Das Grundgerüst der Geschichte, mit einem unschuldigen Mann, der in die Wildnis flüchtet und verfolgt wird, ist sicher weder neu noch sonderlich originell. Die Umsetzung macht aber hier den Unterschied aus. Das Drehbuch ist sehr gelungen, so daß sich trotz mancher Vorhersagbarkeiten ein Spannungsbogen bis zum doch recht überraschenden Finale entwickeln kann. Das Augenmerk liegt dabei weniger auf den Actionssequenzen, als auf der Dynamik zwischen den beiden Hauptcharakteren, brillant verkörpert von Temuera Morrison und Ray Winstone. Der Gegensatz zwischen dem gesprächigen Kereama und dem wortkargen Van Diemen zeigt sich dabei vor allem in den durchweg guten Dialogen, die durchaus tiefgründig, manchmal auch amüsant sind. Was diesen Film auch von anderen seiner Art abhebt, ist die Wahl des Schauplatzes und der Charaktere: es treffen hier ein vor den Briten aus seiner Heimat geflohener Bure und ein von den Briten als "Wilder" diskriminierter Maori aufeinander. Dabei werden die dunklen Seiten des britischen Kolonialismus deutlich gemacht: sowohl die britischen KZs in Südafrika, in denen die Familien der aufständischen Buren verhungerten, als auch die brutale Behandlung der neuseeländischen Ureinwohner kommen zur Sprache, was dem Film eine für dieses Genre doch eher ungewohnte Ernsthaftigkeit und Tiefe verleiht (wobei die Sympathie allerdings doch eher dem Maori Kereama, der unschuldig an dem ihm zur Last gelegten Verbrechen ist, gebührt, als Van Diemen, der in Südafrika die Finger gefangener Engländer abschnitt...). Die Handlung entfaltet sich dabei vor der grandiosen Kulisse Neuseelands - jedem "Herr der Ringe"-Fans bestens bekannt (manche Lichtungen und Schluchten kamen mir sogar fast vertraut vor), was das Ansehens des Films auch unabhängig von Story und Darstellern zu einem echten Vergnügen macht.
Einziger Minuspunkt (der DVD, nicht des Films): die englische Sprachfassung verfügt nicht über Untertitel, was aber gerade bei Winstones Genuschel ganz nützlich wäre. Auch hätte ich mich über eine Untertitelung der zahlreichen Maori-Passagen gefreut (zumal die Anzahl von Personen, die Maori sprechen, außerhalb Neuseelands doch recht überschaubar ist, wäre das auf jeden Fall sinnvoll gewesen). So kann man leider in den entsprechenden Szenen nur vage erraten, was Temuera Morrison als Kereama von sich gibt.
Trotzdem: volle fünf Sterne für den Film und auch die beiden Hauptdarsteller, die in ihren Rollen völlig überzeugen (wobei der Maori Morrison als Maori Kereama ein bißchen authentischer rüberkommt als der Engländer Winstone als Bure Van Diemen...)