Wieder legt Lucas Zeise ein interessantes, kenntnisreiches, argumentatives Buch vor, das sich trotz des teilweise recht abstrakten Themas (Wat issene Geld ?) sehr gut liest. Erfrischend auch seine ironischen, sarkastischen Bemerkungen zum politischen Personal, das sich in wirtschaftlichen Belangen besonders lächerlich gemacht hat, indem es heute noch dementierte, was es morgen als Menschheitserfordernis verkaufte. Man kann sehr viel Positives über dieses Buch sagen, nicht zuletzt über die vergleichsweise anschaulichen Erläuterungen zu teilweise recht herkömmlichen (Eigenkapital, Mindestreserven), teilweise typisch neumodischen Begriffen wie Derivaten, CDS und anderen "Finanzprodukten".
Erstaunlicherweise ist das, was die Menschen vermutlich in stärkster Weise in Bewegung setzt, das Geld, im Grunde unverstanden und mit einem Rest Geheimnis versehen. Zeise spottet über die gängige, vorherrschende Volkswirtschaftslehre, die gerade beim Geld nach seiner Meinung nur leeres Stroh drischt, sprich: über Tautologien kaum hinaus kommt. Der Monetarismus, den Zeise für widerlegt hält, kriegt sein Fett ab. Zeise ist souverän genug sich mit anderen Geldtheorien auseinander zu setzen, der von Silvio Gesell, der von Marx, der von Keynes und auch die zeitgenössischer Autoren wie Heinsohn und Steiger. Er hält im Vergleich die marxschen Erklärungen trotz der Unzulängigkeiten, die er aufzeigt, für ergiebiger. Zeises Ausführungen über Kredit und Geld sind eine gute Basis für weitere Begriffsklärungen, die er selbst für notwendig erachtet.
Zeise ist für eine strikte Regulierung der Finanzwirtschaft und für ein Gesundschrumpfen derselben. Eine durchaus begründete Forderung. Wenn er sich allerdings kritisch dazu äußert, wie Notenbanken in der Vergangenheit ab und an durch Hochzinspolitik Rezessionen eingeleitet haben, dann kann er redlicherweise nicht gleichzeitig kritisieren, dass dieselben Notenbanken zu anderen Zeit und mit anderen Chefs durch lange Phasen von Niedrigzins Blasen des Finanzmarkts ausgelöst hätten. Es geht nicht beides. Daher ist eine solche Kritik nicht konsistent.
Das Buch ist noch zu sehr mit Mängeln behaftet, Personenregister und Literaturverzeichnis fehlen. Unnötige Wiederholungen treten auf. Es wird nicht erklärt, warum sich Zeise nur auf bestimmte Geldtheoretiker bezieht. Die Definitionen von Werner Hofmann in seiner "Wirtschaftsgesellschaft" insbesondere zum Verhältnis von Geld und Kredit (als eng benachbart) wären erwähnenswert. Zeise definiert außerdem nicht, was er unter Neoliberalismus versteht. Ein Begriff wie "Staatsmonopolisticher Kapitalimus" taucht plötzlich im zweiten Teil des Buches auf und bleibt noch nebulöser als der des Neoliberalismus. Die Anschaulichkeit der Darstellung durch einen langgedienten Wirtschaftsjournalisten ist begleitet von fehlender Systematik und Methodik.
Eine überarbeitete zweite Auflage müsste einige dieser vor allem methodischen Mängel beheben. Kritik und Diskussion regt das Buch in der jetzigen Fassung allemal schon an.