Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Geistertöchter. Die Geschichten des Amadou Koumba.
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Geistertöchter. Die Geschichten des Amadou Koumba. [Taschenbuch]

Birago Diop , Janheinz Jahn , Christel Dobenecker , Horst Schulz


Erhältlich bei diesen Anbietern.



Produktinformation


Mehr über den Autor

Birago Diop
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Birago Diop auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die orale Tradition in der afrikanischen Literatur

Neuausgaben von Birago Diop und Okot p'Bitek

Von Heinz Hug

Der afrikanischen Literatur wohnt ein eigenartiges Paradox inne. Einerseits ist sie sehr jung: entstanden gegen das Ende der Kolonialherrschaft, unter dem starken Einfluss europäischer Literaturen. Andrerseits verfügt sie über eine reichhaltige, alte Tradition: die orale Literatur, die im vorkolonialen Afrika für das alltägliche Leben eine bedeutsame Rolle spielte und es unter der Kolonialisierung weiterhin tat.

Die wenigsten Schriftsteller und Schriftstellerinnen aus Afrika bleiben vom Spannungsverhältnis zwischen europäischer Prägung und oralem Erbe unberührt. Für die Prosa zeigen sich idealtypisch drei mögliche Reaktionsweisen: die Einbettung oraler Texte (vor allem Erzählungen) in eine fiktive Romanhandlung; die Transposition oraler Werke (Legenden, Erzählungen, Epen) in eigenständige schriftlich fixierte Literaturwerke; die Verwendung oraler Literatur als Subtext für ein an der Moderne orientiertes Werk. Für Amadou Kourouma, der mit «Les soleils des indépendances» den Prototyp dieser dritten Möglichkeit geschaffen hat, heisst dies: «In Malinké denken, auf französisch schreiben.» Das Beispiel Kourouma zeigt, dass die Opposition traditionell-orale contra modern-geschriebene Literatur in der Regel von einer zweiten überlagert wird: afrikanische contra europäische Sprachen.

RÜCKBESINNUNG

Tendenziell kann man feststellen, dass die Pioniere der modernen afrikanischen Literatur eher darum bemüht waren, die Erzählformen des europäischen 19. Jahrhunderts bzw. der klassischen Moderne zur Grundlage ihrer Werke zu machen. Im Laufe der Zeit hat sich die Sensibilität afrikanischer Autoren und Autorinnen für ihr orales Erbe verstärkt. Heute spielt der Rückgriff auf die traditionellen Formen in vielen Werken eine stilbildende Rolle.

Zwei Autoren, die schon früh Formen gesucht haben, die orale Literaturtradition in originärer Weise für ihre Werke nutzbar zu machen, sind der Senegalese Birago Diop (1906–1989) und der Ugander Okot p'Bitek (1931–1982). Ihre Hauptwerke – längst zu Klassikern der afrikanischen Literatur geworden – sind vor kurzem in zuverlässigen Editionen und Übertragungen auf deutsch erschienen bzw. in überarbeiteter Form wiederaufgelegt worden.

«Geistertöchter» heisst die Sammlung, welche die Geschichten aus Diops «Les contes d'Amadou Coumba» (1947) und «Les nouveaux contes d'Amadou Coumba» (1958) versammelt. «Lawinos Lied» (1966), Okot p'Biteks berühmte Klage einer Acholi-Frau, war schon seit 1972 auf deutsch zugänglich. Die Neuausgabe bringt es in einer weniger kraftvollen und eleganten, doch genauer das Original wiedergebenden Neuübersetzung von Raimund Pousset sowie erstmals das von Okot als Antwort darauf verstandene «Ocols Lied» (1967).

Diop, eine Generation älter und (als Beamter) viel stärker in den kolonialen Zusammenhang eingebunden, entstammt dem stark islamisch und französisch beeinflussten urbanen Umfeld von Dakar und Saint-Louis, der damaligen Hauptstadt Französisch-Westafrikas. Im französischen Gymnasium, beim Veterinärstudium in Toulouse, in seinen Pariser Jahren (1942–44) sowie bei seinen ausgiebigen privaten Lektüren lernte er die französische Kultur und Literatur gründlich kennen. Als Tierarzt reiste er von 1932 bis 1942 durch Senegal und Mali, während dieser Zeit entstanden viele seiner Erzählungen. Dabei beeinflussten ihn aber weniger die in den Dörfern gemachten Erfahrungen; die Inspiration zu seinem Schreiben schöpfte er aus seinen (Hör-)Erlebnissen als Kind.

LEBENSWEGE

Okot wurde in Gulu im nordugandischen Acholi-Land geboren. Er besuchte zwar auch die Kolonialschule, sie beeinflusste ihn aber weit weniger. Anders als Diop nahm er zeitlebens keinen bildungsbürgerlichen Habitus an. Als wichtigsten Einfluss nennt er seine Mutter, eine bekannte Tänzerin und Liedermacherin, sowie die zahlreichen kulturellen Veranstaltungen seiner Kindheit und Jugendzeit. Schon im Gymnasium begann er sich künstlerisch zu betätigen, er komponierte ein Singspiel, in dem der Kern des 1953 in Acholi erschienenen Romans «Lak Tar» (engl. «White Teeth», 1989) enthalten war. Als Mitglied der ugandischen Fussball-Nationalmannschaft kam er nach England, wo er blieb, um der Reihe nach Pädagogik, Jurisprudenz und Sozialanthropologie (er dissertierte über «Die Oralliteratur und ihre sozialen Hintergründe bei den Acholis und Lango») zu studieren. 1964 kehrte er nach Uganda zurück und wirkte als Lehrer und Organisator volkstümlicher Kulturfestivals. Vier Jahre später musste er wegen seiner Kritik an der neuen politischen Elite ins Exil. In Kenya schrieb er zwei weitere «Songs»: «Lied der Prostituierten» und «Lied des Gefangenen» (beide 1971). Von Okot stammen auch kulturpolitische Essays, in denen er die Afrika-Bilder der euro-amerikanischen Anthropologen, aber auch die in seinen Augen zu sehr an Europa orientierten Literaturauffassungen seiner afrikanischen Kollegen fundamental kritisierte.

Die kulturelle Grundlage für Diops Erzählungen bildet der westafrikanische Griot, ein Sänger, Erzähler, Lehrer und Vermittler von geschichtlichem und traditionellem Wissen, dessen Funktion sich innerhalb der Familie von Generation zu Generation überträgt. Bei dem in den Buchtiteln genannten Amadou Koumba handelt es sich um eine reale Person, den Griot der Familie des Autors. Die Titel legen nahe, dass Diop die von Amadou Koumba erzählten Geschichten bloss übersetzt und wiedererzählt. In Wirklichkeit kann Amadou Koumba als Chiffre für all jene Quellen gelesen werden, aus denen Diop die Stoffe für seine Erzählungen schöpft. Bei deren Präsentation verzichtet er auf die Illusion des geschichtenerzählenden Settings: Es gibt kein Publikum, keine Eingangs- und Schlussformeln, keine direkte Anrede, kein Wechselgespräch. Diops Geschichten emanzipieren sich weitgehend von ihrem ursprünglichen Zusammenhang. Sie werden zu eigenständigen Erzählungen, die durch die Diversität ihrer Erzählweise, die Komplexität ihrer Erzählstrukturen und die Vielfalt und Eleganz ihrer Sprache beeindrucken.

In der Acholi-Kultur spielen Lieder, insbesondere satirische, eine äusserst wichtige Rolle. Sie dienen der Bewältigung unzähliger Alltagssituationen. Okot nimmt das Material dieser volkstümlichen Lieder ohne grosse Veränderungen auf, er bewahrt die einfache und kraftvolle Sprache, den Bilderreichtum, die Wiederholungen, das breite Spektrum an Stillagen, den Reichtum an Sprichwörtern usw. Doch er schafft eine neue Form: ein Langgedicht, in dem er weniger erzählend als expressiv reflektierend die aktuellen Diskussionen, hauptsächlich diejenige über den Gegensatz von traditionellen und europäischen Lebensformen, aufnimmt und kommentiert.

AFRIKANISCHES UNIVERSUM

Beide Autoren schaffen bzw. reagieren auf sehr unterschiedliche Welten. Diop entführt uns in eine Sphäre, die er zeitlich und räumlich festlegt. Ein Teil seiner Geschichten handelt in einer mythischen Zeit, ein anderer in der vorkolonialen, wobei es um Ereignisse aus der westafrikanischen Geschichte, mehr noch um den damaligen Alltag geht, ein dritter in der Gegenwart des Autors, dabei ist nur wenig Kritik am französischen Kolonialismus zu spüren. Handlungsort seiner Geschichten sind das Dorf und sein Umfeld, zuweilen begeben sich ihre Protagonisten auch auf längere Reisen.

Diop schreibt keine Märchen, er zeichnet ein der westafrikanischen Weltsicht adäquates Bild. Léopold Senghor schreibt in seinem Vorwort zu «Les nouveaux contes d'Amadou Coumba», das in der vorliegenden Ausgabe leider fehlt: «Für den Negro-Afrikaner sind die Lebenden, die Existierenden im Zentrum der Welt – von daher rührt die einmalige Stellung der menschlichen Person. Sie sind aber nicht die einzigen Wesen. Das ganze sichtbare und unsichtbare Universum von Gott über die Geister, die Ahnen, die Tiere, die Pflanzen, das Mineralische bis zum Sandkorn sind miteinander verbunden wie ‹kommunizierende Röhren›.» Die sichtbare Seite ist der diskursiven Rationalität zugänglich, die unsichtbare nur der intuitiven. Die Grenzen allerdings sind fliessend; in Diops Erzählungen findet sich immer wieder dieses Gleiten vom Tier zum Menschen, von der Komik zur Tragödie, vom Leben in den Tod. Der Blick auf diese Welt ist ein anthropozentrischer: die Tiere, sogar abstrakte Dinge wie die Wahrheit und die Lüge, sprechen und handeln wie Menschen. Diop macht auch deutlich, dass diese Weltsicht sowohl die Islamisierung als auch die Kolonialzeit überlebt hat.

Kurzbeschreibung

Mit viel gerühmter Kunstfertigkeit erzählt Birago Diop die Geschichten des großen Griots Amadou Koumba neu. Er eröffnet den LeserInnen eine märchenhafte Welt, in der alles beseelt ist, von den Tieren bis zu den Himmelskörpern, vom Kieselstein bis zum Ei.

Tags

 (Was ist das?)
Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte.
 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Noch keine Kundenrezensionen vorhanden.
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar