Wie habe ich mich gefreut, als ich überhaupt erfuhr, dass TV-Kritiker Oliver Kalkofe wieder ein Buch schreiben würde. Als Fan dürstet es mich auch wieder nach "Stoff", zumal immer noch keine neue Staffel von "Kalkofes Mattscheibe" seit 2008 erschienen ist.
Zur Erläuterung des Inhaltes an alle "Anfänger": "Kalkofes letzte Worte" sind Kolumnen zu mehr oder weniger aktuellen Themen und Problemen im Bereich der Medien, vor allem natürlich im Bereich des Fernsehens - quasi das größte Sorgenkind in der deutschen Unterhaltungslandschaft. Von diesen Kolumnen erschienen schon zuvor einige Bücher.
Hat man das Buch erst einmal in der Hand, fällt gleich dem Kenner vom Vorgängerbuch auf: nicht dünner, nicht dicker das Buch. Und so ist man es ziemlich schnell durch, wovon ich leicht enttäuscht war, aber das ist nicht das größte Problem.
Doch zuerst zu den Pros:
Die Kolumnen ist wieder ein buntes Potpourri an Besprechungen zu aktuellen televisionären Albträumen wie Dokusoaps, Reality TV, nervtötende Infoeinblendungen, GEZ-Gebühren, die Rolle der Frau im Fernsehen oder aber auch das Festtagsprogramm. Andere Themen wie Nostalgieschwärmereien, Politik, Christentum oder die Jugendjahre werden ebenfalls nicht verschont.
Zwischendurch aufgelockert wird das "Leseprogramm" mit neuen Wer-wird-Millionär-Funfragen oder Rubriken im Newsticker-Stil wie etwa "Shows am Ende" oder "Promis am Ende". Quasi Minikolumnen unter Kolumnen, zwar kürzer, aber auch unterhaltsam. Auch designtechnisch wurde etwa mehr getan.
Doch eine kleine Enttäuschung wartet schon beim Vorwort auf den Leser, denn im vorangegangenen Band von "Kalkofes letzte Worte" rechnete ein langes, gnadenloses Vorwort mit dem heutigen deutschen Fernsehen hart aber gerecht ab. Im neuen Buch dagegen ist es ein Vorwort, genauso kurz wie die restlichen Kolumnen und weitaus weniger, ja, wütend. Jetzt eben eher nach dem Motto "Herzlichen Glückwunsch zum Kauf dieses Buches".
Die Kolumnen lesen sich eigentlich wie immer: mit derber aber kreativer Schreibhand lässt sich Oliver Kalkofe über die schon oben genannten "Krankheiten" aus, die inzwischen - oder immer noch - unsere Sender verseuchen.
Mittlerweile muss ich aber sagen, dass ich mir von ihm doch etwas mehr Kreativität wünschen würde und zwar hinsichtlich der Wortwahl: nicht, dass ich jemand wäre, der beim F-, S- oder wasauchimmer-Wort ins Zucken gerät (wie gesagt: ich bin ja Fan vom Kalki). Aber ein wenig einfallslos wirkt es schon, wenn Kalkofe keine andere Möglichkeit in seiner Meinungsbekundung sehen mag als die exzessive Verwendung von Begriffen aus der Welt der Ausscheidungen. Klar ist es sowas wie ein Merkmal des Autors geworden (und war es schon in den 1990ern), doch eine sparsamere Dosierung seiner gewählten Kraftausdrücke würde seinen Kolumnen doch wieder guttun.
Achtung, liebe Fans: ich sage NICHT, dass Kalki jetzt nur noch völlig sauber schreiben sollte.
Wer darüber hinwegsieht oder wen das überhaupt nicht stört, wird dieses Buch sicher lieben: eine weitere - wenn auch kurze - Möglichkeit, den Griff zum guten alten Buch zu tätigen, um dem Fernsehen die lange Nase machen zu können. Ich freue mich trotz meiner Kritiken immer noch auf weitere Werke von Oliver Kalkofe. Denn gebraucht wird er immer noch.
Sollte das für Neulinge das erste Kalkofe-Buch sein, empfehle ich ihnen lieber zunächst den Griff zum Vorgängerband "Geschafft! Wir sind blöd!".