Dieses Buch beschreibt sehr genau und neutral, wie die Ware "Geld" funktioniert und im Laufe der Geschichte funktioniert hat. Es versucht nicht darzulegen, wie sich alle wirtschaftlichen Probleme magisch über Nacht auflösen. Das Buch hat auch nichts damit zu tun, Geld von sogenannten "Reichen" wegzunehmen und den "Armen" zukommen zu lassen. Dieses Buch muss mit offener Einstellung gelesen werden, weil es von unserem Wirtschaftssystem aus gesehen manchmal schwierig ist, sich vorzustellen, wie Geld funktionierte, wenn keiner Zinsen verlangte und es keine Inflation gäbe. Margrit Kennedy beschreibt klar, was in der Geschichte wiederholt passierte, als entweder unabsichtlich durch überraschende Umstände oder mit angewandtem Wirtschaftswissen Geld anders verwendet wurde als heute.
Eine Aussage in diesem Buch ist, dass Geld zirkulieren muss um von Nutzen zu sein, je schneller desto besser. Es gibt wahrscheinlich auch in unserer Wirtschaft nicht viele ökonomisch gebildete Menschen, die dem widersprechen würden. Kennedy argumentiert nun, dass Zinsen zum Geldsparen anregen und daher die Zirkulation des Geldes stark verlangsamen. Ohne Zinsen würde eine minimalste (!), konstante Abwertung des Geldes ausreichen, um Geld im Umlauf zu halten. (Hier ist die Offenheit gefragt - dies könnte als "Inflation" misinterpretiert werden, ist aber völlig anders zu verstehen. Es geht nur um das Horten der Ware Geld, Horten des Tauschmittels einer Gesellschaft. Kaufen Sie so viele Aktien wie Sie wollen.) Margrit Kennedy beschreibt gründlich und interessant, wie im berühmten "Experiment von Wörgl" der Bürgermeister mit einer solchen Notwährung jene kleine österreichische Stadt 1932/33 innerhalb nur eines Jahres vom aussichtslosen Nachkriegs-Bankrott zu einer blühenden Wirtschaft brachte (bis die österreichische Nationalbank ihm das Notgeld verbat). Die Theorie zu seinem Experiment hatte der Bürgermeister in Silvio Gesell's "Die Natürliche Wirtschaftsordnung" gelesen.
Das Wissen über Geld, das in diesem Buch präsentiert wird, ist nicht neu. In vielen sehr alten Kulturen ist das Zinsnehmen einfach verboten. Margrit Kennedy beschreibt, warum dies keineswegs eine ethische Frage ist, sondern eine sehr praktische wirtschaftliche Grundlage hat. Zinsen können eine blühende Wirtschaft in kürzester Zeit ruinieren, und haben auch wiederholt zu einem solchen Ruin beigetragen. Inflation kann die unvermeidbare Krise nur verzögern, die entsteht, wenn Geld als einzige Ware exponentiell an Wert zunimmt und damit völlig vom Wert der Waren und Dienstleistungen entkoppelt wird, die dieses Tauschmittel repräsentieren soll.
Es gerät Kennedy's Glaubwürdigkeit wahrscheinlich nicht zum Vorteil, dass sie ihre primäre Universitätsausbildung im Fach Arichtektur ablegte und nicht in Wirtschaft. Sie wäre jedoch auch als Wirtschaftswissenschafterin nicht in der Lage vorauszusagen, was passierte, würde dieses System heute eingeführt. Ehrlicherweise präsentiert sie daher nur die Geschichte als Tatsachenbericht, und ihre Voraussagen als Spekulationen. Margrit Kennedy zitiert gründlich "echte" Wirtschaftsexperten, und macht das vielleicht ein bisschen zu verblüffend einfache Prinzip für jeden verständlich.
Ein interessanter Aspekt des zinsfreien ("neutralen") Geldes ist, dass keine Umverteilung stattfinden muss. Das System erlaubt soziale Unterschiede. Es unterbricht nur den Zyklus der Eskalation des Geldwertes und den folgenden Zusammenbruch der Wirtschaft, der aus unserer Wirtschaft nicht ganz wegzuleugnen ist.
Es ist ein Vergnügen, Geld in einer neuen Weise zu betrachten. Ein grossartiges Buch.