TofuBeast: Auch als abgebrühte Agnostikerin habe ich dieses Buch mit grossem Vergnügen gelesen. Gotthelf war Pfarrer, und natürlich ist Geld und Geist unter anderem so etwas wie eine Predigt. Genau dasselbe gilt jedoch auch für einen zeitgenössischen Blockbuster wie Wolfes Bonfire of the Vanities. Geld und Geist ist nämlich noch viel mehr. Eine sprachliche Fundgrube voll gefreuter Kraftausdrücke. Eine träf erzählte, lebensnahe Geschichte. Ein Blick zurück ins Leben unserer ländlichen Vorfahren vor 1848, der sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten mit unseren Zeiten hervorhebt. In dem Sinn eine Anregung zum Nachdenken, weit über die Predigt hinaus. Wohl, mich düecht, Sie sollten ihn öppe wieder lesen, den alten Gotthelf.
Ein Auszug: "Zürn nüt", sagte Annelisi zu Resli, "aber was witt, ich bin schalus über das Meitschi, welches du lieber hast als mich, und das wird so bleiben, bis ich einen finde, der mir auch lieber wird, als du mir bist. Sehen möchte ich das Meitschi doch, es nähmte mich wunder, obs denn auch so ein Ausbund ist, dass kein anderes ihm zu vergleichen wäre; das wäre bös für alle, wo es nicht bekämen." "Dank dem lieben Gott auch dafür, lieb Annelisi", sagte die Mutter, "dass er jedem Menschen apartige Augen gegeben hat, es wäre bös, wenn es anders wäre. So ist mir jetzt mein Mann der liebste, brävere Kinder als meine sehe ich nicht, und es wird sich wohl noch einer finden mit solchen Augen, welchen du als das schönste und beste Meitschi erscheinst auf Gottes liebem Erdboden." (Annelisi und Resli sind Geschwister.)