Die generalisierte Angststörung ist mit einer Prävalenz 1,5% - 3% eine häufige psychische Störung, die allerdings oft nicht erkannt wird. Die Betroffenen suchen meist wegen Stress und anspannungsindizierter Symptome zunächst Hilfe im Bereich der Organmedizin. Lange Zeit als Restkategorie behandelt, werden nun in ICD-10 und DSM-IV klare diagnostische Kriterien definiert. Leitsymptom sind als unkontrollierbar erlebte Sorgen bezüglich mehrerer Lebensbereiche, die mehrere Stunden pro Tag anhalten und von den betroffenen häufig als unkontrollierbar erlebt werden.
In dem in der Reihe Forschritte der Psychotherapie erschienenen Band geben Becker und Hoyer einen knappen, aber gleichzeitig anschaulichen und verständlichen Überblick über das Störungsbild, seine diagnostischen Kriterien, das diagnostische Vorgehen sowie die Indikation zur Psychotherapie. Im Hauptteil des Buches werden die verschiedenen verhaltenstherapeutischen Methoden praxisnah geschildert:
- Psychoedukation
- Sorgenkonfrontation
- Kognitive Therapie nach Wells
- Angewandte Entspannung
Bei aller Kürze verzichtet die Autoren nicht auf Praxisbeispiele und Formulierungshilfen, so dass es einem gut ausgebildeten und klinisch erfahrenen Verhaltenstherapeuten mit Hilfe dieses Manuals möglich sein sollte, die beschriebenen Techniken in seine therapeutische Praxis zu integrieren. Ergänzt wird dieser Teil durch Hinweise zur medikamentösen Therapie und spezielle Behandlungsprobleme, die bei der Anwendung der o. g. Techniken auftreten können. Die praktische Anwendbarkiet wird noch erleichtert durch 3 herausnehmbare Karten, auf denen ein Leitfaden zur Diagnostik sowie Hinweise zur Durchführung der Konfrontation in vivo und der Sorgenkonfrontation in sensu kompakt dargestellt sind.
Das Buch beschränkt sich ausschließlich auf die kognitive Verhaltenstherapie, was von den Autoren auch klar benannt wird. Vom Verlag wäre es hingegen ehrlicher, die Reihe ?Fortschritte der Verhaltenstherapie? zu nennen. Am Ende des Bandes gehen die Autoren darauf ein, dass viele Patienten mit GAS auch interpersonelle Probleme und Defizite hinsichtlich der Emotionsregulation aufweisen, so dass die Möglichkeit besteht, durch Integration dieser Aspekte in den Behandlungsplan den Therapieerfolg weiter zu steigern.
Insgesamt ein sehr gelungenes Buch, das sowohl Krankheitsbild und Diagnostik als auch die verhaltenstherapeutischen Behandlung der generalisierten Angststörung kurz und prägnant darstellt. Bereits in der Praxis tätigen PsychotherapeutInnen gibt es ein gutes Update, AusbildungskandidatInnen aktuelles praxisnahes Grundlagenwissen über dieses häufige Krankheitsbild.