Der unglaublich interessante junge deutsche Autor, Thomas von Steinaecker, der mit "Wallner beginnt zu fliegen" (siehe auch meine Rezension vom 17.10.2007) debütierte und für dieses Buch mit Recht viel Aufmerksamkeit bekommen hat, stellt jetzt seinen zweiten Roman mit dem verheißungsvollen Titel "Geister" vor.
Zum Plot: Eines Tages verschwindet die sechsjährige Ulrike auf ihrem Schulweg. Alle Suche nach ihr ist ergebnislos, sie bleibt spurlos verschwunden, kehrt nie wieder nach Hause zurück. In dem nächsten Erzählstrang lernen wir den Psychotherapeuten Jürgen kennen, der seine ältere Schwester nie kennen gelernt hat. Sie bleibt undefinierbares Wesen in seiner Biographie, hat für ihn etwas Mythisches, bis zu dem Tag, an dem er die Bekanntschaft der Comic-Zeichnerin Cordula macht.
In diesem Erzählstrang versucht der Autor etwas sehr Schwieriges, nämlich zu beschreiben was passiert, wenn einem die eigene Identität zerfällt und man das Gefühl hat, das alles was man gespenstisch nur noch in Bildern wahr nehmen konnte, der so genannte visuelle Bildspeicher zerspringt. In ihrem Comic Strip Ute lässt er Cordula das Schicksal von Ulrike wieder aufgreifen, lässt durch die Flucht in Mangas (aus Japan stammender handlungsreicher Comic, der durch besonders grafische Effekte gekennzeichnet ist) die verschwundene Ulrike wieder am Leben teilhaben. So entsteht im Grunde eine zweite Identität für Ulrike, wie für alle Menschen, die sich in Comic Figuren verwandeln. Schritt für Schritt begibt sich Jürgen immer mehr in die Abhängigkeit der mysteriösen Cordula und verwebt sich zunehmends in die esoterischen Fantasiegebilde ihrer abenteuerlich grotesk utopischen Comic Strips.
Die ganze Geschichte hat einen sehr theoretischen Hintergrund, es gelingt ihm diese komplexen Vorgänge ohne jedweden Jargon in eine wirkliche Geschichte zu packen. Thoma von Steinaecker, der über literarische Foto-Texte promoviert hat, ist es ganz ausgezeichnet und eindrucksvoll gelungen diese komplexen Vorgänge mit einem sehr theoretischen Hintergrund, ohne jedweden Jargon in eine wirkliche Geschichte zu packen. Ich empfehle dieses Buch.