Uff, da bleibt einem gleich zu Beginn die Luft weg. Sensationell bereits die Dichte der sachlichen Fehler im Vorwort von Katja Kullmann (Seite 10, drei Patzer auf 10 Zeilen!). "Die Starparade, eine von Michael Holm [es war natürlich Reiner Holbe!] moderierte Schlagersendung, war (...) meine Lieblingsfernsehshow in den Siebzigern. (..) ich tanzte im Taunus zu Eireen [die sich Ireen schreibt!] Sheer, Mary Roos und Mouse [diese Maus war nur leider ein Mouth] & McNeal."
Offenbar nimmt man es nicht so genau mit den Fakten. Hauptsache, die schnelle Mark - pardon - den schnellen Euro mit der Zeitgeist-Masche machen.
Okay, es soll ja nur Unterhaltung sein, ohne Anspruch auf Objektivität. Deshalb ist das Buch von Birgit Hamm auch durchgängig subjektiv geschrieben. Es verarbeitet hauptsächlich selbst oder von "Bekannten" Erlebtes, ohne hier sehr viel Geistreiches zu produzieren. Es gibt Geschichtchen aus Frau Hamms Bekanntenkreis, ein paar Zweizeiler zu allgemein im Internet verfügbaren Infos wie Hitlisten oder Wörtern des Jahres sowie als Krönung - Kochrezepte! Da könnten ja alle Machos beruhigt sein, wenn das wirklich alles sein sollte, was die moderne Frau intellektuell herausfordert.
Als Rote Fäden ziehen sich das Anhimmeln männlicher US-Stars wie Brad Pitt oder John Travolta, Sympathien für bluttriefende Tarantino-Filme und die obligatorische Stutenbissigkeit gegen Verona Feldbusch durch das Buch. Riesig originell ist das nicht.
Wer ein echter Zeitgeist-Fan ist, wird von der Lektüre enttäuscht sein. "Fit für das 90er Revival", wie das Buch verspricht, ist man jedenfalls nicht. Es sei denn, es ginge um einen Test, ob man alle Ungereimtheiten erkennt. Den einen Punkt gebe ich für die Thematik "1990er Jahre". Mehr vermag ich nicht in dieses Buch hinein zu interpretieren