Sogar Steve Jobs glaubte an Geister. Und zwar, nachdem er eine seltsame Begegnung hatte: Jobs war eines Abends in seinem Privatbüro am Schreibtisch eingenickt. Als er dann kurz nach Mitternacht mit seinem Kopf vom Tisch aufschreckte, spiegelte sich in dem dunklen Monitor vor ihm die Gestalt einer älteren Frau, die anscheinend direkt hinter seinem Stuhl stand. Jobs drehte sich herum und sah... nichts. Er hätte jedoch schwören können, dass die Frau haargenau wie Elsie, seine alte Putzfrau, die wenige Wochen davor verstorben war, ausgesehen hatte und die immer noch spät abends in sein Büro gekommen war, um ihn einen Kaffee zu bringen.
Haben Sie diese (völlig frei erfundene) Geschichte irgendwie geglaubt? Oder glauben wollen? Dann ist das Buch auf jeden Fall etwas für sie. Denn ähnliche unbelegte Geschichten gibt es hier zuhauf. Aber der Reihe nach:
Das erste Manko des Buches empfand ich gleich im Vorwort: hier zeigt sich der Verfasser als etwas verbohrter "Grenzwissenschaften-Anhänger" der versucht skeptischen und kritischen Stimmen mit pauschalen, abwertenden Bemerkungen auszuweichen.
Dabei kommt es dann auch zu eigenen Widersprüchen: einerseits bezeichnet er Humes Prämisse, dass nur existiert, was sich durch einen der menschlichen Sinne wahrnehmen lässt, als Trugschluss, andererseits begründet er auf der nächsten Seite die Existenz von Geistern mit dem Argument: es haben schon so viele Leute Geister gesehen. Wissenschaftlich, auch im esoterischen Sinne, ist das nicht. Angenehmer empfinde ich Bücher, in denen über paranormale Phänomene einfach berichtet wird, ohne wertende Kommentare und ohne Pauschalbehauptungen wie: es glauben so viele Völker an etwas, deswegen muss es das doch geben.
Im Laufe des Buches wiederholen sich dann überflüssige Bemerkungen wie: "Skeptiker wurden eines Besseren belehrt", "sein Zynismus schmolz wie Butter" etc.
In den folgenden Einzelkapiteln zu verschiedenen Geisterphänomen, -vorstellungen und -aberglauben geht der Autor sehr oberflächlich und sprunghaft vor. Hier wird ein Thema angerissen, dort ein Schnipsel Info gegeben, hier eine Behauptung aufgestellt, dort schnell von einem Brauch gesprochen. Etwas Esoterik, etwas Volksglaube, etwas Spiritualismus. Dazu eine beliebige Auswahl von Geisterbeobachtungen und -erzählungen ohne genaue Quellenangabe.
Es tauchen auch inhaltliche Fehler auf, etwa über Glamis-Castle (der Autor spricht über die Geschichte von Macbeth, die er offensichtlich nicht wirklich kennt - Duncan war der König von Schottland, nicht der Thane von Glamis. Nur bei Shakespeare wurde Duncan von Macbeth in einer Burg ermordet, allerdings in Inverness, nicht in Glamis. Historisch wurde Duncan von Macbeth während einer Rebellion in einer Schlacht getötet. So kann Duncans Geist sicher NICHT in Glamis spuken...) oder über die Biographie Edgar Allan Poes (Poe war nicht in einer Irrenanstalt untergebracht).
Bei der Geschichte der Fox-Schwestern wurde, wie leider üblich bei wirklich blindgläubigen Anhängern des "Spiritismus", wieder mal auf das Ende der Geschichte verzichtet, als die Frauen offen zugeben, dass sie die angeblichen Poltergeistphänomene selbst bewusst erzeugt haben, um Aufmerksamkeit zu erregen. Eine der Schwestern demonstrierte dies sogar vor Publikum.
Unangenehm fallen auch die "Geisterfotos" auf, die so offensichtliche Fälschungen sind, das selbst gutgläubigste Leser Zweifel an der Seriösität des Buches bekommen.
Dies alles untergräbt den eigenen Anspruch des Autors, ganz sachlich über das Phänomen Geister zu unterrichten. So hat Hume vielleicht doch recht, wenn er sinngemäß sagt: was ist wahrscheinlicher? Dass die Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden oder dass ein Mensch Geschichten erfindet?
Wirkliche Einsicht in die an sich ja sehr interessanten Themen wird so nicht gegeben. Zumal der Autor gleich zu Anfang recht engstirnig (wie ich meine) mögliche Erklärungen durch die Macht des menschlichen Unterbewusstseins und psychisch bedingten Wunsch- oder Wahnvorstellungen pauschal ablehnt.
Da ich mich schon lange mit "übersinnlichen Phänomenen" und Kryptologie beschäftige (nennen Sie mich Mulder... Insider...), fand ich das Buch daher sehr enttäuschend und hätte mir eine weniger voreingenommene (entweder man glaubt an Geister oder man ist laut dem Autor ein "verbissener Skeptiker") und gehaltvollere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. Und dafür gern auf allzu viel "Kleinkram" verzichtet. Der beste Weg, das Thema Geister überzeugend zu behandeln, bleibt meines Erachtens eine möglichst nüchterne und nachvollziehbare Herangehensweise - dabei reicht es schon, Anekdoten aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten mit entsprechenden Quellenangaben auszustatten.
Mein persönlicher Tip: Wer sich für Geisterphänomene interessiert, findet mittlerweile im Internet ausgezeichnete Informationen. Dabei lohnt es sich auch, mal die Skeptikerseiten durchzusehen. Authentische, nicht wertende Berichte über Geistererscheinungen findet man u.a. bei Simon Marsden. Bei Interesse an spirituellen Themen empfehlen sich Sachbücher, die sich mit konkreten Themen wie Nahtoderfahrungen, Seelenwanderung, Astralkörper etc. beschäftigen. Sehr anspruchsvoll ist dabei Rudolf Steiners Klassiker "Wie man Erkenntnisse höherer Welten erlangt".
Das Buch "Geister" dagegen ist mehr etwas für eine flotte Wochenendlektüre und/oder für Leute, die sich noch nie mit der Thematik befasst haben und vielleicht herausfinden wollen, welches Gebiet sie besonders interessieren könnte.