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Geist und Materie: Zur Aktualität von Erwin Schrödinger (edition unseld)
 
 
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Geist und Materie: Zur Aktualität von Erwin Schrödinger (edition unseld) [Taschenbuch]

Hans Ulrich Gumbrecht , Robert B. Laughlin , Robert Pogue Harrison , Michael R. Hendrickson , Sabine Baumann
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 149 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (20. Oktober 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518260138
  • ISBN-13: 978-3518260135
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Hans Ulrich Gumbrecht
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Die Hommage an Erwin Schrödinger, die in der edition unseld erschienen ist, hat vor allem dessen Sinn für Grenzgänge und unorthodoxe Fragestellungen im Blick. Hervorgegangen ist sie aus einer interdisziplinären »Philosophical Reading Group« an der Universität Standford, die sich vor allem mit Schrödingers Was ist Leben? und seinen 1956 publizierten Überlegungen über Geist und Materie beschäftigte.« (Helmut Mayer Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Kurzbeschreibung

Erwin Schrödinger (1887-1961) gilt als einer der Väter der Quantenphysik; 1933 erhielt er zusammen mit Paul Dirac den Nobelpreis. Schrödingers Schriften regen auch heute noch an zu einem neuen Blick auf die Welt – und sie haben nicht nur in der Physik weitreichende Folgen gehabt. Schrödinger gilt vielen Experten heute als ein Vordenker des Bioengineering, der Entwicklung von Techniken, mit denen sich Zellen, Gewebe und Lebewesen effizient manipulieren lassen. Und Philosophen attestieren ihm eine orientierende und provozierende Wirkung auf eine neue ökologisch motivierte Philosophie der Natur. In diesem Band entfalten führende amerikanische Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler das kontroverse Potential von Schrödingers Denken und belegen die anhaltende philosophische und technisch-praktische Bedeutung der Erkenntnisse eines epochalen Wissenschaftlers. "Die Welt ist ein Konstrukt aus unseren Empfindungen, Wahrnehmungen, Erinnerungen. Zwar ist es bequem, sie uns an und für sich einfach schlechthin vorhanden zu denken. Aber sie ist anscheinend nicht schon durch ihr bloßes Vorhandensein auch wirklich manifest." Aus: Erwin Schrödinger, Geist und Materie

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
60 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Nina R.
Format:Taschenbuch
Dieses Büchlein wurde von nicht weniger als vier Autoren der unterschiedlichsten Fachrichtungen geschrieben. Je ein Professor für Komparatistik, Italienische Literatur, Pathologie und Physik widmen sich einer Seite von Erwin Schrödingers Denken, die wohl für die meisten Rezipienten (so auch mich selbst) unbekannt ist. Als Nicht-Physiker habe ich Schrödingers eigene Schriften nie gelesen, in der Annahme, dass sie meine physikalischen Kenntnisse ohnehin übersteigen. Als Laie kannte ich natürlich seinen ironischen Vergleich mit der Katze und der Höllenmaschine, und auch die Schrödingergleichung war mir namentlich ein Begriff, ohne dass ich hätte erklären können, was sie besagt.
Hier erfahren wir jedoch, dass Schrödinger einer der wenigen Naturwissenschafter war, die es wagten, zumindest ansatzweise über den Tellerrand ihres eigenen Fachgebiets hinaus zu blicken, ja, er scheute es nicht, "laienhafte" Gedanken über das Wesen des Seins anzustellen, wofür er - was mich nicht wirklich erstaunt - von der Fachwelt (oder Teilen von ihr) belächelt, angefeindet und gemobbt wurde. "Geist und Materie" sowie "Was ist Leben?" sind die Titel der Werke, in denen Schrödinger sich bis in philosophische Bereiche vorwagt, was ihm einige Kollegen offensichtlich sehr übel nahmen.

Hans Ulrich Gumbrecht (Komparatistik) schreibt rahmenartig eine kurze Einleitung und das Schlusswort. Während die Einleitung einen guten Überblick über die Inhalte der folgenden Aufsätze bietet, nähert sich Gumbrecht im Nachwort über eine Analyse eines fragmentarisch gebliebenen autobiographischen Textes dem Menschen Schrödinger, wobei er sich dabei meiner Ansicht nach ein bisschen zu sehr im Detail verzettelt und Schrödingers Denkweise beinahe mystifiziert.

Robert Pogue Harrison (Italienische Literatur) hebt die "Doppelexistenz" Schrödingers als Wissenschafter wie auch als Denker hervor, eine Kombination, die bis heute als selten, wenn nicht gar - aus naturwissenschaftlicher Sicht - als anstößig gilt. Naturwissenschafter nehmen sich das Recht und die Pflicht heraus, die Dinge zu erklären, nicht, sie zu ergründen oder zu erläutern. Die Frage nach dem Warum wird den Philosophen überlassen und mitunter als nicht wissenschaftlich degradiert. Ja, es geht sogar so weit, dass Fragen, die dem naturwissenschaftlichen Weltbild zuwider laufen, bewusst ignoriert werden, wodurch sich ein reduktionistisch-verzerrtes Weltbild ergibt, das Schrödingers Drang zu "intellektueller Redlichkeit" zuwider läuft. Bezeichnend finde ich folgenden Satz:
"Hinsichtlich der Verbindung zwischen Geist und Materie gibt es besonders unter Hirnforschen eine ausgesprochene Abneigung, sich mit diesen Dilemmata sinnvoll auseinanderzusetzen. Weit verbreitet ist die Tendenz, die Paradoxien mit Hilfe reduktionistischer oder rein materialistischer Schablonen »zu verbergen oder wegzuerklären«, anstatt zuzugeben, daß sie die Durchdringung der Materie mit Geist nicht zu erklären vermögen." (S. 37)
Eben dies habe ich als Hauptkritikpunkt bei meiner Rezension des ebenfalls in der edition unseld erschienenen Büchleins von Michael Pauen und Gerhard Roth, "Freiheit, Schuld und Verantwortung" hervorgehoben. Die genannten Herren agieren in ihrer Schrift haargenau so, wie hier von Harrison beschrieben: Sie erkennen die Diskrepanz und streichen demzufolge die störenden Elemente ihrer Wahrnehmung einfach weg, mit dem banalen Argument, diese seien "unwahrscheinlich".

Robert B. Laughlin (Physik) verfasste den für meine Begriffe interessantesten wie auch kritischsten Aufsatz, indem er den "philosophischen Laien" Schrödinger und seine Rezeption in der Fachwelt näher beleuchtete, wobei der Autor damit nicht mit Kritik an den Zeitgenossen Schrödingers (v.a. Bohr und Heisenberg) spart und deren Anfeindungen als zu nicht geringem Teil neidischem Konkurrenzverhalten entspringend entlarvt.
Ein wirklich interessanter wie brisanter Punkt in Laughlins Ausführung ist die Feststellung, dass Schrödinger mit seiner Gleichung die Kopenhagener Deutung widerlegt hätte, dieses Faktum aber bis heute als eines der Tabus in der Physik nach wie vor nicht laut ausgesprochen werden dürfe. Das schien mir doch allerhand, weshalb ich einen befreundeten Physiker um Aufklärung diesbezüglich bat. Seine Reaktion wie die seiner Kollegen war mehr als bestürzend: Kein einziger (!) Wissenschafter wollte sich dazu dezidiert äußern, was Laughlins Behauptung meiner Ansicht nach untermauert. Was ist denn so schlimm daran, Stellung zu beziehen und zu sagen: "Ja, so ist es"? Tja, in der Wissenschaft kann einen das mitunter den Kopf kosten.

Michael R. Hendrickson (Pathologie) nimmt den weitaus größten Platz in dem Büchlein für sich in Anspruch. Obwohl er über weite Strecken das mir eher vertraute Gebiet der Molekularbiologie absteckt und Schrödingers Beitrag zur Entwicklung der Gentechnik schildert, halte ich den Beitrag für zu ausladend. Ich habe den Eindruck, dass ein Laie durch Hendricksons weitschweifiges Ausholen in die Grundlagen der Molekularbiologie nicht unbedingt schlauer wird. Er reißt die Themen zwar an, erklärt sie aber nicht zu Ende, und damit füllt er Seite um Seite, die völlig am Thema (Schrödinger) vorbei führen. Gut ein Drittel wenn nicht gar nicht Hälfte dieses cytologischen Traktats könnte man getrost streichen bzw. kürzen. Die wirklich interessanten Aspekte dieses Aufsatzes offenbaren sich erst auf den letzten paar Seiten, da sich hier der Autor endlich auf sein eigentliches Thema, die Onkologie, konzentriert.

Summa summarum verdient das Buch aber eine absolut positive Wertung, zum einen, weil die vielen unterschiedlichen Blickwinkel ein schönes, mehrdimensionales Bild von Schrödingers philosophischen Denkansätzen liefern, zum anderen weil auch gewagte Kritik an der so genannten Fachwelt geübt wird. Ein Buch, das zur weiteren Vertiefung mit Schrödinger und seinem Werk animiert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Allein schon das Wort "Geist" im Titel, wird manchen Leser etwas irritieren, bzw. von vielen abwertend registriert werden.
Das Geistige, also die Ebene von Steuerung und Information wird, meiner Meinung nach, zu oft bei Seite gelassen.
Viele Intellektuelle sind heute über Teilchen und Naturgesetze zu einem geschlossenen Weltbild gelangt.
Das deckt aber die Eigenschaften der Wirklichkeit ungenügend ab. Erwin Schrödinger hat schon mit seiner Wellen-Quantenformel, also mit Schwingung und Bewegung, die Ideen Heisenbergs wesentlich ergänzt und später immer wieder auf diese dualistischen Eigenschaften hingewiesen.
Es ist gewissermassen das Schicksal von Schrödinger, dass seine Bedeutung wohl noch immer ziemlich verkannt wird, weil der Wellenaspekt von Materie und Energie auch heute noch zu oft unterschlagen wird.
Da unser Gehirn eine Art Wellenauswerter ist, also die Welt wesentlich über schwingende Signale deutet, lässt Schrödingers wellenmechanischer Blickwinkel somit neue Interpretationen des Geistigen zu.
Dieses Buch ist ein guter Anstoß für eine erneute Beschäftigung mit Erwin Schrödinger.
Ich möchte hier auch das CD-Set "Was ist Materie?" mit einem eindrucksvollen Vortrag von Erwin Schrödinger empfehlen.
Auch war Schrödinger einer der wenigen Wissenschaftler, die die Rolle unserer Sinnesorgane eine Schlüsselstelle bei der Erkenntnisfindung ansprachen.
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