Als Liebhaber klassischer Musik habe ich mich intensiv mit Leben und Werk bekannter und geliebter Komponisten auseinandergesetzt. Auch mit Robert Schumann und Johannes Brahms.
Zeitlich beginnt der Film mit Robert Schumanns Umzug nach Düsseldorf und endet mit seinem Tod.
Ich hab mir abgewöhnt bei Biografischen Filmen enttäuscht zu sein, wenn sie sich nicht exakt an die Wahrheit (so sie bekannt ist) halten oder die Figuren sich so gar nich mit meiner Vorstellung decken.
Solang es einem guten Zweck dient: Entertainement, künstlerische Aussage etc.
Oftmals erweitert eine solche Veränderung den Horizont und man bekommt einen neuen Zugang zur Musik oder zum Leben des Künstlers.
Bei diesem Film jedoch schmeckt mir die künstlerische Freiheit überhaupt nicht. Brahms Figur ist derart ärgerlich verunstaltet, ebenso wie seine Beziehung zu Clara Schumann über die man ja nur mutmaßen kann.
Wenn man sich schon die Freiheit herausnimmt die Storyline um die beiden zu erdenken, dann doch bitte plausibel.
Ich hatte eine emotionale Dreiecksbeziehung erwartet oder ein spannendes Psychogramm, eine Charakterstudie. Nichts davon wird geboten.
Stephen Fry sagte einmal, dass es einer der größten Fehler von Anfängern sei, gewollt gehobene Literatur produzieren zu wollen. Dies drücke sich dadurch aus, dass sich die Figuren ohne Motiv durch die Handlung bewegen.
Und genau das trifft auf diesen Film zu.
Die Beziehung zwischen Johannes und Clara entzieht sich volkommen dem Verständnis des Zuschauers. Man weiß nie genau WAS sie fühlen und WARUM sie dieses oder jenes tun. Was ist ihr innerer Antrieb?
Haarsträubend wird dieses im Finale, wenn sich die beiden halbnackt im Bett räkeln und Brahms schwülstige Monologzeilen haucht.
Das wirkt aufgesetzt und belanglos. Das retten auch die obligatorischen Erklärungstexte am Ende nicht mehr.
Die Filmmemacher haben sich an ihren eigenen Ansprüchen verhoben.
Der Film ist weder künstlerisch bedeutsam noch unterhaltsam.
Eine ernstzunehmende Biografie ist er schonmal gar nicht.
Und was bleibt dann noch?
Auch ansonsten hat der Film so seine Eigenheiten. Da wird minutenlang auf ein Gesicht draufgehalten, es wird sich bedeutungsschwanger angeschwiegen und nichtssagend angeguckt, kleinere dramatische Höhepunkte hingegen wie z.B. der Selbstmordversuch sind abrupt geschnitten. Übehaupt hat der Film an manchen Stellen eine seltsam Szenenfolge.
Und wie leider in vielen Musikfilmen eine schlechte Synchronisation von Fingersatz und Ton (warum muss die Filmemacherin dann so lang draufhalten?).
Und wiedermal eine grenzdebil peinliche Dirigenten Szene wie zuletzt in
Klang der Stille bei dem die Schauspieler aussehen, als bekämen sie einen Orgamsus auf dem Pult (Robert und Clara dirigieren zusammen. Alles klar!).
Schönheit von Musik wirkt auch ohne Schauspielerei. Ergriffenheit zeigt man durch Ausdruckslosigkeit, wann verstehen das die Herren und Damen Regisseure endlich einmal. Die Musik steht für sich allein.
Eigentlich hätte dieser Film Null Sterne verdient, da jedoch Schumann draufsteht ist eine gewisse Grundfaszination vorhanden.
Die Darsteller des Ehepaares Schumann machen ihre Sache gut und es ist interessant Robert beim "verrückter werden" zuzuschauen. Zudem gibt es die Musik (leider nur recht spärliche Auswahl). Falls diese ein paar Zuschauer dazu bewegt sich erstmals und eigenständig mit der Musik Schumanns oder Brahms zu beschäftigen, dann hat der Film vielleicht doch noch sein gutes.
Wer sich für die Thematik interessiert kann sich den Film anschauen.
Allen anderen rate ich davon ab.