1995 verabschiedet die UN-Generalversammlung die Resolution "52/100 Gender-perspective in all policies in the UN system" und machte damit "Gender Mainstreaming" (GM) zur Pflicht für alle Maßnahmen und Programme der UN. Ein Jahr später verpflichtet sich die Europäische Union dem GM zur Einbindung der Chancengleichheit in sämtliche politische Konzepte. 1999 schließlich erkennt die Bundesregierung Gender Mainstreaming als durchgängiges Leitprinzip ihrer Politik an.
In wenigen Jahren ist GM mittels einer postdemokratischen Top-Down-Strategie von der UNO über die Europäische Union auf die nationale Ebene herab in die staatliche Gesetzgebung implantiert worden. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Konzept? Und was bedeutet "Gender"?
Gender bedeutet so etwas wie "soziales Geschlecht". Vertreter eines solchen Konzeptes glauben, dass es keine elementaren, biologisch festgelegten Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Mehr noch, alle als weiblich oder männlich geltenden Merkmale bzw. Eigenschaften sind kulturell konstruiert und haben ihre Ursache in spezifischen geschlechterpolitischen Machtverhältnissen. Mittlerweile gibt es dafür sogar eine eigene Wissenschaftsdisziplin, die diese Geschlechterverhältnisse untersucht: Die Gender-Studies sind ein stark politisiertes und ideologisiertes Fach. Sie haben ihren Ursprung im radikalen Konstruktivismus, Dekonstruktivismus, Marxismus und Feminismus.
Nun zum Buch: Herausgeber diese Sammelbandes ist der Verein "Offensive Junger Christen" (OJC e.V.), der der Evangelischen Kirche angegliedert ist. Die Autoren beleuchten auf Grundlage des jüdisch-christlichen Menschenbildes verschiedene Aspekte (Gender-Pädagogik, historische Entwicklung des GM, etc.) des Gender Mainstreaming. Alle Autoren sparen nicht mit Kritik. Besonders macht dies Dominik Klenk, der Herausgeber des Buches, am Schluss des letzten Aufsatzes deutlich. Er plädiert für einen echten Ethos bestehend aus Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Menschenwürde, Vaterschaft und Mutterschaft anstelle der utopischen GM-Entwürfe, dessen Verfechter ein Gerechtigkeitskonzept vorlegen, dass "Gleichstellung mit Gleichheit vertauscht", eine Anthropologie vertreten, die "die Komplementarität der Geschlechter leugnet und die Zweigeschlechtlichkeit überwinden will", ein Kulturverhältnis haben, das "Weiblichkeit und Männlichkeit zu austauschbaren Parametern in einem unverbindlichen Rollenspiel reduziert", eine Gesellschaftsform erkämpfen wollen, welche die spezifischen "Talente von Frauen und Männern ignoriert", und an einem Freiheitsideal hängen, das die "Autonomie und die Unverbundenheit des Individuums absolut setzt."
Klenk formuliert pointiert; trotzdem frage ich mich: Will ein Großteil der Gesellschaft das wirklich? Ich denke: nein! Deshalb ist weitere Aufklärung über dieses brisante Thema nötig! Nach den Veröffentlichungen von der Soziologin Gabriele Kuby, Barbara Rosenkranz, dem FAZ-Redakteur Volker Zastrow und einigen anderen Autoren wünsche ich diesem Buch eine weite Verbreitung!