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35 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geschichten vom Leben, 19. Juni 2003
Wieder so ein Buch, das vor allem von denen zerzaust werden wird, die es gar nicht lesen. Jedenfalls machte ich den Test und legte, kaum erstanden, in der Cafeteria gut sichtbar neben meine Kaffeetasse. Die Kommentare liessen nicht auf sich warten: Machwerk, PR-Produkt, seichtes Geschwafel, Klatsch waren noch die harmlosesten Kommentare von Leuten, die viel auf ihre akademische Bildung geben. Ich freute mich umso mehr auf die abendliche Lektüre - und verbrachte die laue Sommernacht lesend auf der Terrasse. Zum grossen Spass trug auch bei, dass ich dauernd die Leseperspektive wechselte. Mal setzte ich die Brille des Politmarketers auf, mal die des Historikers, dann wieder diejenige des Voyeurs, des Mannes oder des Europäers und Neugierigen. Hillary Clinton oder wer immer auch die vielen Seiten verfasst haben mag, hat absolut Spannendes zu bieten. Das allein wäre noch kein Verdienst, denn immerhin war die Autorin acht Jahre lang im Zentrum der Macht. Nachdem ich fast atemlos über die Seiten geflogen bin, war mir auch wieder klar, weshalb Amerika nichts von seiner Faszination eingebüsst hat und der Ort ist, an dem die grossen Mythen der Neuzeit und der Postmoderne geschrieben werden. Amerika, was ist das? Die Antwort nimmt uns Hillary Clinton glücklicherweise nicht ab. Das wäre die Vermessenheit, die Hybris, die ihr rechtskonservative und linksfrustrierte Gegner vorwerfen. Sie lässt ihre persönliche Kamera über das Land streifen, erweckt alte Zeiten zu neuem Leben und überrascht auch immer wieder mit ganz persönlichen Passagen. Man mag die Frau, die wohl nur wenige ihrer Leser persönlich kennen, immer besser und wünscht ihr insgeheim die nächste Präsidentschaft. Wer könnte die Rolle der ersten weiblichen Präsidentin der USA besser einnehmen als sie. Klug, politisch mit allen Wassern gewaschen, emanzipatorisch, machtbewusst, anpassungsfähig, emotional und berechnend. Das Gedankenexperiment, dass die "Welt" von einer Frau regiert wird, begleitete mich durch das ganze Buch und verlieh im eine zusätzlichen Reiz. An ihren Fähigkeiten wird es kaum liegen, wenn ihr ein erneuter Einzug ins Weisse Haus verwehrt wird. Vielmehr sind es die dunklen, gewaltbesessenen, skrupellosen, korrupten und rückwärts gewandten Kräfte, die im Buch immer wieder beschrieben werden. Allen schon diese beängstigenden Stimmungsbilder lohnen die Lektüre. Oder sind es die 75 Schwarz/Weiss-Bilder, die den Preis wert sind? Ich hätte mir noch viel mehr davon gewünscht, auch wenn die Auswahl recht gut getroffen ist. Und wem all das Persönliche egal ist, muss das Buch ohnehin lesen. Denn ein wichtiges Dokument der Gegenwart ist es auf jeden Fall.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die beeindruckende Biografie einer großen Frau, 28. Oktober 2003
...und zwar so groß, dass die Rezension bei mir leider nicht in einen Absatz passt :-) Hillary erzählt angefangen bei ihrer Kindheit (*1947) zu je etwa einem Drittel über Studium, Bill und Arkansa, dann ihre 8 Jahre als First Lady und schließlich von ihrem eigenen harten Wahlkampf zur Senatorin von New York State. Das Buch schließt ab mit der umstrittenen Wahl von George W.Bush im März 2001, der 11.September wird nicht mehr angesprochen. Inhaltlich ist die "Living History" äußerst ausgewogen und nach allen Regeln der Political Correctness weitgehend entschärft, Überraschungen darf man nicht erwarten. Die großen Dinge kennt man aus der Zeitung, im Detail werden zig kleine Nettigkeiten mit Lob und Dank bedacht - was zuweilen ermüden kann. Trotzdem ist es höchst interessant, die Dinge aus erster Hand zu erfahren, und zwar nicht nur die Antwort darauf, weshalb sie trotz Lewinsky mit Bill zusammengeblieben ist, sondern insgesamt die politischen Abläufe Amerikas, die Organisation des Weißen Hauses, die rücksichtslosen Negativkampagnen während der Wahlkämpfe, die oft einseitige Berichterstattung der Medien und vieles mehr. Außerdem bekommt man die Biografie Bills gleich mitgeliefert. Das Buch ist oder wirkt manchmal künstlich optimiert, doch es ist ein interessantes, durchdachtes und in Stil, Struktur und Inhalt perfektioniertes Kunstwerk. Hier waren Marketing-Profis am Werk, das Buch ist mit Sicherheit von Heerscharen an Lektoren geprüft worden - aber sie haben es wirklich schön gemacht! :-) Und ich sehe trotz allem oder gerade durch die Lektüre in ihr eine starke, emanzipierte und einzigartige Frau, die mehr soziale Verantwortung in sich trägt als die meisten Politiker dieser Welt. Die Clinton-Ära war eine der friedlichsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Zeiten Amerikas - und hinter einem starken Mann steht wie so oft eine mindestens ebenso starke Frau. Hillarys lebenslanger Einsatz für das Gemeinwohl und insbesondere für die Frauenrechte ist unbestreitbar, wie u.a. ihre umstrittene Rede in China zeigt. Gefallen hat mir ihre zentrale Aussage "Freiheit, Frieden und Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern Werte, um die man kämpfen muss". Mit Sicherheit soll dieses Buch auch ein Wegbereiter sein, mit dem sie aus dem Schatten von Bill heraustritt, doch es ist auch eine Verpflichtung. Sie kann und wird an ihren Aussagen gemessen werden. Ich jedenfalls hoffe, dass Hillary keine "Gelebte" sondern als "Living History" eher eine "Lebende Geschichte" bleibt und zur Präsidentschaftswahl kandidiert - sie wäre ein würdiger erster weiblicher Präsident Amerikas.
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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Keinesfalls peinlich privat, 23. Juni 2003
Das bißchen amerikanischen Pathos, das sich zuweilen auch in dem knapp 670 Seiten langen Werk wiederfindet, verzeiht man der ehemaligen First Lady und New Yorker Senatorin schnell. Mit Humor, scharfer Beobachtungsgabe und nicht ohne Selbstkritik erzählt Hillary Rodham Clinton sowohl private wie auch politische Geschichten aus ihrer Sicht. Schwerpunkt sind die acht Jahre im weißen Haus und ihre Tätigkeiten dort. An die Gesundheitsreform, die Hillary Clinton federführend betreute, mag sich auch der europäische Bürger erinnern. Andere Details und Namen sind hierzulande weniger bekannt und zuweilen etwas ermüdend. Die Frau, die zu Lewinsky-Zeiten so tapfer die Fassade gewahrt hat, gibt Einblick in ihren Part der Affäre und das im richtigen Maße - erklärend, aber nicht zu voyeuristisch. Auf keiner Seite wird es für den Leser peinlich privat, aber das hat ja auch niemand wirklich erwartet. Denn schließlich hat die Juristin Stil und strebt darüber hinaus auch zukünftig hohe politische Ämter an. Es darf als durchaus schlauer Schachzug angesehen werden, eine solche Autobiografie gerade jetzt auf den Markt zu bringen. Nächstes Jahr (2004) wählt Amerika und man hört es munkeln, dass sich Hillary Clinton aufstellen lassen will. Eine weitere Chance gäbe es 2008, denn in Amerika darf jeder Präsident bekanntlich nur zwei Legislaturperioden ans Steuer. Der Bildteil mit zahlreichen Fotos aus dem Privatarchiv der Clintons gibt ebenfalls einen interessanten Eindruck der Familie abseits der Paparazzi- und der offiziellen Bilder.
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