Was passiert, wenn ein Kabarettist keine Ahnung hat, und sich stellvertretend für alle anderen schlau macht?
Er findet durch seine Neugier und Unvoreingenommenheit unendlich viele Fakten heraus,
die zum Teil seriös, zum Teil haarsträubender Schwachsinn sind, und stellt sie alle in einen satirischen Kontext.
Das Resultat ist ein höchst amüsanter Streifzug durch den real existierenden Wahnsinn der Weltwirtschaft.
Dabei legt Butzko stets Wert darauf, zu betonen, dass er keine Wirtschaftswissenschaften studiert hat,
sondern lediglich mit offenen Augen und klarem Verstand die Faktenlage kommentiert,
und das durchaus so subjektiv wie möglich.
Hier wird man weder mit Insider- oder Expertenwissen gelangweilt,
noch dient "Geld oder Leben" als Ratgeberbuch für den Kleinanleger,
und auch um "oeconomic correctness" geht es nicht.
Stattdessen haut hier einer mit größtem Vergnügen auf die Standpauke,
dass die Kritik an den Handelnden in Politik und Wirtschaft nur so nieder prasselt,
und das Grinsen im Gesicht des Lesers von Seite zu Seite breiter wird.
Dabei ist "Geld oder Leben" ein überraschendes Werk geworden, denn es entpuppt sich unerwartet
als eines der substanzvollsten Bücher, die seit Ausbruch der Finanz- und Weltwirtschaftskrise auf dem Markt erschienen sind.
Mehr noch, es ist das einzige, das dem Laien all die undurchsichtigen Geschehnisse der letzten Jahre
nicht nur mit Wissen, sondern auch mit ganz viel Witz endlich mal so erklärt, dass man sie auch versteht.
Ob Butzko dabei z. B. anhand einer Pokerrunde die Pleite am US-Immobiliensektor erläutert,
oder die Eurokrise mit dem Gebrauchtwagenhandel vergleicht,
oder das Bankengeschäft anhand einer Monopoly-Runde im Familienkreis erklärt,
fast jedes Kapitel erheitert und erhellt den Leser.
Denn "Geld oder Leben" besticht durch messerscharfe Betrachtungen
und bietet nebenbei die längst überfällige Abrechnung mit dem Wirtschaftswahnsinn.
Fazit:
Wenn 10 Sterne möglich wären, würde ich 15 vergeben.