Wer hat sie nicht noch im Ohr? Die Stimmen der großen Elisabeth Bergner und des so maskulinen - aber schwulen - Bogart Sprechers O.E. Hasse.
Sie sind die Klassiker. Das flotte Liebesdrama "Dear Liar" wurde mit Ihnen im deutschsprachigen Raum in den Sechzigern zu "Geliebter Lügner" einem phänomenalen Erfolg, der läuft und läuft und läuft...
Zahl- und namenlose in die besten Jahre gekommene Bühnenpaarungen haben sich seither immer wieder an dem Stück probiert und in den meisten Fällen damit dem Publikum einen wunderbaren Abend geschenkt.
Aber: Zwei echte Stars trauen sich selten in solche Fußstapfen.
Doch das alles braucht man nicht zu wissen, um dieses bravouröse Schmuckstück von Neuproduktion in sein Herz zu schliessen.
Wer erinnert sich schließlich heute auch noch daran, dass diese (Liebes-)Briefe zweier meist - aber nie miteinander- verheirateter Promis in den Zwanzigern schon einmal, in entschärfter Form auszugsweise veröffentlicht, die Avantgarde der bis heute erfolgreichen Enthüllungsbiografie waren?!
Die wilden Zwanziger sind vorbei (und kehren doch immer wieder...) - die bigotten Sechziger ebenfalls!
Aber der Liebesbriefwechsel (1899-1939), den ein GI namens Kilty vor dem Zugriff des Feuers Zweiter Weltkrieg rettete und anschließend daraus in aller Ruhe einen Bühnenwelterfolg komprimierte, ist noch- und wieder neu lebendig. Von Mario Adorf, dem Autor der Hörspielfassung, behutsam entstaubt - um glänzende Passagen aus der Originalkorrespondenz inspiriert erweitert und wunderschön und ebenso feinfühlig musikalisch (Klavier, Geige, Cello) illustriert - schenkt die Geschichte einer unmöglichen Liebe aus bewegten Zeiten jedem Zuhörer anderthalb rührende und aufregende Stunden.
Man muß zuvor nicht einmal wissen, wer Bernard Shaw und Stella Campbell waren, um ihrer Geschichte durch vier Jahrzehnte zu folgen und sie dann wirklich kennenzulernen. Iris Berben und Mario Adorf nehmen einen am Eingang der Geschichte in Empfang und stupsen, kurzweilige 92 Minuten danach, sanft in die Wirklichkeit zurück, wenn man die beiden CDs am Ende eigentlich gleich noch mal hören könnte...
Die großartige Iris Berben habe ich eigentlich noch nie so fulminant gehört!
Nicht die Fußstapfen also passen. Es sind neue Tanzschuhe, die wie angegossen sitzen und über das Parkett flitzen.
Wer also hat sie s c h o n im Ohr? Der Maßstab für alle, die es wissen wollen, ist die Neuinszenierung!
Und wer weder die eine noch die andere Version je gehört oder auf der Bühne erlebt hat, ist hiermit herzlich willkommen im Club der heimlichen Schwärmer, die nach außenhin mit Shaw immer noch behaupten können "Anti-Romantiker" zu sein und doch, mit Fried, begreifen:
Es ist was es ist - sagt die Liebe