Der 'Täter' ist Horst Wagner, hochrangiger Beamter im Reichsaußenministerium bei von Ribbentrop und dort Leiter der für Judenfragen zuständigen Abteilung. 'Geliebt' wird er von Gisela Heidenreichs Mutter, die Wagner 1947 im Nürnberger Justizgefängnis kennenlernt, wo sie als Zeugin für den Lebensborn-Prozeß ein Jahr lang interniert ist.
Aus Briefen und Erzählungen ihrer Mutter sowie durch eigene Recherchen in Europa und Lateinamerika erarbeitet Frau Heidenreich von Wagner ein Charakterbild, das ihn zunächst als eher charmanten Opportunisten kennzeichnet, der es versteht, alle Chancen im damaligen System geschickt für eine beispiellose Karriere zu nutzen.Wagner wird zum Diener zweier Herrn, sowohl seines Protektors Ribbentrop als auch Himmlers. Als Angehöriger des Stabes von Ribbentrop lernt er die gesamte NS-Parteispitze kennen und ist auch beim 'Münchner Abkommen'dabei.Viel Zeit verbringt er damit, als SS-Offizier mit Chauffeur kreuz und quer durch Deutschland und in die besetzten Gebiete zu fahren und sogenannte 'Liebesgaben' zu beschaffen, die dann durch die NS-Prominenz verteilt werden und die auch gelegentlich die Soldaten an der Front erreichen. Da er von Pferden viel versteht, erhält er den Auftrag, Renn- und Zuchtpferde im In- und Ausland zu beschaffen und ein Gestüt aufzubauen Gerade als sich der Eindruck verfestigt, daß Wagner nicht sehr häufig im Büro ist und damit wenig von den Judendeportationen gewußt haben kann, rückt Frau Heidenreich dies gnadenlos zurecht. Sie legt stellvertretend für weitere Dokumente ein Schreiben vor, das die Deportation von Juden aus Kroatien nach Auschwitz zum Inhalt hat und das die Unterschrift von Wagner trägt.
Als Wagner im Juli 1948 merkt, daß ihm eine Anklage durch die amerikanischen Militärbehörden in Nürnberg droht und er eventuell sogar mit der Todesstrafe rechnen muß, flieht er. Acht Jahre, bis Ende 1956 befindet er sich auf der Flucht. Zuerst schlägt er sich nach Italien durch und taucht in Rom unter. Begüterte adelige Damen, die er in gewohnter Weise für sich einzunehmen weiß, sorgen für seinen Lebensunterhalt. Durch Vermittlung katholischer Hilfsorganisationen beschafft er sich beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz eine falsche Identität und nennt sich fortan Peter Ludwig.
Anfang 1951 zieht Wagner auf der sog. 'Rattenlinie' nach Lateinamerika weiter, zuerst nach Peru, dann nach Chile und schließlich nach Argentinien.Braune Netzwerke nehmen Wagner jeweils in Empfang.
Weil er nirgends Fuß fassen kann, kehrt Wagner im Mai 1952 frustriert nach Rom zurück. Als Peter Ludwig beantragt er die Zulassung als Korrespondent für lateinamerikanische Zeitungen. Dann aber wird er erkannt und für kurze Zeit verhaftet. Letzte Auslandsstation ist Madrid, bevor er Ende 1956 nach Deutschland zurückkehrt.
Die bundesdeutschen Mühlen der Justiz fangen erst 1957 an zu arbeiten. Mehrere Male wird er verhaftet, aber immer wieder auf freien Fuß gesetzt.1968 wird gegen ihn Anklage erhoben wegen Beteiligung am Holocaust. Zu einer Verurteilung kommt es nicht, weil sich das Strafverfahren durch strafprozessuale Manöver seiner Anwälte sowie durch krankheitsbedingte Unterbrechungen bis zum Tod Wagners im Jahr 1977 hinauszögert. Dadurch bleiben Wagners Taten ungesühnt.
Verliererin ist auch die Mutter von Frau Heidenreich, die sich letztendlich um ihre Liebe betrogen sieht, weil Wagner 1957 nach seiner Scheidung eine andere Frau heiratet.
Die Lektüre des Buches ist besonders deshalb empfehlenswert, weil sie anhand von Horst Wagner einen Tätertyp im Räderwerk des NS-Terrors beschreibt, der offensichtlich emotionslos und eher 'nebenbei'aus Karrieregründen den Tod von Hunderttausenden von Juden mit verschuldet.