Volker Zastrow lieferte mit diesem kleinen, aber ergiebigen Buch den Erweis eines Ungemachs, das wesentliche Strukturen des Gesellschaftsgefüges zu demolieren droht, um ein neues Weltverständnis des strukturlosen Miteinanders als die Krönung jener Theorien und vermeintlichen Erkenntnisse linguistischer Esoterik darzubieten, die schon vor Ende des vergangenen Jahrhunderts den intellektuellen Gehalt spätmarxistischer Splittergruppen bestimmten. Als zentrales Anliegen stellte sich bald innerhalb dieser Kreise der Wille ein, die produktive Polarität Geschlecht zugunsten ideologisch ambitionierter Eingebungen zu neutralisieren oder, wie es im Jargon der politischen Umsetzer heißt: gleichzustellen.
Zu diesem Zweck wurde eine theoretische Basis genommen ("Gender und Queer Theory"), auf welcher das Geschlecht in Identität und Rolle, Natur und Kultur gespalten wird, um dann, nach den Erfordernissen des neuen Menschenbildes und gemäß einer politisch unterstützten Programmatik ("Gender Mainstreaming") beliebig neu zusammengesetzt werden zu können, um so theoretische Geschlechterkonstellationen auf den gesellschaftlichen Alltag zu übertragen. Die Patenschaft solcher neuen Konzepte übernahmen mehrheitsunfähige Randgruppen, die allesamt der Vorsatz verbindet, "zweigeschlechtliche und normativ heterosexuelle Geschlechterverhältnisse kritisch zu hinterfragen und zu verändern." (institut für queer theory: http://www.queer-institut.de/).
Zastrow eröffnete nun in diesem Buch (eine Zusammenfügung zweier Artikel der FRANKFURTER ALLGEMEINE, bei der Zastrow als politischer Redakteur tätig ist) gewiß ohne Rücksicht auf Begrifflichkeiten und Expertenfragen der Genderisten, derjenigen also, die er ja bloßstellen will, vor dem Evidenzauge des Lesers jene Bühne subpolitischer Machenschaften, die der Öffentlichkeit lange verborgen blieb und wohl verborgen bleiben sollte. Somit ist er weit entfernt, etwas beweisen oder widerlegen zu wollen. Worum es ihm geht, ist, etwas im Diffusen Waltendes in das Licht zu führen, in welchem es diejenigen betrachten können, die begreifen wollen.
Insofern war auch von Anbeginn absehbar, wie der Genderist darauf reagieren würde: Er würde Zastrow vorwerfen, daß dieser die "Erkenntnisse" des Genderismus nicht genügend berücksichtigt, was soviel heißt, wie wenn man dem Atheisten vorwirft, Bibelsprüche zu vernachlässigen. Er würde Zastrow und all denen, die ihm zustimmen, glatt "Dummheit" attestieren, und so das Ende seiner argumentativen Möglichkeiten markieren und, weil sein Zorn noch weitere Energien bereithält, könnte er in der Anwallung sogar sich selbst blindlings dahin manövrieren, wo er ein unrühmliches, doktrinär undemokratisches Wesen zum Ausdruck bringt; durch Fragen der Art: Wieso darf eigentlich jeder seinen Senf zu allem dazugeben und Fragen heraufbeschwören die mir schlaflose Nächte bereiten?
Zum Glück gibt man für gewöhnlich seinen "Senf" zu wesentlichen Themen nicht dazu, um damit bestimmten Menschen negativ aufzufallen, sondern aus Verantwortung für die kulturpolitischen Fügungen seiner Gegenwart.