"Wenn einer versuchen würde, dieser Urkunde unserer Heiratsschenkung zuwiderzuhandeln, so soll er wissen, dass er unserer Majestät straffällig wird und obendrein dieser unserer geliebtesten Braut Theophanu und unseren Erben 1000 Pfund besten Goldes zahlen muss."
(Sanctio der Hochzeitsurkunde vom 14. April 972)
Im März 2009 besuchte timediver® die gerade nach einer mehrjährigen Renovierung wiedereröffnete Krypta der Stiftskirche zu Quedlinburg. Auf dem Rückweg kam er in der sehenswerten Altstadt am "Hotel Theophanu" vorbei und erwarb in einem Buchladen die im Januar 2007 erschienene Taschenbuchausgabe der Romanbiographie "Geliebte Theophanu" von Eberhard Horst....
....der die Geschichte der byzantinischen Prinzessin in fünf Teilen, bzw. 29 Kapiteln aus der Sichtweise verschiedener historischer, wie auch fiktiver Personen erzählen lässt. Auf diese Weise lässt er z. B. Liutprand von Cremona und Dietrich von Metz, aber auch die Hofdame Anastasie D. zu Wort kommen.
Theophanu (Gotteserscheinung) war zum Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends ein Handelobjelt zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Otto I. und dem byzantinischen Kaiser Johannes I. Tzimiskes. Beide Imperatoren versprachen sich einen Vorteil, als die zwölfjährige Nichte des Basileus zur Eheschließung mit dem 17jährigen, gleichnamigen Mitregenten seines Vaters Otto nach Rom gebracht wurde. Während die schöne und kluge Byzantinerin von den einen geliebt wird, sehen sie andere als fremde, zudem nicht standesgäße Gemahlin des jungen Otto II. Gleichwohl diese Ambivalenz ihr kurzes Leben durchzieht, lernt sie schnell politisch zu denken und zu handeln. In dem ihr Aufgenötigten erkennt sie ihre Bestimmung, die sie in einer unermüdlichen Bewährung bis zu ihrem Tode als 31jährige verteidigen wird. Als Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches herrscht sie nach dem frühen Malariatod ihres Gatten über sieben Jahre mit einem besonderen politischen Geschick und zähem Durchsetzungsvermögen. Bei ihrem eigenen Tod konnte sie ihrem erst elfjährigen Sohn Otto III. ein im Innern wie im Verhältnis zu Rom gefestigtes Kaiserreich, das in seiner Selbstbehauptung nun auch gegenüber Byzanz gestärkt war, hinterlassen. Obgleich die "Ausländerin" auch die griechisch-byzantinische Lebensart in Kunst, Bildung und Mode in die rauhe Wildnis Germaniens brachte, sollte man sie "die deutscheste aller deutschen Kaiserinnen" nennen....
In seinem Vorwort räumt Eberhard Horst ein, dass die Auskünfte der historischen Quellen eher dürftig, jedoch stark genug seien, die Phantasie in Bewegung zu setzen. Der Autor wollte keine geschichtliche Rekonstruktion, sondern eine Entwicklung unter bestimmten, nachvollziehbaren Voraussetzungen erzählen. In diesem Zusammenhang erwähnt er Ereignisse und Umstände seines Romans, die zwar nicht nachweisbar, jedoch durchaus schlüssig vorstellbar sind; z. B. dass Liutpand zur Gesandtschaft gehörte, die Theophanu von Konstantinopel nach Rom eskortierte. Damit eine einleuchtende, lesbare Erzählhandlung zustande kommen konnte, musste der Autor auch die Fülle von Ortswechseln und Namen reduzieren.
Eberhard Horst ist es mit seiner romanhaften biographischen Erzählung gelungen, die wenigen historisch gesicherten Fakten mit Leben zu erfüllen. Die einzelnen Erzählungen entsprechen nicht nur der Logik des biographischen Romans, sondern bringen auch, insbesondere in den Berichten der Hofdame Anastasia, die als Sprachrohr, bzw. "Alter Ego" Theophanus zu verstehen ist, eine plausible Emotionalität zur Entfaltung.
Ein 17seitiger Anhang mit den Vitae der wichtigsten Familienangehörigen und anderer historischer Gestalten, eine Zeittafel, zwei Stammbäume und Landkarten und insbesondere die "Anmerkungen zur Datierung und zur Literatur" (Quellennachweise) machen einmal mehr die gründlichen Recherchen des Autors deutlich. Im Vergleich zu seinen "puren" Biographien "
Friedrich der Staufer. Eine Biographie" (Originalausgabe 1975), "
Konstantin der Große" (1992), "
Julius Caesar - Eine Biographie - Mit einigen Abbildungen im Text und auf Tafeln. Erste Auflage" (1989), "
Hildegard von Bingen" (2000) und "
Heloisa und Abaelard. Biographie einer Liebe"(2004) erscheint auch die besondere Form des biographischen Romans, die Eberhard Horst zur Präsentation von "Geliebte Theophanu" gewählt hat, z. B. wegen der fehlenden Dialoge, dem reinen Belletristikfreund als etwas fremde und vor allem trockene Lektüre.
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