Selbst wer sich nur am Rande mit den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung auseinandersetzt, kommt an Manfred Spitzer nicht vorbei. Der deutsche Psychiater und Neurowissenschaftler ist auf allen Kanälen präsent und bringt es bei Amazon inzwischen auf 60 Treffer. Zu solcher Umtriebigkeit kann man stehen wie man will, aber solange einige noch immer glauben, Menschen seien vernünftige Wesen, würden nur 10 Prozent des Gehirns brauchen und hätte zwei klar unterscheidbare Hirnhälften, braucht es Missionare wie Manfred Spitzer. Zumal ich an einem gemeinsamen Auftritt auch seine rhetorischen Fähigkeiten entdeckte. Wie klar, unterhaltsam und bildhaft sich Manfred Spitzer ausdrücken kann, beweist er auch auf dieser CD, die er selber bespricht. Er ist ganz offensichtlich eine der Ausnahmen von der Regel, dass nicht ausgebildete Schauspieler keine Texte vortragen sollten.
Komplettsammler von Spitzers Werken müssen sich damit abfinden, dass sich vieles wiederholt. Aber das lässt sich nun mal nicht vermeiden und wird wohl nur wenige betreffen. Ich finde es gut, dass er interessierte Leser und Zuhörer bei spezifischen Themen abholt, um ihnen dann die wichtigsten Erkenntnisse der modernen Hirnforschung vorzustellen. Und da Geld in fast allen Lebenslagen eine Rolle spielt, ist diese CD für viele Neugierige ein idealer Einstieg. In elf Kapiteln werden Irrtümer vorgestellt und korrigiert. Zur Veranschaulichung komplizierter Zusammenhänge erzählt Manfred Spitzer kleine Anekdoten und berichtet von wichtigen Studien oder Experimenten. Und weil unser Arbeitsgedächtnis Zahlen schlecht speichern oder einordnen kann, weckt er hoffentlich bei vielen Zuhörern den Wunsch, sich eines der vielen Bücher zum Thema anzuschaffen.
Mein Fazit: Kein ernsthafter Neurowissenschaftler würde behaupten, man habe die Rätsel des menschlichen Gehirns schon gelöst. Aber in den letzten zwei Jahrzehnten kamen die Forscher grundsätzlichen Mechanismen und Ordnungsmustern des Gehirns auf die Spur, die in der Fachwelt kaum umstritten sind. Von diesen Erkenntnissen berichtet Manfred Spitzer so anschaulich und unterhaltsam, dass es sich lohnt, ihm etwa eineinhalb Stunden zuzuhören.