Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn Science-fiction den Abgrund der Zukunft beschreibt "Ungeheuer viele Gegenstände und Geräte haben heutzutage einen eingebauten Verstand -- und meistens ist er einfach abgeschaltet. Wir sind von ungenutzter Intelligenz umgeben -- und in diesem Fall ausnahmsweise nicht von unserer eigenen. Auf jede Kühltruhe, die einem erzählt, was frisch ist und was nicht, kommen fünfzig, denen man befohlen hat, gefälligst die Schnauze zu halten. Es ist so, als würde man den Leuten den Amerikanischen Traum verkaufen und ihnen dann erzählen, daß sie ihn sich nicht leisten können. Wir haben schlaue Dinge geschaffen, sie aber anschließend dazu verdonnert, dumm zu sein, weil uns klar wurde, daß wir keinen denkenden Toaster brauchen und auch keine Autos, die selbst dann den schnellsten Weg einschlagen wollen, wenn man sich Zeit lassen möchte."
Jack Randall war Soldat, bevor er Polizist in New Richmond wurde. Von dort mußte er schließlich untertauchen, nachdem seine Familie aufgrund seiner Ermittlungen auf bestialische Weise ermordet wurde. Nach fünf Jahren kehrt er zurück und begleicht ungewollt eine offene Rechnung.
Die Zukunft, die in Geklont die Lebensumgebung der Menschen darstellt, erinnert an heute schon absehbare Szenarien, bleibt dabei aber unaufdringlich und ohne Wertung im Hintergrund. Daß Klone als Ersatzteillager dienen, die Welt in die Gewinner und die Verlierer der Informationsgesellschaft gespaltet ist -- all das wird im Verlauf der Geschichte klar, aber nie explizit hervorgehoben.
Haushaltsgeräte besitzen ebenso wie Aufzüge und Türen künstliche Intelligenz und Sprache und beides ist meist deaktiviert. Ebenso wird die Schußwaffe Lasern vorgezogen -- diese erinnern äußerlich zu sehr an Spielzeug. Geklont macht eines unmißverständlich klar: Egal welche Erfindungen wir in die Welt setzen, um uns das Leben zu erleichtern, der Mensch selbst wird sich dadurch nie wirklich ändern.
Michael Marshall Smith beschreibt die Ereignisse aus der Perspektive von Jack Randall, der durch die Trümmer seines Lebens stolpert -- immer auf der Suche nach Antworten zu denen er nicht einmal die Fragen kennt. Randalls Gedanken, seine Gefühle und seine Sicht auf die Welt von morgen sind dabei von solcher Intensität, daß man sich seinen Selbstzweifeln und seiner hoffnungslosen Entschlossenheit kaum entziehen kann.
Geklont ist ganz ohne Zweifel ein SF-Meisterwerk, aus dem erstaunlich wenig zitiert wird. --Wolfgang Tress
Konr@d (5/98)
GEKLONT Ein guter Science-fiction-Thriller braucht eine spannende Vision. Autor Smith meint, in ein paar Jährchen werden wohlhabende Menschen sich bei der Geburt klonen lassen, um ein menschliches Ersatzteillager parat zu haben. Die Klone werden in einer Höhle untergebracht und dumm und unselbständig gehalten. Wenn ein Organ fehlt, wird es entnommen und der Doppelgänger verstümmelt zurückgeworfen. In diesen Zukunftsentwurf konstruiert Smith eine halbwegs spannende Detektiv-Geschichte, ersetzt aber das Wort Pistole zwanghaft durch "Schießeisen" und läßt Groschen nur "pfennigweise" fallen. Diese bemüht lässige Sprache nimmt dem Buch einiges. Eigentlich alles.
©Konr@ad