Armes Mädchen vom Lande heiratet reichen Mann. Soweit wäre das nichts Neues, wenn das arme Mädchen vom Lande nicht Irin, der reiche Mann nicht britischer Grossgrundbesitzer und die Geschichte nicht Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland angesiedelt wäre:
Die Iren werden unter der britischen Herrschaft geknechtet und haben Mühe, zu überleben. Gracelin O'Malley und ihre Familie haben trotz harter Arbeit kaum genug zum Überleben. Da scheint der britische Grossgrundbesitzer Donnelly, der hat ein Auge auf Gracelin geworfen hat, gerade als rechter Ausweg: Gracelin wird als 15jährige mit ihm verheiratet. Er meint, sie könne ihm den lang ersehnten Erben schenken. Graces Familie meint, die Heirat sei das Beste für sie alle, aber Bram Donnelly ist das personifizierte Böse....
Was sich auf den ersten Blick nach einer leichtverdaulichen Liebesgeschichte anhört, entpuppt sich als fesselnde, ergreifende Darstellung des irischen Freiheitskampfes & der grossen Hungersnot - einer grauenvollen, aber bisher für mich doch eher abstrakten geschichtlichen Begebenheit. Ann Moore hat den Freiheitskampf für mich durch die Schicksale Gracelins, ihre Familie und Freunde personalisiert und es bei ihren Schilderungen trotz allem gleichzeitig geschafft, so etwas wie ein Gleichgewicht zwischen den Fronten herzustellen, indem sie die Lage und Ansichten beider Seiten schildert.
Das Romantic Times Magazine schrieb, dass Ann Moores Figuren so echt seien, dass man mit ihnen leide, ihre Freuden und Sorgen mitfühle. Ich kann mich dem nur voll und ganz anschliessen und "Geliebte Gracelin weiter empfehlen. Ein fabelhafter und zugleich trauriger Lesegenuss und eine extrem gut gelungene Verknüpfung von Fakten und Fiktion. Habe - dem Himmel sei Dank - den Nachfolger auch schon zur Hand ("Abschied von Irland") und werde ihn heute gleich anfangen!