Na, das war jetzt aber echt mal überfällig. Bei den Zeitlupen-Königen OMEGA MASSIF handelt es sich um eine Formation aus Würzburg, die in ihrer knapp fünfjährigen Bandkarriere leider erst zwei Veröffentlichungen auf dem Buckel hat. Daber erschienen die beiden Releases "Kalt" und "Geisterstadt" jeweils in streng limitierten Auflagen (CD bzw. Vinyl) und sind heutzutage daher nur sehr schwer erhältlich. Und trotz dieser latenten Veröffentlichungsmüdigkeit haben sich OMEGA MASSIF mittlerweile einen sehr guten Namen im Rock/Metal-Underground erspielt, wobei das fränkische Quartett u.a. als Support-Act von COUNT RAVEN , KNUT , A STORM OF LIGHT oder den US-Schwarzmetallern von WOLVES IN THE THRONEROOM überzeugen konnte.
Wer die beiden bisherigen OMEGA MASSIF-Scheiben jedoch noch nicht kennt, dem kann jetzt geholfen werden. Denn seit einigen Tagen wurden "Geisterstadt" und "Kalt" als stilvolles Doppel-Album (im Digi-Pack) wiederveröffentlicht, und stellt dabei alle Zeichen eindeutig auf Sturm.
Mit ihrer rein instrumentalen, übermächtigen Melange aus Postrock, Sludge, Drone und puren Doom Metal sind OMEGA MASSIF nämlich ein unbedingter Pflichtkauf für all diejenigen, deren musikalische Glückseligkeit sich vor allem um Bands wie NEUROSIS , EYEHATEGOD , CULT OF LUNA , EARTH oder die deutschen Doomcore-Götter TOTENMOND dreht. Der ursprünglich 2007 veröffentlichte 6-Tracker "Geisterstadt" hat im Laufe der Jahre keinen Deut seiner bedrohlichen Atmosphäre eingebüßt, und war in Punkto Intensität schon damals absolut auf Augenhöhe mit den oben genannten Bands. Fast alle Songs dieses 45-Minüters haben Überlänge - lediglich der noisige Titeltrack unterschreitet hierbei die magische 3-Minuten-Marke. Schon der grandiose Opener "In der Mine" transportiert die Wucht eines mächtigen Vorschlaghammers, und trifft zielgenau ins Schmerzzentrum des Hörers. Die übermächtigen Slo-Mo-Riffs schmettern dermaßen brachial aus den Boxen, dass es keinen Ausweg gibt. Zäh wie ein Lavastrom fließt dieses Song-Ungetüm dahin, um dann im Mittelpart kurzzeitig das Tempo minimal zu erhöhen. Und ehe man sich schreckhaft hinter der Stereo-Anlage versteckt hat, dringt im nächsten Moment eine meisterhafte Wohlfühl-Melodie an dein Ohr, um dich trügerisch in Sicherheit zu wiegen. Passend zum Bandnamen ist die Produktion so richtig schön "massiv" ausgefallen - allein der Bass-Sound hat dermaßen viel Punch, dass man nur hoffnungslos den Kopf einziehen kann. Gleiches gilt auch für die nervenzehrenden, mit feinen "Laut/leise"-Dynamics aufwartenden Long-Tracks "Exodus" , "Arcanum" oder das Zeitlupen-Monster "Unter Null", welches im Mittelteil durch sirenenartige Gitarrenleads mit höchstem Ohrwurm-Faktor glänzt. Der Höhepunkt von "Geisterstadt" ist jedoch das fies-depressive "Nebelwand", dessen Akkordeon-Melodie (!) sich eindeutig an die deutschen Death-Jazzer BOHREN & DER CLUB OF GORE anlehnt. Auch hier funktioniert das Wechselspiel zwischen seichten Passagen und alles niederwalzendem Phon-Krieg hervorragend, wobei das Finale einen gewissen psychedelischen Touch versprüht. So weit, so geil !!!
Als Dreingabe beinhaltet dieses Album dann noch das 2005er Demo "Kalt", das sich in musikalischer Hinsicht nicht hinter "Geisterstadt" verstecken muss. Natürlich ist der Sound auf diesem 4-Tracker ungleich dreckiger ausgefallen, was bei einer Demo-Aufnahme aber ja nichts ungewöhnliches ist. Und auch auf "Kalt" regiert für knapp 45 Minuten dreckiger Post/Doom/Sludgecore der Spitzenklasse, der relaxt und aufputschend zugleich wirkt. Als Highlights müssen hierbei das atmosphärische "Eiswüste" sowie der schrammelige 15-Minüter "Murgang" erwähnt werden, die zeitweise sogar einen kleinen Stoner-Einschlag (KYUSS lassen grüßen!) aufweisen können.
Fazit: Der Würzburg-Vierer OMEGA MASSIF ist ein brandheißes Eisen im Postrock-Genre, und muss (!) von allen Fans der einschlägig bekannten Genre-Könige unbedingt angecheckt werden. Und dann gibts im Jahre 2010 hoffentlich auch das lang ersehnte neue Full-lenght-Album.