albernen, arroganten, eher aggressiven Jungenstruppe, die nur zufällig nicht mit simplen Knarren in irgendwelchen Slums rumrennt, sondern mit hochwertvollem Kriegsgerät im Auftrag einer Demokratie unterwegs ist. Diese Gegensätze werden offensichtlich, die Serie stellt sie aber nur dar. Sie enthält sich jeder Gewichtung oder Wertung.
Ich finde somit "Generation Kill" ein ungemein lehrreiches Stück über die moderne, amerikanische Armee. Man bekommt einen echten Eindruck dessen, was passiert und wie es dort zugeht (und laut Interview mit den echten Soldaten in den Extras passt es wohl ganz gut - auch wenn im Internet kontrovers diskutiert wurde). So kann man sich sein eigenes Bild machen. Trotzdem ist es keine trockene Bildungs-Produktion, sondern bleibt immer - soweit man das bei dem Thema sagen kann - lebendig und unterhaltend. Für mich eine absolut hochwertige, empfehlenswerte Produktion!
Ein Wort zur Sprache: Es gibt keine deutschen Untertitel und aufgrund der sprachlichen Ausdrucksweise, sowohl was Artikulation als auch reichhaltige militärische Fachausdrücke und Slang angeht, ist man ohne die englischen Untertitel völlig verloren. Mit denen geht es dann so im großen und ganzen, aber schon deutlich schwerer als bei anderen amerikanischen Serien. V.a. wenn es um die Besprechung militärischer Aktionen geht, bekommt man einiges einfach nicht mit (wenn man nicht ständig Ausdrücke im Internet recherchieren will, selbst ein gutes Wörterbuch kennt vieles nicht). Wenn es um Alltagsleben und ethische Gedanken geht, kommt man aber gut mit.