Verständlicherweise versuchte der mit
Generation X 1991 bekannt gewordene Douglas Coupland, mit der 2009 erschienenen "Generation A" noch eins draufzulegen. Aber wie man schon an den Buchstaben erkennen kann, ist er in der falschen Richtung unterwegs.
Waren es damals noch drei Protagonisten, die in einem Selbstfindungsprozess Sinn und Unsinn des Konsumwahns reflektierten, müssen nun gleich fünf junge Menschen aus allen Winkeln der Welt von einer - genauer: von fünf - Bienen gestochen werden. Die gute Nachricht: Zumindest Zack, Sam, Julien, Diana und Harj überleben es, was man von den Bienen nicht behaupten kann.
Und das ist schade, denn Bienen gibt es (fast) nicht mehr in der Welt des Buchs. Kaum gestochen, werden die jungen Damen und Herren auch schon von schwer vermummten schnellen Eingreiftruppen deportiert und erst getrennt, dann zusammen den merkwürdigsten Experimenten unterzogen. Bald stellt sich heraus, dass hinter dem Ganzen ein Plan und hinter dem Plan ein gewisser Serge steckt.
Während sich alle für Serge Erzählungen ausdenken müssen, wächst die Gruppe zusammen und beginnt zu begreifen, was mit ihr und der Welt geschieht.
Natürlich geht es um Ökologie, um Drogen, um die Zukunft der Menschheit, um Macht und deren Missbrauch. Das könnte durchaus ein spannendes Buch abgeben, tut es aber nicht; im Gegenteil, schon beim dritten Bienenstich stellt sich Sodbrennen ein. Man fragt sich, ob man nun das ganze Buch durch Bienenstichrezepte serviert bekommt. Diese Ödnis wiederholt sich, wenn die fünf Epigonen Scheherazades sich weniger interessante als skurrile und eintönige Geschichten ausdenken. Die wenigen restlichen Seiten enthalten die eigentliche, dünn und lieblos ausgemalte Erzählung, die durchaus thematisch und in der Anlage überzeugt, aber so, wie sie rüberkommt, zu keinem Moment fesselt. Zudem stoßen einem logische Ungereimtheiten auf.
Bereits der Ansatz, die Fünf seien etwas Besonderes, weil sie am Internet-Tropf hängen, pervertiert wohl eher die Realität. Und warum sollte der böse Konzern sie nach der ersten Testreihe überhaupt freigeben, wenn er sie später wieder zusammenbringen möchte? Die ulkige "Jugendsprache" macht eine Weile Spaß, wirkt aber schnell aufgesetzt und konstruiert. Wenn Coupland auf eine Freak-Leserschaft spekuliert, hat er vielleicht übersehen, dass genau diese Gruppe wohl eher selten ein Buch in die Hand nehmen wird.
Als Roman fällt "Generation A" also eindeutig durch - da hätte einem eine Testdosis "Solon" vielleicht bleibendere Erkenntnisse verschafft. Ein wenig punkten kann Coupland aber durch kleine, aber nachdenklich stimmende Momentaufnahmen aus einer wenig antörnenden, aber leider durchaus vorstellbaren Welt von morgen, in welche uns, wenn nicht der bekannte Himmel einstürzt, der Weg, den wir so gierig verfolgen, ohne größere Zweifel führen wird.
jury 3* A0434 1.1.2011e 7 A