"Geistiges Heilen" wird noch immer äußerst kontrovers diskutiert und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Zwischen euphorischer Zustimmung und radikaler Ablehnung scheint die richtige Mitte schwer zu finden. Auch in der Literatur und in den Medien spiegelt sich diese gespaltene Situation. Auf der einen Seite wundersame Erfolgsberichte, kritiklos und unhinterfragt ausgebreitet, die zu "Heiler-Booms" und den oft daraus folgenden Enttäuschungen führen, auf der anderen Seite wissenschaftlich verbrämte Pauschalaburteilungen, ebenfalls unhinterfragt und von Sachunkundigen verfasst, die kranke Menschen oft um diese wichtige und im offiziellen deutschen Gesundheitswesen nahezu ausgeschlossene Möglichkeit der Heilung bringen.
Dr. Wiesendangers neues Buch fasst seine einzigartigen Feldforschungen und reichen Erfahrungen aus etwa 2 Jahrzehnten auf diesem Gebiet zusammen. Damit liegt eine gründliche, ehrliche und beide Seiten berücksichtigende Information vor, die es jedem erlaubt, sich selbst ein Urteil über das Geistige Heilen zu bilden, und nicht nur darüber. Denn der Untertitel des Buches, "Vom Wunderheilen zur ganzheitlichen Medizin", weist schon auf den weit gesteckten Rahmen hin. Und eine ganzheitliche Medizin ist nicht zu denken ohne ein ganzheitliches Weltbild, das auch in der Politik, der Gesellschaft, der Ökologie usw. dringender denn je benötigt wird. So geben viele der spannend geschriebenen Einzelbeiträge und Fallberichte Anregungen zum Nachdenken über das eigene Leben und das eigene Weltbild, nicht nur für Kranke, sondern auch für die, die es nicht werden wollen.
Über 20 namhafte Mitautoren aus den beteiligtenWissenschaftsbereichen unterstützen mit ihren Ergebnissen Wiesendangers Plädoyer für eine bessere und offenere Integration der Geistigen Heilweisen in das Gesundheitswesen.
Dem stehen politische und Zunft-Interessen entgegen, wobei es natürlich auch um finanzielle Verlustängste geht, um zurückgehende Patientenzahlen oder Pharmakonumsätze, andererseits aber ebenso um den Patientenschutz, den Schutz vor allzu eifrigen, auch zu geschäftseifrigen "Heilern", die mit vollmundigen Versprechungen aber ohne Fachkenntnissen ihren Klienten mehr schaden als nutzen, wenn sie z. B. notwendige medizinische Behandlungen verschleppen.
Mit seinen - teilweise drastisch dargestellten - Recherchen hinter den Kulissen zeigt Wiesendanger, dass unter den etablierten Gesundheitszünften nicht nur die Gesundheit des Patienten im Mittelpunkt des Interesses steht. Doch kritisiert er auch die "Geistheilerzunft". Sie entpuppt sich, wie nicht anders zu erwarten, als durchaus nicht homogene, nur dem hehren Ziel der Heilung dienende Gruppe. Das Spektrum reicht von bescheidenen, begabten Heilerpersönlichkeiten, die ihre Dienste nur zur Verfügung stellen, wenn sie darum gebeten sind, bis zu "Heilungsmissionaren", die im Allmachtswahn oder mit selbsterteilten "göttlichen Aufträgen" jedermann ungefragt ihre "Behandlung" überstülpen wollen.
Das Buch berichtet auch von den vergeblichen Versuchen des Autors, diese heterogene Gemeinde dauerhaft in einem Dachverband zu vereinen, um gewisse Qualitätsstandards zu etablieren und damit die Szene für Patienten durchschaubarer und sicherer zu machen.
Insgesamt kristallisiert sich ein eindeutig positives Plädoyer für die Einbeziehung des Geistigen Heilens in ein ganzheitliches und angeblich demokratisches Gesundheitswesen heraus, mit allen Vorbehalten und Vorsichtsmaßnahmen, die einem Verfahren gegenüber angebracht sind, das zwar erwiesenermaßen erstaunliche Wirkungen aufweisen kann, dessen Wirkungsbedingungen bisher aber nicht eindeutig fassbar sind. Die Entscheidung, sich auf diese Weise behandeln zu lassen oder nicht, sollte jedem freiem Menschen selbst überlassen sein, ohne Bevormundung durch Vertreter anderer Interessen. Für die Freiheit dieser Entscheidung liefert Wiesendangers Buch eine hervorragende Grundlage.