Viele Wissenschaftsjournalisten sind verkappte Pädagogen. Diese These wird von Christian Ankowitsch eindrücklich belegt. Locker, flockig und witzig führt er Laien in die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung ein. Nicht nur im Formalen erinnert er an barocke Sprachkünstler, sondern auch bei seinen inhaltlichen Exkursen. Das macht Spass beim Lesen und regt zum Denken an. Die hundert ersten Seiten sind denn auch bestes Infotainment. Prägnant und dennoch anschaulich entführt Ankowitsch seine Leser in die Welt der Emotionen und Gefühle. Die wissenschaftlichen Ungenauigkeiten, die ein solcher Ansatz zwangsläufig mit sich bringt, wiegen nicht allzu schwer. Allerdings macht es sich Ankowitsch stellenweise zu einfach, wenn er zum Beispiel Gefühl und Emotion als Synonyme verwendet und als einzige Begründung angibt, andere würden das auch so handhaben. Doch dieser erste Teil rechtfertigt die Anschaffung dieses Einstiegs in die Gehirnforschung. Leider versucht sich Ankowitsch aber in seinem dritten Teil noch als Zukunftsforscher und Sittenwächter. Nicht dass er dies tut, ist ärgerlich, sondern wie. Schlagzeilen sind gut, um die Komplexiät des alltäglichen Weltgeschehens zu reduzieren. Sie eignet sich aber nicht, um wissenschaftliche Erkenntnisse in ihrer Anwendung zu zeigen. Und so reiht sich eben Spekulatives neben Empirisches, ohne dass für den Leser die jeweilige Ebene sichtbar gemacht wird. In einer Zeitung mag das noch angehen, in einem Buch nicht. Aber da Ankowitsch ein brach liegendes Feld beackert, muss er kaum Konkurrenz fürchtet. Gutes Infotainment zeichnet sich durch eine gelungene Mischung zwischen flüssiger Schreibe und recherchiertem Inhalt aus. Dieses Prädikat hat der Autor aber nicht verdient.