Der Band enthält die Romane Gelächter im Dunkel" und Verzweiflung", von denen der erste auch in seiner früheren, aus dem Russischen übersetzten Fassung (Camera obscura) und zwar erstmals in deutscher Sprache verfügbar gemacht wird. Wäre es nicht Nabokov, ließen sich beide Romane schnell erzählen. Gelächter im Dunkel" und Camera obscura" handeln vom Lulu- oder Blauen-Engel-Thema. Ein nach 1930 in Wohlstand und langweilig-glücklicher Ehe mit Tochter und Schwager in Berlin lebender Herr in den sogenannten besten Jahren erliegt den Verlockungen einer 16jährigen aus dem Hinterhofmilieu der Großstadt. Sie scheint erst den Reichtum durch Verdrängung der Ehefrau und Heirat sich sichern zu wollen, entscheidet sich aber, als ihre erste Liebe in Gestalt eines verkrachten Genies überraschend in den Geschäftsbeziehungen ihres Liebhabers auftaucht, dazu, mit diesem gemeinsam den Ahnungslosen auszuplündern. Das Opfer glaubt vom Beruf geschult, die Dinge mit scharfem Auge zu sehen, zeigt sich in seiner sich steigernden Verstrickung aber als blind gegen alle ihn bedrohenden Gefahren. Dies ändert sich erst nahe dem Höhepunkt seiner Krise, als er durch die Augen Anderer seine Lage erkennt und mit seinem darauf folgenden Handeln nach einem Unfall sein Augenlicht verliert. Im Dunkel lernt er mit den Ohren sehen und gewinnt nach einer letzten Phase der Täuschung Klarheit über seine Lage. Befreit wird er dennoch nur durch die Aufmerksamkeit und Hilfe Fremder. Das Drama endet in Hochspannung, als der wieder klarsehende Blinde versucht, Rache zu nehmen. Die in kurzen Kapiteln auf zahlreichen Plätzen zunehmend Spannung gewinnende Handlung ist in einer einfachen und klaren Sprache wie das Drehbuch eines Films geschrieben. Leser, die bei Nabokov in erster Linie an Lolita" denken, werden einen interessanten, etwas anderen Nabokov kennenlernen. Er selbst hat diesen Roman später allerdings wenig geliebt und ihn in mindestens zwei Interviews als seinen schwächsten bezeichnet.
Das gilt auch für Verzweiflung", also den zweiten Roman in dem Bande, in dem ein Ich-Erzähler seinen aus einer nicht mehr florierenden Schokoladenfabrik erwirtschafteten Wohlstand durch ein perfektes Verbrechen aufbessern will. Nabokov verarbeitet dabei sehr wahrscheinlich einen damals tatsächlich verübten spektakulären Versuch von Versicherungsbetrug, bei dem ein ahnungsloses Opfer ermordet wurde, um die Ermordung des Täters vorzutäuschen, der sein Leben hoch versichert hatte. Der Erzähler in Verzweiflung" kommt auf diese Idee, als er zufällig auf einer Reise einen Wohnungslosen trifft, der ihm nach seiner eigenen Einschätzung zum Verwechseln ähnlich sieht. Er plant das Verbrechen als geniales Kunstwerk und will nach der Tat, mit der Identität des Opfers seine durch die kassierte Versicherungsleistung reiche Witwe" heiraten. Dem Leser kommen schon früh Zweifel, dass die Pläne des Genies Früchte tragen werden. Zu krass weichen seine Einschätzungen von dem Geschehen um ihn herum von dem ab, was man aus der geschilderten Handlung als tatsächlichem Sachverhalt vermuten muss. So beispielsweise glaubt er sich der Liebe seiner Frau vorbehaltlos sicher, obwohl er und der Leser sie mehrfach in mehr als nur zweideutigen Situationen mit einem Freund des Hauses antreffen, der eine brotlose Kunst ausübt und sich mit Zuwendungen über Wasser hält, zu denen die treu liebend gedachte Ehefrau den genial sich Glaubenden veranlasst. Auch findet der als Doppelgänger in den Planungen eine zentrale Rolle spielende Obdachlose keineswegs, dass er dem Erzähler ähnlich sehe. Der Roman bleibt dennoch spannend, wenn der Täter die Vorbereitung und Ausführung des Verbrechens schildert, weil der Leser zwar das Scheitern des Coups als Ergebnis klar vor Augen hat, aber mehr und mehr in das komplizierte Erleben des Protagonisten Einblick erhält, der längst im Gefängnis sitzend, seinen Bericht erstattet. Das Drama ist aus dessen Sicht, die Unfähigkeit seiner Verfolger in der Tat das Geniale zu erkennen und aus der Überbewertung von nebensächlichen Fakten seine Tat als gewöhnliches Verbrechen anzusehen. Zur Verzweiflung allerdings bringt auch ihn ein Sachverhalt, den er bei all seiner Genialität übersehen hatte und zur Identifizierung des Opfers gerade so führte, wie er ihm die angestrebte Identität raubte.
Wer spätere Romane Nabokovs mit Vergnügen gelesen hat, wird diesen als Bereicherung schätzen. Die unwahrscheinliche Möglichkeit, dass ein Nabokovleser zuerst diesen Band seiner hier gewissenhaft editierten Werke in die Hand nimmt, ist sicher nur eine verlockende Vision, die auf das spätere Werk des Autors zielstrebig vorbereiten könnte.