Denn ein bisschen bin ich noch gefangen von diesem absolut furiosen Ende, das mich nachdenklich bis unbefriedigt zurückgelassen hat. Aber so habe ich wenigstens noch ein paar Tage was zum Nachdenken ...
Drei junge Leute, ein Ehepaar und eine befreundete Frau, setzen mit einem Boot über zu einem einsam am Fjord gelegenen, schon vor Jahrzehnten verlassenen Dorf, um dort ein Ferienhaus zu renovieren. Zeitgleich gibt es in Ísafjörður einen Einbruch in einen Kindergarten, der, da es "nur" Verwüstungen gegeben hat, zunächst als Routinefall zu den Akten gelegt werden soll, bis der Arzt Freyr, der zu dem Fall hinzugezogen war, von einem Patienten auf Parallelen zu einem viel älteren Fall aufmerksam gemacht wird.
Das sind die zwei Handlungsstränge in diesem geisterhaften, absolut gruseligen Thriller, jeweils abwechselnd aus der Sicht von Katrín, einer der Frauen in dem verlassenen Dorf, und Freyr, der auch noch schwer damit zu kämpfen hat, dass sein Sohn vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Es gibt keine unnötigen Nebenschauplätze in diesem schnörkellos, stringent und straff erzählten Roman.
Und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - läuft einem beim Lesen der kalte Grusel den Rücken hinunter, so viele unerklärliche Phänomene, merkwürdige Ereignisse und dazu noch die Parallelen zwischen zwei viele Jahre auseinander liegenden Vorkommnissen. Ich habe mich ein oder zweimal dabei ertappt, dass ich den Atem angehalten habe, so spannend war es zeitweise.
Die beiden Handlungsstränge scheinen zunächst so gar nichts miteinander zu tun zu haben, jedenfalls dauert es ein bisschen, bis sich da was herauskristallisiert, und von irgendeinem Zeitpunkt an hatte ich eine gewisse Ahnung, worum es geht. Denn Mitdenken ist bei diesem düsteren Thriller durchaus erlaubt, Miträtseln allerdings weniger, denn die Auflösung (einschließlich eines entscheidenden Hinweises) kommt tatsächlich erst ganz zum Schluss.
Wer düstere (Island-)Thriller mag, die eine intelligente Handlung mit schauriger Kulisse verbinden, in denen nicht viel Blut spritzen muss, um das Spannungsniveau derart hoch halten zu können wie hier, der wird an diesem Buch bestimmt seine Freude haben. Vielleicht braucht es ein ganz kleines Faible für Mystery, aber nur vielleicht ... Wer weiß?