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Geister
 
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Geister [Gebundene Ausgabe]

Stefano Benni
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 412 Seiten
  • Verlag: Wagenbach; Auflage: 1. Auflage. (März 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803131561
  • ISBN-13: 978-3803131560
  • Größe und/oder Gewicht: 22,3 x 13 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.180.014 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Stefano Benni
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Aufstand der Geister.
Als John Lennon am 8. November 1980 ermordet wurde, muss Gott endgültig der Kragen geplatzt sein. Er packte die Koffer, nahm seine Beatlesplatten und übergab den Laden an Luzifer. Die Welt -- eine verfehlte Investition? Im neuen Roman des italienischen Kultautors Stefano Benni jedenfalls trudelt der blaue Planet am Rand der Apokalypse. Wohin man auch schaut: Korruption, Krieg, Klimakatastrophen.

Pünktlich zum 10. Jahrestag des "Gerechten virtuellen Krieges" plant John Morton Max, Präsident des Imperiums, ein Mega-Konzert, gegen das Woodstock wie eine dröge Dorfdisco anmuten soll. Statt Love & Peace setzt es Durchhalteparolen und Reklame: "Das ist ein Zwanzig-Milliarden-Geschäft", schwärmt Soldout, König für Show-Bizz und Propaganda, "eine davon spenden wir für eine gute Sache, den Rest verknuspern wir selbst".

Doch auf der kleinen Insel, die man für das Propaganda-Spektakel auserkoren hat, regt sich Widerstand. Wie im Märchen sind es Kinder und gute Geister, die den Mächtigen Paroli bieten -- Geister, die seit tausenden von Jahren die Kräfte der Welt in Einklang halten und dem selbstzerstörerischen Treiben der Menschen nun nicht länger zusehen wollen. Propagandaminister, Armeebefehlshaber und Medien-Tycoons erleiden Halluzinationen und neigen zu selbstmörderischen Anwandlungen. Bienenschwärme attackieren Flugzeuge, Nachtfalter belagern Wolkenkratzer und Hunde verschwinden mir nichts, dir nichts von Velázquez-Gemälden. Doch das ist nur der Anfang eines Show-downs von intergalaktischen Ausmaßen.

In seinem trashigen Science-Fiction-Comic holt Benni zum Rundumschlag auf Medienwelt, Globalisierung, Kriegführung und die zynische Politikerkaste aus. Der Autor inszeniert seine furiose literarische Freak-Show mit mehr als 70 (!) Hauptpersonen -- selbst Elvis Presley und ein Schwarm tiefgefrorener Tunfische sind mit von der Partie. Beim Leser bleibt kein Auge trocken. Nur einer dürfte wenig Freude an der Lektüre haben: Signore Silvio Berlusconi, der als allmächtiger Medien-Mogul Berlanga mit seinen Kompagnons Knilch und Muderk durch den Roman geistert. Dabei ist Stefano Benni mehr als eine beißende Politsatire auf das aktuelle Italien geglückt. Ein Blick in die Tageszeitung beweist -- traurig, aber wahr --: Sein "Fantasy-Nepp-Italien" ist überall. --Niklas Feldtkamp

Neue Zürcher Zeitung

Auf der Esoterik-Website

Der neue Roman von Stefano Benni

Stefano Benni guckt bestimmt jeden Tag Fernsehen. Er zappt sich durch sämtliche Privatkanäle, pfeift die Top Ten auf MTV auswendig mit, kennt jede Rateshow und surft nebenbei noch im Internet. Der italienische Schriftsteller ist nämlich ein Experte für Trash-Kultur. Bei TV-Abstinenzlern und traditionellen Bildungsbürgern dürfte sein jüngster Roman, «Geister» , nichts als Verwirrung auslösen. Ohne ein Minimum an Medienerfahrung entgeht einem die Hälfte.

Bei seinem grandiosen Abenteuerspektakel sind mit von der Partie: die russifizierte Madonna-Variation Madoska, der Pavarotti-Verschnitt Bombarotti, die englische Jugendband Kindergarden-Boys, ein Michael-Jackson-Wesen namens Rik, etliche Komiker und Conférenciers, hinter denen sich italienische Fernsehstars verbergen. Genüsslich durch den Kakao gezogen werden auch Grössen aus der Tagespolitik. Ein gewisser Rutalini, Bürgermeister der Partei der «Moderisten», gemahnt an den braven römischen Ex-Bürgermeister und Präsidentschaftskandidaten Rutelli, und Berlanga, Parteichef der «Moderaten» und Eigentümer eines Medienimperiums, ist ein Klon von Berlusconi.

Aber das sind kaum mehr als special effects , Knallerbsen und Wunderkerzen aus der Trickkiste des Satirikers. Anders als in früheren Büchern beschränkt sich Benni nicht auf unterhaltsame Science-Fiction mit zivilisationskritischer Schlagrichtung. Vielleicht ist sein neuer Roman sogar das Produkt einer Sinnkrise, denn selten zuvor stand der Kultautor ausgerechnet mit spirituellen Kräften auf so vertrautem Fuss. Etwa ein Viertel seiner 67 Hauptfiguren rekrutiert sich aus Geisterfamilien. Was ist da nur los?

Es geht alles den Bach runter. Weil alles den Bach runtergeht, verschreiben sich die guten Geister der Rettung der Welt und verpflichten sprechende Thunfische, Schamanen und die Zwillingskinder Salvo und Miriam für das Projekt. Wir schreiben das Jahr 2010, die Bevölkerung ist einem schrankenlosen Materialismus verfallen, die Umwelt ist zerstört, und die Führungsschicht hat ausser Kriegshandlungen keine politischen Ziele. Der golfspielende Präsident des Imperiums zeichnet sich durch seine simple Triebstruktur aus und spürt sabbernd vor Wollust der violettäugigen Praktikantin Melinda nach. Aber Melinda ist ein mit allen Wassern der Weiblichkeit gewaschener Geist zweiter Ordnung und hat, anders als ihr Vorbild aus der Wirklichkeit, an den Genitalien des Präsidenten kein Interesse. Mit ihren Kumpanen operiert sie gegen die skrupellose Elite, die sich aus dem Propaganda-Experten Sold out, dem General Lucmich, dem Waffenkönig Hakarus und dem König für Virtuelles Sys Req zusammensetzt. Als Reklameaktion und Jubiläumsfeier für den 10-jährigen Gerechten Krieg inszeniert die Führungsschicht eine Mega-Konzert-Show, und wie in einem Märchen blasen die guten Mächte zum Angriff. Erst müssen Auseinandersetzungen zwischen konkurrierenden Geisterfraktionen, spektakuläre Verfolgungsjagden und eine Todesserie nach dem Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip überstanden sein, bis sich auf Seite 404 ein Sieg der positiven Kräfte anbahnt.

«Geister» ist eine glänzend erzählte Mischung aus Apokalypse, Märchen und Ritterepos. Dass nun ausgerechnet Kindern die Rettung der Welt angetragen wird, hätte ohne die comicartige Präsentation und die Stilmittel der Satire leicht süsslich wirken können. Mit seinem satirischen Talent – allein wegen der Namensgebung gebührte dem Schriftsteller (und dem Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel) ein Preis – überspielt Benni auch die Naivität des Erlösungswunsches.

Virtuos wie einer seiner Schamanen verknüpft und verzwirbelt Benni die unzähligen Schicksale, Handlungsfäden und Schauplätze des Romans und lässt ganz altmodisch einen allwissenden Erzähler agieren. Obwohl er sich alle drei Seiten über seine medienversessenen Zeitgenossen lustig macht und die Computersucht an den Pranger stellt (Sys Req leidet z. B. unter einer Wirklichkeitsallergie und verkraftet immer nur einen bestimmten Prozentsatz an Realität), bedient sich der 54-jährige Autor einer Ästhetik der Gleichzeitigkeit. Wie auf einer Website öffnet er Symbol um Symbol, klickt sich von Link zu Link, von Mikrogeschichte zu Minilegende und führt dem Leser so etwas wie eine unendliche Semiose vor. So gebiert jedes Zeichen ein weiteres Zeichen, bis schliesslich das Gute über das Böse siegt. Literarischer Voodoo eben.

Maike Albath


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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Stefano Bennis neuer Roman ist nicht nur ein apokalyptisches Szenario, in dem es von Geistern nur so wimmelt, er beinhaltet auch eine drastisch-ironische Kritik an unserem Glauben an den Zeitgeist, der alles, und sei es noch so absurd zu rechtfertigen scheint. Dabei gelingt es Benni die die Turbulenzen zwischen den Geistern und dem Zeitgeist begleitende Kritik am Verhalten der Menschen derart zu erzählen, dass es keines Zeigefingers mehr bedarf, um auf bestimmte Blödheiten hinzuweisen, sondern schlicht und einfach einer geistreichen Erzählung wie dieser. Ein außerordentlich witziges und anregendes Lesevergnügen mit Tiefsinn. Alice Schmitz
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