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Gelber Wind oder Der Aufstand der Boxer
 
 
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Gelber Wind oder Der Aufstand der Boxer [Gebundene Ausgabe]

Gerhard Seyfried
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 643 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1 (Mai 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821857978
  • ISBN-13: 978-3821857978
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 45.960 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Gerhard Seyfried
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"... minutiös recherchierte Roman, der auch als historisches Buch zu lesen ist." (Focus, 19. Mai 2008) "Gerhard Seyfried verbindet seinen historischen Roman über den Aufstand der Boxer, die im Jahr 1900 versuchten, die Kolonialmächte aus China zu vertreiben, mit eine Einzelschicksal." (dpa, Juni 2008) "Seyfrieds Dokumentarroman lässt uns die deutsch-chinesische Geschichte und damit auch das moderne China besser verstehen. (...) Gerhard Seyfried ist ein spannender Roman gelungen. Er lehrt uns, dass Fremdherrschaft keinen Bestand hat, ja scheitern muss." (RBB - Stilbruch, 22. Mai 2008) "Seyfried gelingt es, eine politische Dynamik zu beschreiben, die nicht nur das chinesische Kaiserreich hinwegfegen sollte." (Rheinischer Merkur, 15. Mai 2008) "Gerhard Seyfried legt den Finger abermals in eine Wunde der deutschen Vergangenheit und berichtet detailversessen aus einer Epoche, über die hierzulande noch immer viel zu wenig gesprochen wird." (NDR - Buchwelt, 4. Juli, Norbert Bourgeon) "Gerhard Seyfried entfaltet auf über sechshundert Seiten einen Tatsachenroman über Deutschlands koloniale Vergangenheit in Fernost, greift in die Farbtöpfe und pinselt ein kolossales Gemälde." (Handelsblatt, Dietmar Petersen, 25. Juli)

Kurzbeschreibung

"Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht." Kaiser Wilhelm II. Spannend, farbig, faktenreich: das erste große historische Epos über Deutschlands koloniale Vergangenheit und den Boxeraufstand in China - von Gerhard Seyfried 1900, Peking. Baron von Ketteler, der deutsche Botschafter in Peking, wird von einem Mitglied des fremdenfeindlichen Geheimbunds der chinesischen "Boxer" erschossen - der Startschuss zum "Boxeraufstand". Missionare, chinesische Christen und "fremde Teufel" werden landauf, landab massakriert. Tausende chinesische Aufständische wollen das Gesandtschaftsviertel in Peking stürmen, in dem die schlecht bewaffneten Diplomaten und ihre Familien, Diener und Gäste sich in ihrer Verzweiflung verschanzt haben. Das chinesische Kaiserhaus gibt sich entsetzt, scheint aber im Geheimen mit den Aufständischen zu paktieren - und tut nichts. Unter den Belagerten befindet sich auch die gerade frisch in China eingetroffene Familie des deutschen Kaufmanns Lenk, dessen Handelsimperium in der deutschen Kolonie Tientsin gerade zu florieren begann. Sein Sohn ist vor wenigen Tagen bei einem Ausflug zur chinesischen Mauer verschwunden - wahrscheinlich entführt. Einundfünfzig Tage müssen die Belagerten unter immer dramatischeren Umständen ausharren und um ihr Leben fürchten ...

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Wer wenig gesehen hat, staunt über vieles. Er sieht ein Kamel und denkt, dass dieses Pferd einen einen geschwollenen Rücken hat."
(Chinesisches Sprichwort)

Da auch die (deutsche) Kolonialgeschichte zu meinen Interessen zählt, habe ich bereits im Februar 2009 das Sachbuch "Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900-1901" gelesen und rezensiert. Der amerikanische Monumentalfilm "Die 55 Tage von Peking" (1963) bietet diesbezüglich eine äußerst freie Darstellung, die sich kaum an die historischen Ereignisse und Personen hält. Vor diesem Hintergrund und den bisherigen, kontroversen Kundenrezensionen wird "Gelber Wind oder der Aufstand der Boxer" durchaus zu einer sorgfältig zu lesenden und zu analysierenden Lektüre.

Zunächst sei bemerkt, dass die mehr als 600seitige Handlung des Romans nicht "mitten in der Zeit der Opiumkriege" spielt, denn der zweite und letzte endete bereits 1860, also vierzig Jahre zuvor. Es sind auch nicht die "Westmächte", die gegen die sowohl wirtschaftlich-sozial, als auch religiös-national motivierten "I-ho-ch'üan" (Faustkämpfer für Recht und Einigkeit, kurz "Boxer" genannt) zu Felde ziehen, sondern sechs europäische Nationen plus US-Amerika und Japan, die jeweils ihre eigenen imperialistischen Ziele verfolgten. Der Roman ist weder "leicht zu lesen", noch wird er nach der Hälfte "besonders qualvoll".

Zu seiner literarischen Bewertung ist zu sagen, dass weite Teile der Handlung durch lebendige Dialoge geprägt werden und auch Telegramme, Berichte, Befehle pp. als Stilmittel eingesetzt werden. Gerhard Seyfried lässt sein opulentes, in vier Teile gegliedertes Werk mit der jeweiligen Vorstellung seiner vier (erdachten) Protagonisten beginnen. Während sich die Wege der Privatlehrerin Arletta Lind, des Zeitungskorrespondenten Ferdinand Röder und des Kapitänleutnants Maximilian von Reichenow in Peking kreuzen, hält der Sozialdemokrat Janus Ballhaus die politische "Heimatfront" in Berlin. Die persönlichen Geschichten dieser vier Handlungsträger ermöglichen, neben parallelen und sich treffenden Handlungssträngen auch unterschiedliche emotionale Sichtweisen.

Hier einige Beispiele für historische Details: Die Opiumkriege, in denen Großbritannien den Chinesen das in seinen Kolonien produzierte Rauschgift als Zahlungsmittel für Handelswaren oktruierte (Seite 176) und das koloniale Wettrennen um China begann. Die Ermordung zweier Missionare in der Steyler Mission, im Innern der Provinz Schatung, die für die Landung des deutschen Ostasiatischen Kreuzergeschwaders in der Bucht Kiautschou zum Anlass genommen wurde. Der seit 1899 andauernde Burenkrieg, in dem die Engländer Dum-Dum-Geschosse einsetzten (S. 88). "Rough Riders" von Theodor Roosevelt der darin seine Erlebnisse im amerikanisch-spanischen Krieg beschreibt (S. 283). Die Jagd auf den Apachern Geronimo in der Sierra Madre (S.488), der Taiping- und Mahdi- Aufstand (S. 424), sowie die Ermordung des italienischen Königs Umberto I. am 29. Juli (S. 501).

"Gelber Wind" kann eine Fülle historischer Persönlichkeiten als Mitwirkende vorweisen. Diese sind im militärischen und diplomatischen Bereich u. a. Kapitänleutnant Adolf Lebrecht von Trotha, Kapitän Guido von Usedom, Clemens August Freiherr von Ketteler, Sir Claude Maxwell MacDonald, Stéphen Jean Marie Pichon und den österreichischen Sinologen Arthur Edler von Rosthorn.In Berlin agieren Ferdinand August Bebel, Paul Singer und Karl Johann Kautsky, der dem fiktiven Janus Ballhaus eine Ausgabe des "Simplicisimus" vorlegt (S. 386), der sich wiederum wegen der Verletzung der Abgeorndetenimmunität beklagt.Daneben gibt es Hinweise auf SMS Zenta, ein Schiff der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine (S. 115) und die sozialdemokratische Forderung nach Einführung von Abgeordnetendiäten, da die Konservativen aufgrund ihrer Vermögen im Vorteil sind (S. 105).

Auch die Dramaturgie zeichnet sich neben Spannung durch eine Fülle packender Details aus. Beispielhaft seien hier die Beschreibung des "Gelben Windes" (S. 90), der Arbeitsbedingungen im Kessel- und Maschinenraum eines dampfbetriebenen Kreuzers (S. 163 ff.) und die Entbehrungen der in Peking Belagerten, die ihren Hunger mit "Cheval à la mode aux Croquettes de riz" (S. 476) stillen mussten, genannt. Daneben ist die zum teil altertümliche Bewaffnung der Chinesen, die jedoch mittels Krupp-Kanonen aufgerüstet worden waren, beachtlich (S. 476). Die Kämpfe um die Taku-Forts (S. 263 ff.) sind in drastisch-realistischer Weise dargestellt. Nachdem der Autor zuvor die Gräueltaten der Boxer (Massaker an chinesischen Christen, die in eine brennende Kathedrale eingeschlossen wurden; S. 241 ff.)beschrieben hatte, ist auch seine Schilderung des fürchterlichen Strafgerichtes der Alliierten, die sich bei Massakern, Massenhinrichtungen und der Plünderung Pekings (S. 471) in nichts nach standen, realistisch. Mit der Flottenvorlage im Reichstag, die gegen die Stimmen der Sozialdemokraten beschlossen wurde (S. 251), der Krügerdepesche (S. 387) und der gegenseitigen Beäugung von Russen und Japanern (S. 582) zeichnen sich bereits schwelende und künftige Konflikte zwischen den Mitgliedern dieser einzigartigen und nie wiederkehrenden Allianz ab.

Jenseits der barbarischen Brutalität und Gnadenlosigkeit in der sich beide Seiten begegneten hat der Autor auch humane Aspekte in seine Handlung eingebaut, wie z. B. die aufgrund des Rassismus geheime Liebe zwischen Julia Lenck und dem Chinesen Tschau (S. 215 ff., 227) oder die Weigerung einiger Marinesoldaten auf Wehrlose, das Feuer zu eröffnen (S. 230). Daneben die Friedfertigkeit und Hilfsbereitschaft buddhistischer Mönche.

Zum Abschluss dieses in jeder Hinsicht gelungenen, gehaltvollen und vorbildlichen historischen Romans gibt es neben einem Glossar und historischen Landkarten auch die richtig stellende Anmerkung, dass der Befehl "The Germans to the front" nicht bedeutete, dass nur jene die Situation bereinigen konnten, sondern schlicht, dass eine Ablösung vorgenommen wurde.

Für timediver® ist "Gelber Wind" ein heißer Kandidat für den nächsten - vom "Autorenkreis Historischer Roman Quo Vadis" ausgelobten - Sir Walter Scott Preis. 5 Amazonsterne!
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zeitreise 9. August 2008
Von Dillinger
Format:Gebundene Ausgabe
Gerhard Seyfried ist nach seinem Erstling "Herero" wiederum das - leider im deutschen Literaturbetrieb im Gegensatz zum anglo-amerikanischen - so seltene Kunststück gelungen, detailiertes historisches Faktenwissen in eine packende und anschauliche Form zu gießen.

Dieses Buch ist meines Erachtens nach nicht bloß ein "Historienroman" a la Ken Follet sondern hat vielmehr einen soliden geschichtswissenschaftlichen Unterbau (siehe dazu etwa den umfassenden Anhang sowie die historischen Karten), der gleichsam als "Trägerfolie" für die handelnden Personen dient. Hier - wie einige Vorrezensionen vermeinen - vom Autor zu verlangen, einerseits akkurate, chronologisch präzise und faktentreue Detailschilderungen mit möglichst romanesken und schillernden Persönlichkeiten und "Beziehungsplots" zu verknüpfen, wäre ein Spagat, der wohl von keinem Autor verlangt werden kann.

Ich finde, dass gerade diese semi-dokumentarische, oft minutiöse, Schildung eine eigene Art von Spannung generiert, die sich sehr wohltuend von anderen, auschließlich oder überwiegend fiktiven Geschichtsromanen abhebt. Man hat dabei überwiegend den Eindruck als "Zeitreisender" mitten in das Geschehen geworfen zu sein.

Alles in allem: eine spannende, bunte und historisch korrekte Zeitreise in ein Stück stiefmütterlich vernachlässigter Zeitgeschichte.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike Geilen HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Diesen berühmt-berüchtigten Satz verkündete Kaiser Wilhelm II. zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in seiner Hunnenrede, mit der er die deutsche "Schutztruppe" - ein Begriff, der auch heute noch aktuell ist - nach China entsandte, um das von Aufständischen belagerte Diplomatenviertel Pekings "aufzuräumen". "Wie vor 1000 Jahren die Hunnen sich einen Namen gemacht haben, so möge der Name Deutscher auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bekannt werden, dass niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen." Die Soldaten nahmen Wilhelm wörtlich, und seit der "Hunnenrede" galt der Name als Synonym für deutsche Zerstörungswut.

Mitten in der Zeit der Opiumkriege, nach einer offiziellen Kriegserklärung Chinas gegen die Westmächte, bekämpfen die "Boxer" - Mitglieder des chinesischen Geheimbundes Yi-he quan ("Faust für Recht und Einigkeit") - unterstützt durch die Kaiserin-Witwe Tzu Hsi, die christliche Missionierung und gewaltsam übergestülpte Modernisierung und Industrialisierung mit ihrer einhergehenden Zerstörung von Traditionen durch die Kolonialherren: "Man hat dann angefangen, Eisenbahnen zu bauen; Webereien und Fabriken und Dampfschifffahrt eingeführt", so Gerhard Seyfried. "Es haben Abertausende von Chinesen die Arbeit dadurch verloren. Das sind alles Leute, aus denen sich die Boxerbewegung rekrutiert hat."

Gerhard Seyfried, der in den 70er und 80er Jahren als Cartoon-Zeichner berühmt wurde, hat daraus einen opulenten Roman gemacht, der den Leser die deutsch-chinesische Geschichte, vielleicht sogar das heutige China, besser verstehen lässt.
Der Autor beleuchtet in diesem akribisch recherchierten und detailliert beschriebenen Roman die historischen Ereignisse abwechselnd aus der Sicht von vier Deutschen, einer Frau und dreier Männer: Arletta Lind, die auf Grund einer Stellenanzeige als Privatlehrerin zur Kaufmannsfamilie Lenk ins Reich der Mitte kommt, Ferdinand Roeder, ein auf der Flucht vor einer unglücklichen Liebe und gerade von seiner Opiumsucht geheilter Auslandskorrespondent, Max von Reichenow, ein junger adliger, aber verarmter Marineoffizier und der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Janus Ballhaus.

Beschaulich und (noch) ruhig - am 3. Oktober 1899 - beginnt Seyfrieds Roman, doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse und finden, nach schon lange schwärenden Konflikten und der Ermordung des deutschen Diplomaten Freiherr Klemens von Ketteler, im Sommer 1900 zu ihrem unrühmlichen Höhepunkt.

Dem Autor gelingt mit seinem Roman ein Spagat zwischen historischem Dokument - der 55tägigen Belagerung des Botschaftsviertels in Peking - und einer fiktiven Geschichte.
"Gelber Wind", so nennen die Chinesen übrigens den mongolischen Sandsturm, der regelmäßig Peking in eine gelbe Staubwolke einhüllt, ist ein wortreicher und detailversessener, manchmal sentimentaler, dann wieder schockierender, von Zeit zu Zeit mit wunderbarem Lokalkolorit aufwartender, im Präsens erzählter Roman, der jedoch sprachlich so manches Mal haarscharf an der Grenze der Trivialität und Kolportage vorbeischrammt.

Ergänzt wird das Buch durch ein ausführliches Glossar und eine Liste weiterführender Literatur zum Boxeraufstand, zum alten China und zur deutschen Kolonialgeschichte.

Fazit:
Gerhard Seyfried ist ein solider und leicht zu lesender Historienroman gelungen, der an ein Stück deutsche (Kolonial-)Geschichte erinnert. Stilistisch spielt er jedoch keineswegs in der literarischen Oberliga.
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