- Taschenbuch: 171 Seiten
- Verlag: Lang, Peter Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (April 2005)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3631528019
- ISBN-13: 978-3631528013
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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5.0 von 5 Sternen
Im Fokus: Hochschullehre in Osteuropa,
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Rezension bezieht sich auf: Geistes- und sozialwissenschaftliche Hochschullehre in Osteuropa I: Eindrücke, Erfahrungen und Analysen deutscher Gastlektoren (Taschenbuch)
Mehr als 15 Jahre nach den gesellschaftlichen Umbrüchen in den Staaten Ost- und Mitteleuropas ist zu konstatieren, dass es einen nur spärlichen Literaturbestand in deutscher Sprache zur Spezifik der geistes- und sozialwissenschaftlichen Hochschullehre in diesen Ländern gibt, der in einem eklatanten Gegensatz zum Engagement zahlreicher deutscher HochschullehrerInnen in der Region steht. Um diese 'Lücke' in der wissenschaftlich-methodischen Literatur zu schließen, war es daher naheliegend, auf die Erfahrungen derjenigen zurückzugreifen, die sich unter den genannten erschwerenden Ausgangsbedingungen bereits in das 'Abenteuer Hochschullehre in Osteuropa' begeben haben. Das Ergebnis liegt jetzt in einer ersten Publikation vor, in der deutsche GastlektorInnen ihre Eindrücke und Erfahrungen während ihrer Tätigkeit an osteuropäischen Hochschulen schildern und analysieren.Der Band umfasst 13 Einzelbeiträge, die durch ein Vorwort und eine Einleitung sowie zwei kurze Schlussbetrachtungen in das Gesamtkonzept eingebunden werden. Dabei vermittelt das Vorwort (insb. die 'einführenden Anmerkungen' S. 7 f.) ein wenig den Eindruck als sei es eine vorauseilende Reaktion auf mögliche Kritikpunkte in den nachfolgenden Beiträgen, die hier verzichtbar gewesen wäre. Das Gliederungsprinzip ist einfach und erleichtert dem Leser je nach Interessenfokus eine gezielte Auswahl unter den Einzelbeiträgen. Das Kapitel II bietet als Einstieg in die Thematik des Bandes jeweils einen Beitrag von einem Gastlektor der vertretenen wichtigsten bundesdeutschen Programme in Osteuropa ' einer Sprachlektorin des DAAD, eines Fachlektors des Boschlektorenprogramms für Geschichte und zweier an einer politikwissenschaftlichen Universitätspartnerschaft Beteiligten, die vom DAAD im Rahmen des Alexander-Herzen-Programms unterstützt wird. Im Kapitel III werden die Besonderheiten des Universitätsbetriebs in der Russischen Föderation aus der Sicht von drei Gastlektorinnen dargestellt. Kapitel IV wiederum beschäftigt sich mit den 'Pathologien' des postsowjetischen Universitätswesens. Im Kapitel V schließlich werden aus Sicht der GastlektorInnen Lösungsvorschläge für eine Reihe von Problemen in der Hochschullehre unterbreitet und lehrmethodische Hinweise eingebracht. Die überwiegende Mehrheit der Beiträge bezieht sich auf den postsowjetischen Hochschulraum (d.h. Russland und die GUS), dessen Merkmale und Entwicklung nicht immer und in jedem Fall auf das 'Osteuropa' zu übertragen sind, das in dem Band (zu Recht) als Sammelbegriff verwendet wird und Mitteleuropa, Südosteuropa (die Balkanstaaten) oder auch Nordosteuropa (das Baltikum) umfasst. Die einzelnen Beiträge basieren auf Texten, die ganz unterschiedlichen Funktionalstilen zuzuordnen sind: es gibt Erfahrungsberichte, systematische Analysen, eine journalistische Reportage und Texte, die methodische Anleitungen beinhalten. Die Beurteilung der Qualität der einzelnen Texte sollte primär dem Leser überlassen bleiben, denn das Urteil hängt maßgeblich davon ab, was er sucht bzw. erwartet. Ist er mehr an einer methodischen Anleitung interessiert, wird ihn die journalistische Reportage kaum überzeugen oder umgekehrt. Alle Beiträge sind aber vor allem deshalb lesenswert, da der Herausgeber die AutorInnen ausdrücklich aufgefordert hatte, 'nicht nur ihre Beobachtungen und Forschungsergebnisse, sondern auch persönliche Eindrücke, Atmosphärisches und eventuelle Problemlösungsstrategien vorzustellen' (S.18). Dies unterstreicht den subjektiven Charakter der Berichte und verhindert so bei aufmerksamer Lektüre eine vorschnelle Verallgemeinerung von geschilderten Erfahrungen und Eindrücken aus dem alltäglichen Leben an den Hochschulen. In den 'Befunden' der Einzelbeiträge tauchen immer wieder - wie ein roter Faden - die als 'Pathologien' bzw. 'Defekte der postsowjetischen Hochschulen' bezeichneten Zustände an den Hochschulen und in der Lehre auf, die die eigentliche Herausforderung für die GastdozentInnen darstellen. Er bzw. sie trifft auf ein soziales Mikrosystem, das sich mehr oder minder stark von vergleichbaren westlichen Strukturen und Prozeduren unterscheidet und zudem gibt es noch eine Reihe von Praktiken und Strukturen im postsowjetischen Hochschulbetrieb, die aus westlicher Sicht nicht nur ungewöhnlich erscheinen, sondern unter lehrmethodischen Gesichtspunkten als (äußerst) problematisch anzusehen sind (S.16). Erwähnt seien hier nur die stark verschulte akademische Ausbildung, die 'enge Struktur' des Studiums (in festen Studiengruppen, mit strengen Anwesenheits- und Leistungskontrollen etc.), die Dominanz des inhaltlichen Lernens, die kaum ausgebildete Kritikfähigkeit bei den Studierenden, die oft kein Vertrauen in das eigene Denken und ihre Urteilskraft haben u.a.m. Gleichwohl bleiben die AutorInnen aber nicht bei einer bloßen Auflistung dieser 'Defekte' stehen und fragen nach deren Ursachen. Trotz aller Kritik an den Zuständen und Methoden relativiert sich so in dem einen oder anderen Fall die Bezeichnung 'Pathologie' und es eröffnen sich (ungeahnte) Möglichkeiten, damit sinnvoll in der Lehre umzugehen. So ermöglichen die relativ kleinen Studiengruppen ein exzellentes Betreuungsverhältnis von Lehrenden und Studierenden, 'von dem man in Deutschland nur träumen kann' (S. 25). Die verschulte akademische Ausbildung findet eine Erklärung in der deutlich kürzeren (und teilweise andersartigen) Schulausbildung der Studierenden, die nach der Schule noch gar nicht hinreichend auf das 'universitäre Lernen' vorbereitet sind. Es ist also eine Tätigkeit 'zwischen Anpassung und Einmischung' (S.162), die die GastlektorInnen erwartet. Und noch etwas mehr: Die GastdozentInnen haben die einzigartige Chance, die Wahrnehmungen, das Verständnis und die Meinungen der jeweils 'anderen Seite' zu bestimmten Fragen und Themen unmittelbar zu erfahren und zu verstehen (S.39, 46) und so stellen sich Lernerfolge auf beiden Seiten ein. Einer der Autoren bringt es in einem einfachen Satz auf den Punkt, wenn er sagt 'Ich habe somit in Georgien sehr viel über die Lehre gelernt' (S.140). Die Tatsache, dass die Lehrtätigkeit nicht nur eine große Herausforderung, sondern auch eine Bereicherung für die GastdozentInnen darstellt, wird in einigen Beiträgen hervorgehoben, aber noch zu wenig thematisiert. Es wäre durchaus wünschenswert, in geplanten weiteren Veröffentlichungen den Fokus einmal ganz speziell auf die Frage nach dem 'Ertrag' für die GastdozentInnen selbst zu richten, denn es ist zu erwarten, dass in dieser Hinsicht 'die Analyse 'fremder' bzw. 'exotischer' Problemlagen ... Erträge für die Bearbeitung und Perspektivierung der eigenen Probleme bereitzustellen vermag.' Noch einige Bemerkungen zu den AutorInnen der Beiträge. Alle Beteiligten haben ein Hochschulstudium in Deutschland absolviert, meist sogar an mehreren deutschen Hochschulen, so dass sie dort ihre maßgebliche Prägung durch eine (westeuropäische) Hochschulkultur erhalten haben. Hinzu kommen - wie hierzulande üblich und fast selbstverständlich (im Gegensatz zu Osteuropa) ' Studienaufenthalte an anderen westeuropäischen Hochschulen (oder den USA), so dass davon ausgegangen werden kann, dass die AutorInnen über Erfahrungen mit mehreren nationalen Hochschulsystemen verfügen. Und man muss hinzufügen, dass für viele von ihnen das postsowjetische Hochschulsystem oder aber Osteuropa keine 'terra incognita' war, als sie ihre Tätigkeit dort aufnahmen: Sie waren bereits einmal (oder mehrmals) vor Ort ' etwa als Praktikantin an einem Kyiver Gymnasium, in der Fortbildung für polnische Deutschlehrer am Goethe-Institut in Krakau, zu Studien- und Forschungsaufenthalten an russischen Universitäten, als OSZE-Langzeitwahlbeobachter in Georgien .... Dieser Umstand hat sicherlich sowohl die persönliche Entscheidung für ein 'Go East' befördert als auch dazu beigetragen, sich der im Vergleich zu Westeuropa neuen, andersartigen Situation an einer osteuropäischen Hochschulen mit Erfolg zu stellen. Die Zielgruppe, an die sich der vorliegende Band wendet, sind die zukünftigen GastlektorInnen an osteuropäischen Hochschulen, die durch die Berichte 'ein Stück weit auf die Probleme, die sie vor Ort erwarten' (S.18), eingestimmt werden sollen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Band auch allen sehr zu empfehlen sei, die als Lehrkräfte an deutschen Hochschulen mit Studierenden aus Osteuropa zu tun haben. Es ist immer noch so, ' wie die Rezensentin aus eigener Erfahrung zu berichten weiß ' dass die 'Gastgeber' oftmals kaum auf ihre 'Gäste' aus Osteuropa vorbereitet sind, d.h. sie wissen nur sehr wenig über die Hochschulkultur der osteuropäischen Länder, die sich trotz erster Annäherungen im Bologna-Prozess deutlich von der hiesigen unterscheidet und die Studierenden aus diesen Ländern über lange Zeit geprägt hat. Die Lektüre des Bandes (insb. Kapitel III: Im Osten nichts Neues? Studienalltag in Russland) könnte deutschen HochschullehrerInnen helfen, sich ein Bild davon zu machen, aus welchem 'Studienmilieu' die Studierenden nach Deutschland kommen und inwiefern sie dadurch an einer deutschen Hochschule mit Problemen konfrontiert werden, die sich deutlich auf den Erfolg des (Teil)Studiums auswirken können. In diesem Sinne sollte die Reihe, die aus dem Projekt des Lektorenprogramms der Robert Bosch Stiftung in Mittel- und Osteuropa hervorgegangen ist, unbedingt fortgesetzt werden, denn 'eine adäquate und professionelle interkulturelle Vorbereitung tut ... not' (S.92). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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