Inhalt:
Fiona und Eliot Post leben bei ihrer Groß- und Urgroßmutter. Ihr Tagesablauf ist streng vorherbestimmt und besteht aus Arbeiten verrichten, Pflichten erledigen und Lernen. Disziplin und unzählige Regeln bestimmen ihren Alltag. Kurz: Sie haben keine Ahnung davon, wie das wahre Leben aussieht. Bis ihre Verwandten, von denen sie bis dato nichts wussten, sich in ihre kleine Familie einmischen.
Doch gerade vor diesen, sollten die Disziplin und die Regeln sie verstecken und beschützen. Denn ihre restliche Familie ist nicht normal.
Sie scheinen direkt aus Sagen, Mythen und Legenden entsprungen zu sein: aus dem Wissensgebiet, dass ihnen bisher komplett vorenthalten wurde, was sie nun aber am dringendsten benötigen.
Denn die Abstammung der Zwillinge wirft unangenehme Fragen auf. Gehören sie zur Heldenliga, den guten oder zum "Höllenclan", den bösen?
Um sich zu beweisen, werden den beiden drei Heldenprüfungen auferlegt, die ihr ganzes Geschick und ihre Fähigkeiten auf die Probe stellen und über Leben und Tod entscheiden werden...
Meine Meinung:
"Gemini - Der goldene Apfel" beginnt zwar nicht mit den klassischen Worten: "Es war einmal", dennoch habe ich mich in der vermittelten Atmosphäre sofort in ein Märchen versetzt gefühlt.
Zwei Geschwister, die ihr ganzes Leben von der Außenwelt abgeschirmt wurden, werden quasi über Nacht in das Abenteuer ihres Lebens verwickelt. Dabei ist es kein harmloses Abenteuer mehr, sie müssen um ihr Existenz kämpfen und sich letztlich für die eine oder andere Seite entscheiden. Währenddessen werden ihnen überall Steine in den Weg gelegt und die einzelnen Familienmitglieder beider Seiten schmieden ihrerseits Pläne. Parallel werden dadurch mehrere kleine Geschichten in der Geschichte erzählt, da zwischen den Verwandten Spannungen und teilweise sogar richtige Fehden und Racheansinnungen bestehen. Untereinander bilden die zwei Familien nochmals einen starken Kontrast, wodurch das Lesen eine sehr spannende Komponente erhielt. Diese wird durch das "Katz und Maus" Spiel beider Parteien verstärkt, denn die wahren Absichten hinter den Taten waren nie ganz eindeutig ersichtlich.
Der Autor hat sein Werk in 8 Teile gegliedert, die die Handlung strukturieren und mir das Lesen dieses sehr dicken Romans erleichterten.
Die Weiterentwicklung der Zwillinge ist, so wie im wahren Leben, enorm, wenn es denn zwei Kinder gäbe, die sich mit diesen Prüfungen konfrontiert sähen. Sie wachsen mit und an ihren Herausforderungen. So bekam "Gemini - Der goldene Apfel" eine authentische Note, die mich mit sich in die Geschichte hineintrug und mir zeigte, wie das Leben sein könnte, wenn man als eine Fiona Post oder ein Eliot Post geboren würde.
Die Details der drei Prüfungen werde ich zwar nicht preisgeben, doch eines möchte ich verdeutlichen: Sie tragen es in sich und in diesem Buch ist nichts so, wie es scheint.
Lange Fußnoten aus der Reihe "Bartimäus" war ich schon gewöhnt, dennoch findet man so etwas eher seltener und es bot mir zur normalen Handlung eine kleine Abwechslung.
Eric Nylund ist seinem Stil die gesamte Zeit über treu geblieben und hat viele lose Fäden begonnen, die immer mal wieder aufblitzten und am Ende in ihrem gebündelten Weg zusammenfanden.
Wenn Musik in einer Handlung eine bedeutende oder sogar tragende/entscheidende Rolle trägt, begrüße ich das immer. Denn ich kann mich mit musischen Elementen immer sehr gut identifizieren und die Affinitäten einiger Figuren zu melodiösen Klängen nachempfinden. So gefiel mir auch bei "Gemini - Der goldene Apfel", dass Eliot Post eine musische Gabe besitzt, die alles enorm auflockerte. Dennoch gibt es einen ganz, ganz großen Kritikpunkt.
Die gesamte Zeit wartete ich auf das große Finale. Es kam auch, doch beinahe spurlos zog es an mir vorüber. Es war also nicht schlecht, hob sich aber auch nicht vom Rest der Handlung ab. So fehlte mir ein dramatischer Wendepunkt oder zumindest der Höhepunkt und der sollte bei über 700 Seiten schon gegeben sein!
Mein Fazit:
Eric Nylunds "Gemini - Der goldene Apfel" ist ein tolles, modernes Märchen, was sich super lesen lässt und mir einige schöne Lesestunden bescherte. Vieles gibt es an diesem Werk zu entdecken, was schon beim Cover und Titel beginnt und erst beim Zuklappen dieses Buches endet.
Wegen des fehlenden, aber wichtigen Höhepunkts, muss ich leider einen Stern abziehen, doch letztlich kann ich es nur empfehlen! - und wer weiß, ob nicht gerade du einen Nervenkitzel in dem sehen wirst, was mich am Ende leider nur mäßig beeindruckte?