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Generation A
 
 
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Generation A [Gebundene Ausgabe]

Douglas Coupland , Clara Drechsler , Harald Hellmann
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das geniale am Setting dieses Buches ist, dass diese Welt ebenso möglich wie bizarr erscheint. Die Zeit, die hier beschrieben wird, scheint unserer gegenwärtigen nur knapp voraus, und doch ist die Welt vollkommen außer Kontrolle geraten. ... "Generation A" ist ein Ökothriller vom Ende der Welt, der vor allem von dieser einzigartigen Coupland-Mischung lebt: dieser Mischung aus Futurismus und Nostalgie, Zukunftsangst und Zukunftsbegeisterung, Predigertum und kühler Klarheit, Zynismus und Liebe, Humor und Horror.« --Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.8.2010

»Denn wie so oft bei Coupland dient die Geschichte des Romans nur als Klammer seiner vielen großartigen Momentaufnahmen aus der Zukunft. Wie die, als die Menschheit auf einmal keine Zahlen mehr lesen konnte. Oder über den Mann, der gern etwas Besonderes wäre, der den Wunsch hat, so wie Steve McQueen zu sein, "doch die Welt will, dass du SMcQ23667bot@hotmail.com bist". « --Matthias Wulff, Rolling Stone, 25.08.2010

»Er schildert eine Gesellschaft, die zwischen digitalem Info-Chaos, Umweltkatastrophen und Celebritiy-Wahnsinn das Gefühl für Nähe und Beziehungen verloren hat. Ein bizarrer, radikaler Roman und kritischer Weckruf.« --Petra, 09.2010

»Douglas Couplands satirisch weiser Streich kann einen mächtig unterhalten, wird aber auf jeden Fall ganz schön nachdenklich machen. « --Stefan Sprang, Stuttgarter Zeitung, 12.08.2010

Kurzbeschreibung

Das neue prophetische Werk des literarischen Weltstars Douglas Coupland

»Generation A« spielt in einer Welt ohne Bienen und ohne Liebe, in der die Pharmaindustrie und der Irrsinn herrschen. Douglas Coupland erzählt eine wundersame Geschichte über die große Einsamkeit im digitalen Zeitalter - und zugleich über die Möglichkeit einer neuen Gemeinschaft.

Klappentext

Die Bienen sind ausgestorben. Bis eines Tages an unterschiedlichen Orten der Welt fünf Menschen gestochen werden. Monatelang werden sie in Quarantäne gehalten und von Männern in schlecht sitzenden Anzügen verhört. Nach der Freilassung in eine internetgetriebene Welt erleben sie ihre fünfzehn Minuten Ruhm. Als ein dubioser Wissenschaftler sie überredet, ihm zu Testzwecken auf eine abgelegene Insel zu folgen, kommen sie einander überraschend näher. Mit souveränem Humor führt Douglas Coupland durch die Untiefen und Abgründe dieser bizarren Welt. Die der unseren verdammt ähnlich sieht ...

Über den Autor

Douglas Coupland geboren 1961 auf einem NATO-Stützpunkt in Deutschland, wuchs in Vancouver auf, wo er auch heute als Autor und Künstler lebt. In den späten Achtzigern begann er für lokale Magazine zu schreiben, daraus resultierte 1991 sein Erstlingswerk »Generation X«, das ihn schlagartig berühmt machte und zum Sprachrohr einer Generation werden ließ.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Terrorisiere, bedrohe und beleidige deine eigene nutzlose Generation. Plötzlich steht man für eine neue Idee, und irgendwelche Leute wollen mitmachen. Aus dem Nichts ist man wer, alle reden über einen. Mach eine Geschichte draus, die man verkaufen kann.
Malcolm McLaren

Ihr Grünschnäbel wollt also, dass eure Generation einen Namen bekommt? Wohl kaum, ihr wollt bloß Jobs, oder? Tja, die Medien leisten uns allen einen unschätzbaren Dienst, wenn sie euch Generation X nennen. Nur zwei Klicks weiter ist das Alphabet schon zu Ende. Ich erkläre euch hiermit zur Generation A und stelle euch damit an den Anfang einer ebenso langen Reihe spektakulärer Errungenschaften und Reinfälle wie einst Adam und Eva.
Kurt Vonnegut bei seiner Rede vor Absolventen der Syracuse University, 8. Mai 1994

HARJ

TRINCOMALEE, SRI LANKA

Wie können wir leben und uns nicht über die Geschichten wundern, aus denen wir uns diese unsere Welt stricken? Ohne Geschichten ist unser Universum nichts als Steine, Wolken, Lava und Dunkelheit. Ein Dorf, das von warmen Wassern weggewaschen wurde, die keine Spur von dem zurückließen, was gewesen war.

Stell dir vor: ein tropischer Himmel, sechzehn Kilometer hoch und tausend Jahre weit am Horizont. Stell dir vor: Luft, die auf deiner Stirn wie Honig ist; stell dir Luft vor, die kälter aus deinen Lungen kommt, als du sie eingeatmet hast.

Stell dir vor: ein Rauschen draußen vor dem Fenster deines Bürogebäudes. Du trittst an die Jalousie, blickst hinaus und siehst den Gesamtbestand der dir vertrauten Welt in einem überraschend beruhigenden, stillen Wallen von grauem Schlamm an dir vorbeifließen: Palmwedel, den Jeep des hiesigen Fanta-Abfüllers, nicht angekettete Fahrräder, tote Hunde, Bierkästen, Krabbenfischerboote, Stacheldrahtzäune, Müll, Ingwerpflanzen, Öltanks, Mercedes-Tourbusse, Hähnchenlieferwagen Marke Eigenbau.

... Leichen

... Sperrholzplatten

... Delphine

... ein Tennisnetz

... Wäschekörbe

... ein Baby

... Baseballkappen

... noch mehr tote Hunde

... Wellblech

Stell dir vor, ein außerirdischer Besucher steht neben dir im Zimmer, während du diese Stelle liest. Was sagst du zu ihm - ist es ein Er, eine Sie, ein Es? Was einmal lebendig war, ist nun tot. Aber wer weiß, ob Aliens überhaupt zwischen Leben und Tod unterscheiden? Vielleicht erfahren sie etwas anderes, das genauso unerwartet ist wie das Leben. Aber was wäre das? Was würden sie zueinander sagen, um die unerklärlichen Risse im alltäglichen Leben zu übertünchen, von einem Tsunami ganz zu schweigen? Welchen Mythen oder Lügen schenken sie Glauben? Wie erzählen sie Geschichten?

Und nun schau wieder aus deinem Fenster - sieh dir an, was die Götter aus deinem Unbewussten in die Welt rausgekotzt haben, diesen warmen, schlammigen Strom voll toter Katzen, alter Frauen in durchweichten Saris, Propangasflaschen, einer toten Ziege, Fliegen, die unversehrt über dem ganzen Schlamassel dahinbrummen.

... Picknickkühltaschen

... Grassoden

... ein skandinavischer Päderast mit Sonnenbrand

... weiße Plastikgartenstühle

... in ihre Gewehrriemen verhedderte, ertrunkene Soldaten

Und was wirst du dann tun? Wirst du beten? Was anderes ist ein Gebet denn als der Wunsch, dass sich die Ereignisse in deinem Leben zu einer Geschichte verbinden - zu etwas, das Ereignissen, die dir bedeutsam sind, einen Sinn verleiht?

Und deswegen will ich nun beten.
ZACK

MAHASKA COUNTY, IOWA

Maisfelder sind wohl der größte Horror, den es auf dem ganzen Scheißantlitz dieser Erde zu sehen gibt. Und das meine ich nicht in einem Hier-wird-Joe-Pesci-mit-dem-Aluminiumbaseballschläger-totgeprügelt-Sinn, ich meine damit nicht Alien-Kornkreise und auch nicht zerstückelte Tramper. Ich meine es nicht mal in einem Abfallprodukte-von-Alien-Autopsien-werden-als-Kunstdünger-benutzt-Sinn. Nein, ich meine das in Hinsicht Big-Corn-Archer Daniels-Midland / Cargill / Monsanto-Fruktose / Isoglukose-Biomethanol. Mais ist ein gottverdammter Albtraum. Vor tausend Jahren war er bloß ein Grashalm mit einem einzigen lumpigen Samenkorn dran; heute ist er ein aufgeblähter, ellenlanger, buttriger Kohlenhydratdildo. Das muss man sich mal reintun: Maisstärkemoleküle sind anderthalb Kilometer lang. In den Siebzigern hat sich Big Corn ein paar neue Enzyme patentieren lassen, die diese Kilometer in eine Billion einzelner Fruktoseschnipsel zerhacken. Ein paar Jahre später sind diese frisch befreiten Fruktosemoleküle in die nationale Nahrungskette eingefallen. Zackbumm! Eine ganze Nation wird verfettet. Fakt ist, dass der menschliche Körper nicht dafür eingerichtet ist, Angriffen hochdosierter Fruktosesirupe zu widerstehen. Das Zeug gelangt in deinen Körper, und dein Körper sagt sich:

Hmmm ... wandle ich das jetzt in Scheiße um, oder mach ich daraus Wabbelspeck? Au ja, Wabbelspeck! Mais stellt den Scheiße-Schalter aus. Und wie reagiert die Stärkeindustrie darauf? Wie bitte - wir? Wir sollen mit schuld sein an der Fettsuchtepidemie? Ist doch absurd, Mann. Die Leute essen seit den Achtzigern einfach mehr zwischen den Mahlzeiten. Und jetzt sei still und trink schön deine Coke mit der neuen Formel.

Mann, Menschen sind die absolute Albtraumspezies. Wir verdienen wirklich alles, was wir uns selbst antun.

Aber wer zum Teufel lässt sich mitten in einem Maisfeld in Mahaska County, Iowa, auf einem Mähdrescher von einer Biene stechen? Ich Idiot. Herzlich willkommen in Oskaloosa übrigens, mit all den Sehenswürdigkeiten, die den Ort zu einem lohnenden Ausflugsziel machen. Hier gibt es für jeden etwas, angefangen beim historischen Marktplatz mit seinem Musikpavillon über das George Daily-Kulturzentrum, die preisgekrönte Stadtbücherei bis zur William-Penn-Universität und drei Golfplätzen.

Das meiste vom letzten Absatz hab ich im Internet geklaut. Was die Homepage der Stadt zu erwähnen vergaß, ist die Meth-Küche (»Labor« klingt so nach Cletus & Brandeen) meines Vaters, die vor ein paar Jahren von der DEA ausgehoben wurde. Dad und die Drogenfahndung sind nie gut miteinander ausgekommen.

Vor sechs Jahren klaute mein Vater mal völlig verstrahlt in einem Anfall von Paranoia den Büchereibus, dessen Überreste er dann im Sandbunker des vierzehnten Lochs auf dem berühmten Edmundson Park and Golf Course versenkte. In der irrigen Annahme, Überwachungstechnologie der DEA zu vernichten, zündete er den Wagen an und verlor daraufhin seine Augenbrauen, seinen Führerschein, seine Freiheit und sein Besuchsrecht bei meinen beiden Halbschwestern, die in Winnebago County leben.

Kaum raus aus dem Knast ging er gleich wieder an die Arbeit, und als seine Meth-Küche gebustet wurde, grillte eine herumfliegende Dose kochenden Toluols seinen Hinterkopf. Er verbrachte sechs Wochen im Gefängniskrankenhaus, bis er halbwegs wieder auf den Beinen war. Mein Onkel Jay, Rechtsanwalt und Händler für Emissionszertifikate in Palo Alto, konnte die Kaution überweisen und flog Dad zwecks Therapie seiner Zwangsstörung nach Kalifornien ein. Dad fing sich im Flugzeug an schlecht gereinigten Kopfhörern antibiotikaresistente Staphylokokken ein, die seine Brandwunden infizierten; bis zur Landung auf dem San Fransisco International war ungefähr ein Viertel seines Kopfs zerfressen. So begruben wir Dad, Onkel Jay verkaufte die Hälfte der Farm, und ich bekam dafür von ihm Maizie, den geilsten Mähdrescher der Welt. [...]

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