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Geliebtes, dunkles Land: Menschen und Mächte in Afghanistan
 
 
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Geliebtes, dunkles Land: Menschen und Mächte in Afghanistan [Gebundene Ausgabe]

Susanne Koelbl , Olaf Ihlau
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Wer dieses Buch nach mehr als 300 Seiten fesselnder Lektüre aus der Hand legt, hat dieses gefährlich-betörende Afghanistan hautnah erlebt - und hat differenzierte Argumente gesammelt für die aktuelle politische Diskussion." (Süddeutsche Zeitung )

"Wer Afghanistan verstehen will, kommt an diesem Buch kaum vorbei." (Tagesspiegel )

"Wenn wenigstens deutsche Politiker und die Deutschen, die - in welcher Funktion auch immer-, die Afghanen unterstützen wollen, lesen, was Susanne Koelbl und Olaf Ihlau beobachtet und recherchiert haben, könnte mancher Fehler in Afghanistan eventuell noch rechtzeitig korrigiert werden. In ihrem Buch kann man Afghanistan, die Menschen und Mächte dort, jedenfalls kennen lernen und vieles besser verstehen." (Deutschlandradio )

Kurzbeschreibung

Hindukusch hautnah. Zwei Top-Reporter berichten aus Afghanistan.
In ihrer faszinierenden, mitunter schockierenden Reportage bringen uns Susanne Koelbl und Olaf Ihlau den Konfliktherd Afghanistan nahe. Sie sprechen mit Beteiligten aller Seiten – jungen Talibankämpfern, Drogenbaronen, verschleierten Polizistinnen, westlichen Diplomaten und Soldaten – und geben damit dem vermeintlich so fernen Konflikt ein menschliches Gesicht.
Noch bis vor kurzem hätten sich die meisten Deutschen damit schwer getan, Afghanistan auf der Weltkarte zu finden. Nun ist in diesem fremden, fernen Land die westliche Militärallianz in einen Konflikt verstrickt, der in einem Desaster auch für die dort stationierten deutschen Soldaten enden könnte.

Unter ihrem neuen Präsidenten Barack Obama kämpfen die USA gemeinsam mit ihren Nato-Partnern um Dominanz und Stabilität in Afghanistan – und damit letztlich um die Zukunft Mittel- und Westasiens mit seinen Rohstoffen. Doch das westliche Bündnis läuft dabei Gefahr, als neuer Besatzer verhasst und erbittert bekämpft zu werden. In den südöstlichen Stammesgebieten der Paschtunen sind die islamistischen Neo-Taliban, Verbündete Osama Bin Ladens, bereits wieder auf dem Vormarsch.

Die Reporter Susanne Koelbl und Olaf Ihlau beobachten und bereisen Afghanistan seit vielen Jahren. Sie berichten von Orten, an die sich sonst kein Journalist mehr wagt. Ein atemberaubender Bericht aus einem schönen und gefährlichen Land, in dem die Weichen auch für die Zukunft des Westens gestellt werden.

Klappentext

"Wer dieses Buch nach mehr als 300 Seiten fesselnder Lektüre aus der Hand legt, hat dieses gefährlich-betörende Afghanistan hautnah erlebt - und hat differenzierte Argumente gesammelt für die aktuelle politische Diskussion." Süddeutsche Zeitung

"Wer Afghanistan verstehen will, kommt an diesem Buch kaum vorbei." Tagesspiegel

"Wenn wenigstens deutsche Politiker und die Deutschen, die - in welcher Funktion auch immer-, die Afghanen unterstützen wollen, lesen, was Susanne Koelbl und Olaf Ihlau beobachtet und recherchiert haben, könnte mancher Fehler in Afghanistan eventuell noch rechtzeitig korrigiert werden. In ihrem Buch kann man Afghanistan, die Menschen und Mächte dort, jedenfalls kennen lernen und vieles besser verstehen." Deutschlandradio

Über den Autor

Susanne Koelbl ist als Auslands-Reporterin des SPIEGEL seit dem Fall der Taliban so häufig in Afghanistan gewesen wie kein anderer deutscher Journalist. Ihre exzellenten Kontakte und Zugänge reichen in alle Gesellschaftsschichten – von Präsident Hamid Karzai und seiner Regierung bis in die Kreise der Taliban und der regionalen Stammesführer.

Olaf Ihlau wurde 1942 in Königsberg geboren. Seit 35 Jahren berichtet der Journalist und promovierte Sozialwissenschaftler über die politischen Zusammenhänge in Indien und Afghanistan und ist damit einer der besten deutschen Kenner dieser geopolitischen Schlüsselregionen. Ihlau war sechzehn Jahre lang Ressortleiter beim „Spiegel“, zuletzt als Auslandschef.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ein betörender Sog ging stets von diesem Flecken Erde aus mit seinem weiten blauen Himmel und der glasklaren Luft, den majestätischen Schneegipfeln von über 7000 Metern Höhe und den Flusstälern mit den Maulbeer- und Eukalyptusbäumen. Die Klimazonen in Afghanistan entsprechen denen vom kalten Skandinavien bis zur sengenden Hitze der Sahara, es gibt ständigen Wassermangel und zugleich reißende Überschwemmungen. Die machtvolle Natur lässt bereits einen Vorgeschmack auf die Extreme erahnen, die den Besucher am Hindukusch erwarten.
Was sind das für Menschen hier, die Unschuldigen mit einem Messer die Kehle durchschneiden oder sechsjährige Kinder zu Selbstmordattentätern ausbilden?, fragen sich Europäer und Amerikaner, die heute eine Zeitung mit den neuesten Nachrichten aus Afghanistan aufschlagen. Es ist "eine extreme Unbezähmbarkeit", beschreibt der Kölner Soziologe und ehemalige Lehrbeauftragte der Universität Kabul René König den Charakter der Paschtunen, der größten afghanischen Volksgruppe, aus denen sich die meisten der radikalislamischen Taliban rekrutieren.
Doch auch Islamisten folgen zumeist traditionellen Spielregeln, zum Beispiel dem Paschtunwali, einem archaischen Ehrenkodex, der die Blutrache kennt, aber auch die heilige Verpflichtung zur Gastfreundschaft: Danach setzen die Afghanen jederzeit ihr Leben ein, wenn ihnen die Unversehrtheit einer Person anvertraut wird. Mit diesem Fremden würden sie dann auch die letzte Kelle Reis teilen, selbst wenn er ein "Kafr", ein Ungläubiger, ist. So reisten auch die Autoren dieses Buches oft unter dem Schutz regionaler Patrone, ohne die der Zugang zu vielen Orten und Menschen nicht möglich gewesen wäre.
Auf dem sogenannten Hippie-Trail, der Traumstraße von Istanbul bis Nepal, war Afghanistan in den Sechziger- und Siebzigerjahren eines der spektakulärsten Etappenziele. Eine Übernachtung in einem der kleinen Hotels um den legendären Basar "Chicken Street" im orientalischen Kabul mit seiner grandiosen Bergkulisse kostete damals umgerechnet zwei Mark, und ein Kilo "Chars", besser bekannt als "Schwarzer Afghane", angeblich das beste Cannabisharz der Welt, war für 60 Mark zu haben. Die Freundlichkeit der Afghanen hat die Reisenden stets fasziniert, und ihre einmalige Gastfreundschaft bewahrten sich die Menschen trotz ihrer tragischen Geschichte, auch wenn sie inzwischen immer öfter ein anderes Gesicht zeigen, das grausam ist und roh, voller Unbarmherzigkeit.
Afghanistan ist eines der widersprüchlichsten und abenteuerlichsten Länder überhaupt. In den Städten glitzern heute, sechs Jahre nach der Vertreibung der Taliban, bunte Shopping Center, und über Mobiltelefone und Internet sind die Afghanen mit der modernen Welt verbunden. Hinter den Lehmmauern der Wohngehöfte auf dem Land herrschen jedoch archaische Verhältnisse. Die Frauen gehen tief verschleiert. In den Bergregionen der Stammesgebiete trägt fast jeder Mann eine Waffe und scheut sich nicht, sie auch zu gebrauchen.
Wer heute nach Afghanistan geht, den erfasst unweigerlich dieser Widerstreit aus Anziehung und Abgrund.
Immer wieder versuchten fremde Mächte, die Instabilität der Region zu nutzen, um das Herzland Asiens zu unterwerfen und zu beherrschen, doch niemandem ist dies auf Dauer je gelungen. Die Engländer scheiterten in drei fürchterlichen Kriegen. Die Sowjets rangen in den Achtzigerjahren um die Vorherrschaft am Hindukusch. Ihre Hightech-Armee mit über 100 000 Mann wurde von den zähen Guerillakämpfern geschlagen und verjagt. Nach den Angriffen der Terrorgruppe al-Qaida auf das World Trade Center und das Pentagon kämpfen dort nun seit Oktober 2001 die Amerikaner und ihre westlichen Alliierten um Dominanz und Stabilität.
Afghanistan ist eingeschlossen von sechs Ländern und ohne Zugang zum Meer. Doch gerade seine geographische Lage macht die Region strategisch interessant.
Von hier aus lässt sich der fragile Nachbar Pakistan mit seinen extremistischen Gruppen beobachten, immerhin ein nuklear bewaffnetes Land; im Westen befindet sich der ölreiche Mullah-Staat Iran, der dabei ist, zur Nuklearmacht aufzusteigen. Im Osten grenzt am schmalen Wakhan-Korridor der ebenfalls atomar gerüstete Wirtschaftsriese China. Nördlich, jenseits des großen Amu-Darja-Flusses, schließen die zentralasiatischen Republiken an mit ihren gigantischen Gas- und Ölvorkommen, die einmal durch Afghanistan zum Indischen Ozean und zum Arabischen Meer geleitet werden könnten.
Doch ursprünglich waren es die Terroranschläge des 11. September 2001, die Soldaten und Aufbauhelfer von inzwischen siebenunddreißig westlichen Nationen an den Hindukusch brachten. Die aktuelle Afghanistanmission ist damit die aufwendigste multinationale Operation aller Zeiten. Dennoch läuft hier, verglichen mit anderen Krisenherden, ein gefährliches Sparprogramm: Die internationale Gemeinschaft investierte zehnmal mehr für einen Kosovaren als für einen Afghanen, und die Hilfe am Hindukusch verpufft ohnehin vielfach, weil Entwicklungsexperten mehr Geld für Konferenzen und den Unterhalt ihrer Organisationen ausgeben als für die bedürftigen Menschen.
Das Kosovo ist kaum so groß wie die Oberpfalz, doch die US-geführten Alliierten starteten ihre Operation 1999 nach dem Krieg mit einer immerhin 50 000 Mann starken Friedenstruppe. Afghanistan besitzt fast die doppelte Fläche der Bundesrepublik Deutschland -und gerade mal 5000 Peacekeeper sorgten dort anfangs für Sicherheit. Die Isaf-Schutztruppe wurde inzwischen auf 40000 Soldaten aufgestockt, ist heute jedoch auch selbst erheblich in Kämpfe verwickelt. Um eine ähnlich stabile Sicherheitslage herzustellen wie auf dem Balkan, wäre eine irrwitzige Truppenstärke von über einer Million Soldaten erforderlich.
Dass es nicht gelungen ist, das Leben der Menschen entscheidend zu verbessern, wie ihnen dies zugesagt wurde, ist eine der wesentlichen Ursachen, warum die westliche Allianz die Unterstützung der Afghanen verliert. Vor allem eines konnten ihnen weder ihre Regierung noch die fremden Kräfte bieten: Sicherheit.
Es steht viel auf dem Spiel in diesem sehr anziehenden und doch auch dunklen Land. Das größte Militärbündnis der Welt, die North Atlantic Treaty Organisation (Nato), könnte hier scheitern und daran womöglich zerbrechen. Die Vereinten Nationen würden weiter an Glaubwürdigkeit einbüßen, und Afghanistan dürfte zu einer der wichtigsten Drehscheiben eines weltweit operierenden Islamisten-Terrornetzes werden, das zum Ziel hat, die westliche Welt zu destabilisieren.
Doch wie diese Mission auch ausgeht, was immer passiert, das Volk der Afghanen, so zerstritten es untereinander ist, wird nicht aufgeben. Die Region am Hindukusch entzieht sich auf eigene Weise der Rationalität westlichen Denkens. Trotz unvorstellbarer Leiden während Besatzung, Bürgerkrieg und Hungersnöten sind die Menschen dort bis heute stolz und ungebrochen. Wenn sich ein Fenster auftut - und sei es nur die Chance, die Heimat einmal kurz wiederzusehen -, kehren die Flüchtlinge zurück, ebenso die Exilafghanen, die in der Fremde ausgeharrt haben, getrieben von einer tiefen Sehnsucht nach dem geliebten Land. Und immer voller Hoffnung.

Die Hindukusch-Falle
Der amerikanische Konvoi rollt im Norden auf Kabul zu, über den Khair-Khana-Pass hinunter in den Talkessel der afghanischen Hauptstadt.

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