Neue Zürcher Zeitung
Von gelben Handschuhen
rox. Shakespeares Narren tragen mit Vorliebe gelbe Strümpfe. Was sich dahinter alles an An- und Bedeutung verbirgt, hat man bislang selbst erarbeiten müssen. Nun hat der amerikanische Autor Alexander Theroux uns eine «Anleitung, die Farbe Gelb zu lesen» geschenkt; des einsamen Sinnierens ist ein Ende. Kinder und Narren: erstaunlicherweise gilt die erste Farbpräferenz der Kinder der Farbe Gelb, ab der Adoleszenz aber wird Gelb zur Farbe der Gefahr, der Feigheit und der Zukurzgekommenen; gelb sind die Warnflaggen, und gelb ist das vierte Kabel jeder Zehnergruppe in Flachbandkabeln, wie sie in der Elektronik Anwendung finden. W. C. Handy schrieb 1914 einen Song, dessen Titel mit dem Oxymoron «Yellow Blues» aufwartete, Amelia Earharts Lieblingswagen, ein Kissel mit Baujahr 1922, war zitronengelb lackiert und wurde «die gelbe Gefahr» genannt; grosse Erdbewegungsmaschinen sind meist gelb. Klein und fein und gelb: Aubrey Beardsley, der Illustrator, trug besonders gerne zitronengelbe Handschuhe: für den «Grossen Gatsby» ist Gelb das Symbol für Schnoddrigkeit und jovialen Verfall. Wer ins «Gelbe» will, ist ein Markierender: strahlende Helligkeit, die schnell changiert und «gelblich» wird; dekadent, ungesund, grämlich.
Kurzbeschreibung
Gelb hat tausend Bedeutungen, es ist die Farbe des chinesischen Kaisers und der Sonne, des Goldes, die Farbe von Weisheit, Macht und Ruhm, Kandinsky malte den "gelben Ton", und Gelb ist der erste Farbton, die das Kind wahrnimmt, das Gute und das Böse. Alexander Theroux erklärt die Bedeutung der Farben in der Literatur und in der Malerei, für die menschliche Stimme und für alle fünf Sinne.