"Der klingt wie einer aus den 60ern" - das war mein erster Eindruck von Adam Green, als ich seine geniale Single "Emily" als Videoclip auf 3sat sah. Und wer ein bisschen Ahnung von Rock und Popmusik hat, der weiß, dass das nur ein Kompliment sein kann. Das Album "Gemstones" hält absolut, was die Single verspricht. 15 kurze, melodische Pop-Songs, simpel instrumentiert, mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Orgel, und Gesangsmelodien, die über eine unglaubliche Eingängigkeit verfügen. Die augenzwinkernden, teils mit Obszönitäten versehen Texte Adam Green's unterstützen die Atmosphäre seiner Songs, die irgendwo zwischen Kraftgenialität und nostalgischer Rock und Blues-Romantik hin und her schwanken.
Dieser Eindruck entsteht trotz einiger extremer Dynamik- und Tempowechsel, an die man sich zunächst gewöhnen muss, die aber den "Perfekter Pop-Song-Charakter" der meisten Stücke nicht zerstören, sondern noch viel mehr unterstützen.
Herausragende Songs sind meiner Meinung nach das Ideenfeuerwerk "Gemstones", das bluesige "He's the brat", der "anstößigste" und gleichzeitig melodisch überzeugendste Song "Carolina" sowie die bereits erwähnte geniale Single "Emily", für mich ein Song vom Schlag eines "Twist and shout" oder "La bamba", einfach Rock'n'Roll, drei bis höchstens vier Akkorde, ein paar junge Mädchen als Textgegenstände und eine kraftvolle Instrumentalpassage, hier dominiert von der auf dem gesamten Album überragenden Wurlitzer-Orgel.
Die übrigen Songs passen sich fast ausnahmslos diesem Niveau an. Manche sind melancholisch-bluesig angehaucht, andere sind schwungvoll und sehr rhythmisch, und wieder andere haben schon fast Slap-Stick-Charakter.
Ein tolles Pop-Album, das die Coolness der heutigen Jugend mit dem Stilbewusstsein und der musikalischen Identität früherer, mit besserer Musik gesegneter Generationen verbindet.