Mit "Geisterpfade" erscheint nun endlich der zweite Teil der Moorehawke-Trilogie. Auch in diesem Roman erlebt der Leser alle Ereignisse aus Sicht der jungen Wynter mit an, die alleine versucht, die Wahrheit über die politischen Intrigen im Königreich zu erfahren. Wieder stehen an ihrer Seite Prinz Razi und sein treuer Freund Christopher. Besonders Christopher ist es dieses Mal, der die Handlung vorantreibt. Für ihn wühlt die Begegnung mit Sklavenjägern alte Erinnerungen auf und er ist es auch, der vermittelnd zwischen seinen Reisegefährten und den Merronern steht, da er ihre Gebräuche und Sprache kennt. Zeitgleich entwickelt sich zwischen ihm und Wynter eine scheue Liebesbeziehung, die jedoch von Christophers schrecklichen Erlebnissen in der Vergangenheit bedroht wird.
Celine Kiernan bleibt auch in dieser Geschichte ihrem Erzählstil treu. Für sie steht nicht die Geschichte, sondern ihre Figuren im Vordergrund, weswegen die Handlung sich lediglich langsam entwickelt, damit Zeit für Emotionen, soziale Interaktionen und die Entwicklung der Charaktere bleibt. Dabei versteht sie es, mit passenden Worten traurige, gefährliche und zärtliche Momente ins Leben zu rufen und dem Leser vor Augen zu führen. Für eine Trilogie ist "Geisterpfade" ein typischer Zwischenroman, da er das Bindeglied zwischen den ersten Entwicklungen und dem finalen Abschluss darstellt. Es ist ein Reiseroman, der die Charaktere nicht nur physisch sondern auch psychisch auf neue Wege bringt.
Ein stiller, besinnlicher und sehr einprägsamer Fantasyroman, der durch seine leisen Töne Leser für sich zu gewinnen weiß.